Diesel im Schnitt bei 2,15 Euro pro Liter Öl- und Spritpreise steigen ungebremst weiter

Mit Hilfen und Eingriffen in den Markt versucht die Politik, die Folgen der russischen Abhängigkeit bei Öl, Sprit und Gas einzudämmen. Auf die Preise hat das bislang nur wenig Einfluss.
Preistafel einer Münchner Tankstelle: Zwölf Cent mehr als am Vortag

Preistafel einer Münchner Tankstelle: Zwölf Cent mehr als am Vortag

Foto: Tobias Hase / dpa

Die Spritpreise legen weiter kräftig zu. Laut ADAC kostete Diesel am Dienstag im Schnitt 2,15 Euro – und damit zwölf Cent mehr als am Vortag. Für den Liter Super E10 mussten die Autofahrer an deutschen Tankstellen im Durchschnitt 2,103 Euro bezahlen, fast zehn Cent mehr als am Vortag. Dem Autoclub zufolge ist Diesel damit in nur einer Woche 39,4 Cent teurer geworden, für Super E10 mussten die Autofahrer in Deutschland 27,6 Cent mehr bezahlen.

Haupttreiber des bisherigen Anstiegs an der Zapfsäule sind die Ölpreise, die im Zuge des Krieges in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland nach oben schnellten. Der starke Dollar verstärkt den Effekt, da Öl in Dollar gehandelt wird und deutsche Käufer in Euro bezahlen. Hinzu kommt die ungewöhnlich starke Nachfrage nach Heizöl.

Die Ankündigung der USA und Großbritanniens, kein russisches Öl und Gas mehr zu importieren, hat die Ölpreise nun weiter angetrieben. Spekulationen auf Lieferengpässe an den Weltmärkten verteuerten die Nordseesorte Brent um zwei Prozent auf 130,49 Dollar je Barrel. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI kletterte um 1,6 Prozent auf 125,63 Dollar je Fass. Die Bundesregierung ist bislang gegen solch ein Embargo, sollte sie dem Druck nachgeben, könnte sich die Entwicklung nochmals verschärfen.

Wegen der dramatischen Lage in der Ukraine hat etwa ein breites Bündnis aus Experten und Aktivisten das Ende von Gas-, Öl- und Kohlelieferungen aus Russland in die EU verlangt. »Wir alle finanzieren diesen Krieg«, heißt es in einem offenen Brief  von Umweltaktivisten, Wissenschaftlern, Schauspielerinnen und Politik- und Wirtschaftsexperten an die Bundesregierung. »Täglich zahlen wir als EU-Staaten über 500 Millionen Euro für den Import von Öl, Gas und Kohle an die russische Führung.«

Sanktionen wirkten schon vor Erlass

Insgesamt sind die Ölpreise um mehr als 30 Prozent gestiegen, seit Russland in die Ukraine einmarschiert ist und die Vereinigten Staaten und andere Länder eine Reihe von Sanktionen verhängt haben. Zu Wochenbeginn wurden die höchsten Stände seit Juli 2008 erreicht.

Russisches Öl- und Gas wurde allerdings im Vorgriff auf die absehbaren Sanktionen bereits vor dem Verbot gemieden. Und: Schon vor dem russischen Krieg gegen die Ukraine waren auch die Spritpreise in Deutschland auf Rekordhöhe gestiegen. Auf Jahressicht ist der Anstieg gewaltig: Im März vergangenen Jahres hatte Diesel noch 1,31 Euro pro Liter gekostet und Super E10 1,45 Euro.

Die hohen Preise befeuern auch die Debatte über mögliche weitere Entlastungen für Verbraucher. ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand forderte wie zuletzt Unionspolitiker auch eine befristete Mehrwertsteuersenkung auf Energie. Mit Blick auf die ebenfalls hohen Gaspreise hat der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis der EU-Kommission indes eine vorübergehende Regulierung des Gasmarkts und eine europaweite Deckelung der Großhandelspreise vorgeschlagen.

Erdgas sei ein wichtiger Faktor im Machtkampf zwischen Russland und der EU geworden, schrieb der Premier an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die ihrerseits unter anderem zum Energiesparen aufrief. Durch den Ukrainekrieg seien weder die Produktionskapazität noch die Lieferketten beeinträchtigt, schrieb Mitsotakis. »Das bedeutet, dass wir kein Problem der Quantität, sondern des Preises haben.«

Deshalb müsse der Markt zumindest befristet reguliert werden, empfahl Mitsotakis und legte einen Sechs-Punkte-Plan vor. So könne man die Gaspreise am besonders liquiden Handelspunkt TTF in den Niederlanden deckeln, beispielsweise auf Höhe des historisch höchsten Gaspreises vor der Krise. Auch könnte ein täglicher Preiskorridor etwa von plus und minus zehn Prozent extreme Schwankungen verhindern.

Zudem forderte er eine Deckelung der Gewinne am Großhandelsmarkt für Strom. Solche Maßnahmen könnten die Strom- und Gasmärkte schützen und verhindern, dass die EU nicht ungerechtfertigt durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen werde, schrieb Mitsotakis.

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Die EU-Kommission hatte am Dienstag einen Plan vorgelegt, um die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren und Europa vor den hohen Energiepreisen zu schützen. Dieser sieht unter anderem vor, dass EU-Länder die Verbraucherpreise vorübergehend regulieren dürfen, um Haushalte und kleine Unternehmen zu schützen. Zudem sieht der Plan vor, dass Staaten die zusätzlichen Gewinne von Stromunternehmen besteuern und an Endkunden umverteilen könnten.

Eine Deckelung der Großhandelspreise, wie sie Mitsotakis fordert, ist nicht vorgesehen. Etwas Vergleichbares hatte aber bereits vor Wochen auch Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), gefordert .

apr/dpa/Reuters
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