DIW-Studie Baukindergeld begünstigt Besserverdiener

Das Baukindergeld soll mehr Familien das eigene Heim ermöglichen. Die von der Großen Koalition verabschiedete Förderung kommt aber vor allem einkommensstarken Haushalten zugute, zeigt eine Studie.
Baugebiet in Schwerin

Baugebiet in Schwerin

Foto: Jens B¸ttner/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das von der Bundesregierung geplante Baukindergeld steht im Ruf, vor allem einkommensstarke Haushalte zu begünstigen. Diese Vermutung bestätigt jetzt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung  (DIW).

Demzufolge profitieren vor allem finanziell besser gestellte Haushalte von der Förderung. Die vergleichsweise hohe Förderung drohe in Mitnahmeeffekten und höheren Grundstückspreisen zu verpuffen, heißt es.

Das Baukindergeld soll rückwirkend ab 1. Januar 2018 gelten. Beantragen können es Familien, deren zu versteuerndes Einkommen in den beiden Jahren vor der Antragstellung 75.000 Euro nicht überschritten hat, zuzüglich eines Freibetrags von 15.000 Euro je Kind. Ziel der Bundesregierung ist es, Familien mit Kindern beim Kauf von Wohneigentum zu unterstützen. Sie sollen über zehn Jahre 12.000 Euro je Kind erhalten, wenn sie erstmals in eine eigene Immobilie ziehen. Laut der jüngsten DIW-Studie profitieren von der Subvention jedoch vor allem einkommensstarke Familien.

Haushalte mit mittleren Einkommen profitieren

Die DIW-Forscher legten für ihre Berechnungen das sogenannte Sozio-oekonomische Panel zugrunde. Diese repräsentative Befragung von rund 12.000 Privathaushalten wird jährlich bei denselben Personen durchgeführt. Die Forscher bildeten aus den Jahren 2011 bis 2016 den Durchschnitt und schätzten mithilfe des Mikrosimulationsmodells STSM Kosten und Verteilungswirkung der Maßnahme.

Demnach würden in absoluter Höhe vor allem die Haushalte mit mittleren Einkommen besonders profitieren. Doch weil Geringverdiener gar nicht davon profitieren, zögen in der Summe die einkommensstärksten 30 Prozent der Haushalte noch mehr Vorteile aus der Förderung als die untersten 40 Prozent.

Durch die relativ hohen Einkommensgrenzen sind auch einige der einkommensstärksten zehn Prozent aller Haushalte förderberechtigt. Die Wissenschaftler kritisieren, dass es dadurch zu Mitnahmeeffekten kommen könnte. Es sei wahrscheinlich, dass viele dieser Haushalte auch ohne eine staatliche Unterstützung bauen oder kaufen würden, heißt es.

Mitnahmeeffekte erwartet

Werde die Förderung in Relation zur Anzahl der Kinder gestellt, zeige sich, dass die oberen Einkommensgruppen deutlich stärker vom Baukindergeld profitieren als die niedrigen Einkommensgruppen.

Das liege daran, dass die Zahl der Kinder in den mittleren Einkommensschichten am größten ist, schreiben die Forscher. Entsprechend sei die absolute Förderung dort am höchsten. Mit zunehmendem Einkommen sinke aber die relative Kinderzahl je Haushalt. In den oberen Einkommensgruppen sind mehr ältere Personen vertreten, bei denen nicht mehr alle Kinder Anspruch auf Kindergeld haben. Zudem seien die Ersterwerbsquoten dort höher.

Rein rechnerisch sei dadurch die Förderung je Kind gemessen an der Gesamtzahl der Kinder in den oberen Einkommensklassen höher. Diese Gruppen würden daher die Subvention häufiger in Anspruch nehmen und im Vergleich zu den niedrigeren Einkommen stärker profitieren. "In diesen Haushaltsgruppen können jedoch die größten Mitnahmeeffekte vermutet werden", heißt es in der Studie.

"Baukindergeld wird zum Bauträgergeld"

Die Forscher kritisieren zudem, dass die Subvention zu einem Zeitpunkt komme, an dem die Bau-, Boden und Immobilienpreise zumindest in vielen großen Städten und Ballungsräumen rasant stiegen. Dies werde dazu führen, dass die Erlöse von Grundstücks- und Immobilienverkäufern, Bauträgern und Bauunternehmen in die Höhe schnellen. Die geplante zeitliche Begrenzung der Förderung bis Ende 2020 werde diesen Effekt verstärken. "Das Baukindergeld wird so zum Bauträgergeld", schreiben die Forscher.

Auch dürfte die Förderung eine starke regionale Lenkungswirkung haben. Da auf dem Land mehr freie Bauplätze verfügbar und die Preise moderat seien, senke das Baukindergeld dort die Belastungen des Eigentumserwerbs spürbar. In den Städten würde die Förderung dagegen nur ein Tropfen auf den heißen Stein bedeuten, heißt es. Damit werde das Baukindergeld zu einer Bleibeprämie für den ländlichen Raum.

Die Wissenschaftler bemängeln darüber hinaus, das Baukindergeld gehe das Problem der steigenden Eigenkapitalforderungen beim Immobilienerwerb nicht an. Angesichts niedriger Zinsen sowie guter Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung könnten viele Mittelschichtshaushalte zwar die laufenden Kosten einer Immobilienfinanzierung tragen. Allerdings sei der Eigenkapitalbedarf stark gestiegen.

Das Problem, das vor allem für weniger einkommensstarke Haushalte bestehe, gehe die Politik mit dem Baukindergeld allerdings nicht an, heißt es. Die Wissenschaftler plädieren daher für eine Stärkung des Eigenkapitals durch Zuschüsse, Bürgschaften oder Nachrangdarlehen.