Gesetzliche Krankenversicherung Immer mehr Deutsche schulden Kassenbeiträge

Die Zahl der Bürger ohne Krankenversicherung sinkt - doch die scheinbar positive Entwicklung hat auch ihre Kehrseite. Immer mehr Versicherte können ihre Beiträge nicht zahlen. Einem Zeitungsbericht zufolge stiegen die Außenstände in nur einem Jahr um 55 Prozent.
Krankenkassenkarten (Archiv): Selbständige können Beiträge häufiger nicht zahlen

Krankenkassenkarten (Archiv): Selbständige können Beiträge häufiger nicht zahlen

Foto: Harald Tittel/ dpa

Berlin - Auf den ersten Blick sieht es nach einem klaren Erfolg aus: Immer mehr Menschen sind krankenversichert, seitdem die Versicherungspflicht in Deutschland besteht. Doch es gibt auch immer mehr Menschen, für die die Pflicht zur finanziellen Belastung wird. So sind die Außenstände der gesetzlichen Krankenversicherung durch säumige Beitragszahler binnen eines Jahres um 55 Prozent gestiegen. Dies habe der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bestätigt, schreibt der "Tagesspiegel".

Demnach erhöhte sich die Summe der nicht gezahlten Beiträge von 1,08 Milliarden im August 2011 auf 1,67 Milliarden Euro im Juni dieses Jahres. Allein bei der größten Krankenkasse, der BarmerGEK, hätten sich die Rückstände durch 52.000 Privatschuldner auf 227 Millionen Euro summiert. Hinzu kämen etwa 300 Millionen Euro, die Arbeitgeber für ihre Beschäftigten schuldig geblieben seien.

Grund für die Entwicklung ist die 2007 unter Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeführte Versicherungspflicht. Alle Bürger sind seitdem dazu angehalten, einer Krankenkasse anzugehören. Oftmals zahlen jedoch Selbständige, Arbeitslose und verarmte Personen ihre Beiträge nicht. Säumige Versicherte werden in der Regel mehrfach angemahnt und müssen einen Säumniszuschlag leisten. Als letzte Möglichkeit können die Krankenkassen die Leistungen aussetzen. Ausgenommen davon sind Behandlungen akuter Erkrankungen und Schmerzzustände sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft. Auch Zwangsvollstreckungen, etwa Pfändungen, sind möglich.

Der CDU-Politiker Jens Spahn forderte der Zeitung zufolge, Selbständige mit geringem Einkommen bei den Krankenkassenbeiträgen zu entlasten. Es liege "nicht in unserem Interesse, dass man Kioskbesitzer und andere Kleinunternehmer in Zahlungsprobleme treibt", sagte er.

yes/Reuters
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