TÜV-Prüfung beim BER Testlauf für den Pannen-Airport

Die Bauherren feiern das Richtfest für das zweite Terminal, und im Hauptgebäude laufen sogar schon erste Tests für den Ernstfall-Betrieb. Kann der BER nun wirklich 2020 eröffnet werden?

Flughafenchef Lütke Daldrup: Die Chancen standen noch nie so gut
OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX

Flughafenchef Lütke Daldrup: Die Chancen standen noch nie so gut

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Es war ein Fest ohne großes Aufheben. Der Flughafenchef, ein Bauunternehmer, ein Planer und der Polier nahmen die Zeremonie am Rohbau vor, Mitarbeiter der Flughafengesellschaft und der Baufirmen stellten das Publikum. Doch kein Minister, kein Staatssekretär fand an diesem Dienstag den Weg auf die Baustelle am BER. Das Richtfest für das Terminal 2 fand ohne politische Prominenz statt, die Flughafen-Gesellschafter, der Bund und die Bundesländer Berlin und Brandenburg waren lediglich durch Beamte aus der zweiten Reihe vertreten.

Ein paar Hundert Meter vom gefeierten Betontorso entfernt, der ab Herbst 2020 als BER-Ergänzungsterminal jährlich sechs Millionen Passagiere abfertigen soll, fand schon einmal ein Richtfest statt - vor neun Jahren und drei Monaten. Der Rohbau des Hauptterminals war damals gerade errichtet - und anders als heute war das Interesse in Politik und Wirtschaft groß, dabei zu sein, wenn es am künftigen Hauptstadt-Airport etwas zu feiern gibt.

Klaus Wowereit (SPD), in jener Zeit Regierender Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratschef beim Flughafen, pries den wichtigen Standortfaktor und lobte, dass trotz des harten Winters alles im Kosten- und Zeitplan sei. Matthias Platzeck (SPD), damals Ministerpräsident Brandenburgs, jubelte : "Das ist unser Ticket für die Zukunft."

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Flughafen BER: Chronik eines Baudesasters

Wenige Wochen später cancelten die Flughafen-Manager zum ersten Mal den Eröffnungstermin. Nichts war im Zeitplan, vor allem die Planungen für die Technik im Inneren ein einziges Desaster. Auch der dann beschlossene Eröffnungstermin Juni 2012 konnte nicht gehalten werden, Wowereit musste ihn vier Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme absagen. Seitdem haben sich mehrere Flughafenchefs und Aufsichtsratsvorsitzende zerrieben. Engelbert Lütke Daldrup, seit zweieinhalb Jahren Chef der Flughafengesellschaft, will nun endlich eröffnen. Geplant ist jetzt Oktober 2020.

Rund 300 Szenarien müssen getestet werden

Noch nie in der jahrelangen Pannengeschichte des BER war die Chance größer, dass es diesmal klappen könnte. Zumindest scheinen erstmals alle Einzelkomponenten der Brandschutztechnik zu funktionieren.

Wirklich sicher ist Lütke Daldrups Eröffnungsprognose trotzdem noch nicht. Seit Montag prüft der TÜV Rheinland, ob die hochkomplexe Sicherheitstechnik im Hauptterminal zusammenpasst. Ob Sprinkleranlagen rechtzeitig und an der richtigen Stelle anspringen, wenn Rauchmelder Brände signalisieren. Ob Türen im entscheidenden Moment auf- und zugehen, Entrauchungsanlagen wirksam Rauch absaugen.

Zwei Monate lang wird der TÜV das Terminal durchleuchten, rund 300 Szenarien müssen getestet werden. Einen Monat lang werden Prüfer dann ihre Ergebnisse auswerten und einen Bericht verfassen. Erst wenn alle Anlagen miteinander reibungslos und fehlerfrei funktionieren, wird der TÜV seinen Stempel geben.

Anschließend, ab Ende Oktober oder Anfang November, werden die Genehmigungsbehörden dann ihrerseits prüfen, vielleicht werden ihnen dafür die TÜV-Ergebnisse auf Papier reichen, vielleicht auch nicht. Womöglich werden Mitarbeiter des Bauamts des brandenburgischen Landkreises Dahme-Spreewald selbst noch einmal nachprüfen.

Stoßen sie dabei auf keine wesentlichen, die Sicherheit gefährdenden Fehler, kann dann, voraussichtlich ab Anfang des kommenden Jahres, der Flughafenbetrieb am BER mit Gepäckabfertigung, Einchecken und Transport von Passagieren und Gepäck geübt werden. Die Flughafengesellschaft hofft, bis dahin auch die Tausenden von Mängeln beseitigt zu haben, die der TÜV bereits moniert hatte, die aber nicht sicherheitsrelevant zu sein scheinen.

Im Video: Flughafen Berlin-Brandenburg BER - Deutschlands teuerste Baustelle

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Am kommenden Montag werden TÜV-Verantwortliche den BER-Aufsichtsrat über ihre Prüfungen informieren. Bewertungen, die Rückschlüsse auf den Eröffnungstermin zu lassen, können die Mitglieder des Kontrollgremiums allerdings noch nicht erwarten. Die Botschaft, so heißt es in der Flughafengesellschaft, werde eher sein, dass die Voraussetzungen geschaffen wurden, damit der TÜV überhaupt prüfen kann.

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WirLinkenLiebenDenIran 30.07.2019
1. Also wenn ich von der Firma wäre
die zuständig ist für die Rauchmelder im Fluhhafen oder wenn ich vom Tüv wäre dann würde ich das Spielchen noch Jahrzehnte weiterspielen und immer wieder neue Kritikpunkte und Schwachstellen finden damit der Goldesel niemals zum sche.... auffhört !
lollopa1 30.07.2019
2. ich wette jetzt schon
das werden die auch wieder verschieben. Solch eine komplexe Anlage erstmal umzuplanen und dann zu realisieren erfordert verdammt viel Zeit. Und wenn die Prüfer richtig prüfen.... passt auch alles so wie es den ausführenden Firmen aufgezeichnet wurde, oder hat da mal wieder jemand Kohle gespart und falsche Dübel oder ähnliche Anekdoten?
alter55 30.07.2019
3. Politiker werden manchmal ganz stilll
Ob der BER in 2020 in Betrieb gehen wird, bezweifle ich noch immer. Erst wenn er eröffnet ist, glaube ich es wirklich. Ein Ruhmesblatt wird er nicht werden, das Gelächter der Welt wird noch Jahre nachhallen. Andere Länder sind in der Lage, einen Flughafen in drei Jahren (ohne der Zeit des Genehmigungsverfahrens ) zu bauen. Als Beispiele seine Hongkong, Bangkok, Seul genannt. Von den ca 40 chinesischen Flughäfen, die in den letzten 10 Jahren gebaut wurden, schreib ich am besten gar nicht. Allerdings waren und sind dort durchwegs Fachkräfte im Planungsstab und in der Führungsebene und keine Möchtegern-Bauherren wie am BER. Auch kosteten die genannten Flughäfen wesentlich weniger, als der BER, haben dafür eine größere mögliche Passagieranzahl und sie funktionieren sogar. Meine eigentliche Frage ist, weshalb muss keiner der Herren Bauherren vom BER für den angerichteten Schaden haften.
HardiJ 30.07.2019
4. Also, sollte es tatsächlich gelingen...
... BER zu eröffnen, dann sind die Ticketpreise wegen des Klimaschutzes so weit getiegen, dass weniger Passagiere fliegen werden, somit die vorhandenen Tegel und Schönefeld ausreichen würden, ergo BER wäre überflüssig !!!
mullertomas989 30.07.2019
5. An die Flughafen-Fachleute hier
Ich erinnere mich, dass 2011 bei der eigentlich geplanten Eröffnung viele Airlines neue Linien angekündigt hatten, die sie dann vermutlich erstmal storniert hatten. Erinnert sich noch jemand an diese Flugrouten bzw. mit welchen neuen Zielen ist 2020 bei der Eröffnung zu rechnen - besonders Langstrecke???
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