Bedrohte Banken Rating-Riese prüft Frankreichs Top-Note

Der Druck auf Frankreich steigt: Nach Ansicht der Rating-Agentur Moody's hat Europas zweitgrößte Wirtschaftsmacht in der Finanzkrise an Stärke verloren. Die Bestnote der Landes werde deshalb überprüft. Europas Börsen starten mit einem deutlichen Minus.

Eiffelturm in Paris: Sorge um Frankreichs Bestnote
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Eiffelturm in Paris: Sorge um Frankreichs Bestnote


New York - Rettungspakete für Griechenland und Portugal, mögliche Hilfen für heimische Banken: Auf Frankreich kommen in den kommenden Monaten massive Belastungen zu. Die Rating-Agentur Moody's stellt deshalb die Top-Note der Wirtschaftsmacht auf den Prüfstand.

Die Pariser Regierung muss nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's bald große Reformen angehen - sowohl wirtschaftliche als auch fiskalpolitische. Nur so könne die Kreditwürdigkeit des Landes gesichert werden. Die Stärke des Landes habe wegen der Belastungen durch die Finanzkrise nachgelassen. Das schreibt die Agentur in ihrem jährlichen Kreditbericht über Frankreich.

Schon jetzt sei die Schuldensituation in Frankreich gravierender als in den meisten anderen Ländern, die mit der Note "AAA" bewertet werden. Zudem könnten im Zuge der Schuldenkrise weitere Belastungen auf die Staatskasse zukommen - etwa im Falle weiterer Hilfen für Länder oder die Banken.

Frankreichs Finanzminister François Baroin bemühte sich, den Bericht herunterzuspielen. Die Spitzenbonität seines Landes sei nicht gefährdet, weil Frankreich bei der Verabschiedung von Maßnahmen zum Defizitabbau sogar noch dem Zeitplan voraus sei, sagte er am Dienstag dem TV-Sender France 2.

Börsen im Minus

Baroin räumte allerdings ein, dass die Wachstumsprognose für das kommende Jahr zu hoch gegriffen sein dürfte. Die angestrebten 1,75 Prozent seien angesichts der schwachen Wirtschaftsaussichten wahrscheinlich nicht zu erreichen.

Europas Börsen reagierten besorgt auf die Moody's-Meldung. Der Dax Chart zeigen fiel kurz nach Handelsauftakt um knapp zwei Prozent. Auch der EuroStoxx 50 Chart zeigen verbucht deutliche Verluste.

Als wären die schlechten Nachrichten über Frankreich nicht schon genug, sind die Märkte zudem wegen widersprüchlicher Aussagen der deutschen Regierung. Diese hatte zunächst die Erwartungen an den besvorstehenden EU-Gipfel gedämpft - und dann gesagt, es sei nun die Zeit für "kühne Schritte". Laut "Financial Times" verunsicherte diese gemischte Botschaft die Märkte.

Experten sehen Frankreichs Top-Rating ebenfalls in Gefahr - und warnen sogar schon vor einem Zusammenbruch des Eurorettungsschirms EFSF. "Durch die Bankenkrise ist der Rekapitalisierungsbedarf für die französischen Banken so groß, dass Frankreich höchste Gefahr läuft, sein Triple-A-Rating zu verlieren", sagte der Chef des Centrums für Europäische Politik, Lüder Gerken, der "Rheinischen Post".

Dann sei das Konstrukt des Rettungsschirms gefährdet, weil er weniger AAA-Kredite aufnehmen könnte, sagte Gerken. Damit er sein Volumen halten könne, müsste Deutschland seine Garantien dann von bisher 211 auf 317 Milliarden Euro aufstocken.

ssu/dapd/Reuters



insgesamt 51 Beiträge
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teufelsküche 18.10.2011
1. Erdrutsch
"Dann sei das Konstrukt des Rettungsschirms gefährdet, weil er weniger AAA-Kredite aufnehmen könnte, sagte Gerken. Damit er sein Volumen halten könne, müsste Deutschland seine Garantien dann von bisher 211 auf 317 Milliarden Euro aufstocken. Und natürlich geht Deutschlands AAA dann nicht den Bach runter? Wer soll denn eine solche Denkweise nachvollziehen können?
TheFrog 18.10.2011
2. Frankreich..
und auch alle anderen Euroländer werden herabgestuft werden, das ist so sicher wie das AMEN in der Kirche. Sollten die Garantien aus dem Rettungsschirm auch nur teilweise in Anspruch genommen werden, und auch das wird passieren, dann geht es mit Schwung abwärts. Außerdem darf bezweifelt werden, ob unser Oberfinanzmann mit dem großen Durchblick und Madame noch in der Lage sein werden, auf die Garantien einen Hucken draufzupacken, denn eigentlich sind wir jetzt schon über unsere Grenzen gegangen, wider jede Vernunft. Kopfschüttelnd verfolgt man die Entwicklungen und fragt sich allen Ernstes, von was für Dummköpfen wir doch regiert werden. Wofür die Planerfüllung Jahrzehnte brauchte, das schafft unsere FDJ-Vorsitzende in Rekordzeit.
Tarivid 18.10.2011
3. Hunderte Milliarden
Bald hunderte Billionen?
shokaku 18.10.2011
4. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von teufelsküche"Dann sei das Konstrukt des Rettungsschirms gefährdet, weil er weniger AAA-Kredite aufnehmen könnte, sagte Gerken. Damit er sein Volumen halten könne, müsste Deutschland seine Garantien dann von bisher 211 auf 317 Milliarden Euro aufstocken. Und natürlich geht Deutschlands AAA dann nicht den Bach runter? Wer soll denn eine solche Denkweise nachvollziehen können?
Das kommt jetzt aber überraschend. Wo Problem? Das ist doch die ganz normale sozialistische Denkweise. Ein angeblicher Bedarf wird festgestellt, und danach sollen die "starken Schultern" den befriedigen. Wo die bei dem Ganzen bleiben interessiert nicht die Bohne. Hier wiederholt sich in größerem Rahmen, was im Länderfinanzausgleich oder bei der H4-Alimentierung schon lange Usus ist.
mitwisser, 18.10.2011
5. Laterne Laterne
Zitat von teufelsküche"Dann sei das Konstrukt des Rettungsschirms gefährdet, weil er weniger AAA-Kredite aufnehmen könnte, sagte Gerken. Damit er sein Volumen halten könne, müsste Deutschland seine Garantien dann von bisher 211 auf 317 Milliarden Euro aufstocken. Und natürlich geht Deutschlands AAA dann nicht den Bach runter? Wer soll denn eine solche Denkweise nachvollziehen können?
Auch der größte Hebel bricht irgendwann. Wir werden dieses Jahr noch einen schwarzen Montag erleben, der sich gewaschen hat. Und dann werden wir alle Kuchen essen und die Laternen spenden nicht nur Licht.... ;-) Deswegen allerorten "Verständnis" für die occupy Bewegung. Ich habe mir auch schon eine schöne Laterne ausgeguckt.
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