Michael Kröger

Hauptstadtflughafen BER Hier fliegt so schnell keiner

Beim Chaos um den Hauptstadtflughafen gibt es keine Steigerung? Leider doch. Jetzt scheitert der Aufsichtsrat an der Absetzung des Geschäftsführers Mühlenfeld. Der bleibt ohne jede Autorität zurück.
BER-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld

BER-Flughafenchef Karsten Mühlenfeld

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Eines muss man den Regierungen von Berlin und Brandenburg und den Verkehrspolitikern des Bundes lassen - konsequent sind sie. Trotz breiter Kritik der Öffentlichkeit, trotz der haarsträubenden Berichte über Versäumnisse, Schlampereien, Planungschaos und mangelnde Aufsicht am Pannenflughafen BER in der Vergangenheit setzen sie ihren Kurs unbeirrt fort. Und richten weiter Schaden an, wo es nur geht. Jüngstes Beispiel: die Hängepartie um den Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld.

Der Aufsichtsrat hatte in der Nacht zum Donnerstag seine Beratungen über dessen Schicksal ohne Ergebnis vertagt, weil sich die Beteiligten nicht einig werden konnten, ob sie dem Manager noch vertrauen wollen. Am Montag will man sich wieder treffen, um vielleicht dann eine gemeinsame Linie zu finden.

Das Ergebnis ist aber schon vorgezeichnet. Denn eine andere Möglichkeit als die Auflösung des Vertrags ist gar nicht mehr denkbar. Nach der öffentlichen Schlammschlacht um Mühlenfelds angebliche Verfehlungen dürfte er den wesentlichen Teil seiner Autorität eingebüßt haben. Wie viele Mitarbeiter - deren Vertreter übrigens im Aufsichtsrat zu großen Teilen für eine Ablösung gestimmt haben - werden nun noch auf seine Anweisungen hören? Welche Vertragspartner sollen ihn noch ernst nehmen?

Der Grund für einen Rausschmiss? Nicht erkennbar

Den am Bau beteiligten Betrieben, wahrlich nicht für ihre Effizienz bekannt, dürften Ermahnungen von ihrem angeschossenen Auftraggeber nur noch ein müdes Lächeln abringen, aber keine Motivation zu schnellerer und sorgfältigerer Arbeit. Im günstigsten Fall wird Mühlenfeld künftig einfach ignoriert, im schlimmsten Fall durch gezielte Indiskretionen öffentlich fertiggemacht.

Der missglückte Rausschmiss ist gleich in mehrerlei Hinsicht eine Katastrophe. Da ist zum einen die Art, wie mit einem Manager umgesprungen wird, der seinerseits - anders als sein Vorgänger - bislang auf Foulspiele verzichtet hat. Hinzu kommt, dass bis jetzt noch nicht einmal klar geworden ist, welchen Bock der Mann geschossen haben soll, der so schwerwiegend wäre, das er einen Rausschmiss rechtfertigen würde. Sachliche Fehler sind es jedenfalls nicht gewesen, das bescheinigen ihm selbst seine Gegner. Die Zahl der Missgriffe unter der Ägide von Hartmut Mehdorn war jedenfalls wesentlich größer.

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Offensichtlich war es in erster Linie ein Mangel an Beflissenheit, der Anstoß bei den hohen Herren im Aufsichtsrat erregte. Und dann ignorierte Mühlenfeld auch noch den Rat, am bislang wenig überzeugenden Bauleiter Jörg Marks festzuhalten. Welch Respektlosigkeit! Mühlenfeld habe nicht verstanden, dass er ein Unternehmen in Staatsbesitz leite und kein privatwirtschaftliches, monieren seine Kritiker - als ob dieser Unterschied betriebswirtschaftliche Axiome außer Kraft setzte.

Welcher klar denkende Mensch würde hier anheuern?

Das zweite Problem, das sich die Hauptstadt-Flughafenbauer am Mittwochabend eingehandelt haben, betrifft die Suche nach einem Nachfolger. Wer, der halbwegs bei Sinnen ist, würde sich noch auf ein Abenteuer an der Spitze der Berliner Flughafengesellschaft einlassen? Auf eine schier unlösbare Aufgabe und einen vollkommen unberechenbaren Aufsichtsrat?

Das dritte Problem besteht in der Verlängerung der ohnehin bereits unendlich scheinenden Hängepartie am BER. Bereits jetzt wagt kaum noch ein Beteiligter, einen Eröffnungstermin vorherzusagen. Mitte 2017 gilt als Illusion, Ende 2018 als ambitioniert. Aber genau weiß das keiner. Die Nichtentscheidung vom Mittwoch wirft den Bau nochmals zurück. Im Moment kann man gar nicht fragen, wann der Hauptstadtflughafen eröffnet - sondern nur, wer die nächste Verschiebung verkündet.

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