Tsipras in Berlin BDI-Präsident fordert Hilfe für Griechenland

Vor seinem Berlin-Besuch bekommt Griechenlands Premier Unterstützung aus der deutschen Wirtschaft: BDI-Präsident Grillo fordert, Griechenland im Euro zu halten. So könne die EU Stärke demonstrieren.

BDI-Präsident Grillo (Archiv)
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BDI-Präsident Grillo (Archiv)


Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat einen Tag voll unangenehmer Gespräche in Berlin vor sich. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel den Premier empfängt, wird es um die Flüchtlinge gehen, die Beziehungen der EU zur Türkei und die Zypern-Verhandlungen. Auch der Freiburger Mordfall und die damit verbundenen Vorwürfe gegen griechische Behörden dürften zur Sprache kommen und natürlich die jüngst von der Eurogruppe abgelehnten Schuldenerleichterungen.

Immerhin die deutsche Wirtschaft fordert jetzt Unterstützung für das überschuldete Land: Europa dürfe Griechenland nicht fallenlassen. "Wir Europäer müssen den Griechen helfen. Wir müssen Griechenland im Euroraum und in der EU halten", sagte Industriepräsident Ulrich Grillo vor Tsipras' Besuch der Nachrichtenagentur dpa. Die EU müsse auch am Beispiel Griechenland zeigen, dass Probleme gemeinsam gelöst würden. "So lässt sich Stärke demonstrieren."

Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung sollten in ganz Europa verbessert werden, betonte der scheidende Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). "Keinesfalls darf die Staatengemeinschaft zerbröseln. Wenn wir uns gut um unsere Sorgenkinder kümmern, ist das die beste Werbung für Europa."

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Zuletzt hatte die Regierung in Athen die internationalen Geldgeber irritiert, weil Tsipras ohne Rücksprache Sonderzahlungen an bedürftige Rentner durchsetzen will. Auch Grillo mahnte, der Reformkurs müsse fortgesetzt werden. Die Griechen hätten aber Respekt für bereits erreichte Fortschritte verdient. "Wenn man sich vorstellen würde, in Deutschland nur ansatzweise die Reformen durchzuziehen, die Griechenland umsetzen muss, würde es sicherlich einen gewaltigen Aufschrei geben", sagte Grillo.

nck/dpa

insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
spon_3511963 16.12.2016
1. So könne die EU Stärke demonstrieren.
Ich hoffe das der BDI die Kosten übernimmt. Der Herr sollte sich lieber in Schweigen hüllen was die GR betrifft.
tropfstein 16.12.2016
2. Buddenbrooks
Der windige Herr Bendix Grünlich hatte in die Familie Buddenbrook eingeheiratet. Als sich herausstellte wie sehr er sich in die Pleite geritten hatte (durch "widirge Umstände", wie er meinte, ersuchte er Vater Buddenbrook, ihm kräftig Geld zuzuschießen. Damit könne das Haus Buddenbrook aller Welt beweisen, wie finanzstark es sei. Vater Buddenbrook lehnte ab. Da verlor Grünlich die Nerven und schrie es heraus: an der Tochter war ihm nie gelegen gewesen, nur am Geld der Buddenbrooks.
wo_st 16.12.2016
3. ?
Hat der BDI dort Immobilien oder braucht er für Mitglieder in Griechenland Aufbauhilfe?
Duzend 16.12.2016
4. Die eigenartige Auffassung von Stärke des Herrn Grillo
Wer sind eigentlich "wir" und "die", und wem soll geholfen werden? Herr Grillo redet in meinen AUgen unbedacht oder zynisch der x-ten Runde im Weiterso das Wort: Wir (= vor allem ihr Steuerzahler) sollten jetzt Stärke zeigen (klar, mit'm 911er rumfahren, um Potenz zu markiern), die Griechen (nur die Geld- und Volkswirtschaft Griechenlands, die nie da hinein gehört hätte, wie inzwischen jeder weiss) im Euro behalten und den Griechen (nur den Banken) zur Seite stehen und ihre Reformanstrengungen (auferlegten Austeritätsprogrammen, jeder Cent für Bedürftige ist einer zuviel) würdigen bzw. sie ermuntern, den Weg weiterzugehen. Da der zum Nennwert immer unzumutbarer wird und auch nichts Wirkliches fruchtet, soll man den Angezählten nochmal einen Schluck aus der Pulle gönnen. Es gab mal den Spruch "Wer eine Musik bestellt, soll sie auch bezahlen". Wenn man Herrn Grillo je sagen hört "...und wenn das erheblich mehr Geld kostet als zunächst geplant, dann bin ich auch für eine Unternehmenssteuerreform und für eine Erbschaftssteuer zu haben, die uns Unternehmer stärker belastet", werde ich meine Position ggf. nochmals revidiern. Vorher nicht. Es ist ein Hohn. Wann kommt eigentlich der Tag, an dem eine Mehrheit in Deutschland einen Politiker ins hohe Amt wählt, der in einer solchen Situation den Gesprächsfaden aufnimmt und sagt: "Also, Herr Grillo, mit welchen Beträgen will sich denn die Wirtschaft an der Griechenrettung beteiligen? Ich höre..."? So langsam muss man sagen: Selber schuld.
salkin 16.12.2016
5.
Ist mal eine gute Gelegenheit für Herrn Gabriel und Herrn Schulz sich zu profilieren indem sie Herrn Grillo auffordern seine Mitglieder zu Investitionen in Griechenland zu animieren. Vielleicht könnten seine Verbandsmitglieder eine Investitionsoffensive in Griechenland starten an deren Ende dann 50.000 zusätzliche, gut bezahlte, Jobs in Griechenland entstehen.
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