Hauptstadtflughafen Pleite-Firma Imtech baut weiter am BER

Imtech ist insolvent. Dennoch wird die Gebäudetechnikfirma auch in Zukunft am Bau des Hauptstadtflughafens beteiligt. Der angepeilte Eröffnungstermin steht nach wie vor infrage.

Imtech-Zentrale in Hamburg: "Kontinuität der Bauarbeiten gewährleistet"
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Imtech-Zentrale in Hamburg: "Kontinuität der Bauarbeiten gewährleistet"


Die Gebäudetechnikfirma Imtech setzt trotz Insolvenz ihre Arbeit auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER fort. Der Flughafen habe am Montag mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters eine entsprechende Vereinbarung mit Imtech geschlossen, teilte die Flughafengesellschaft nach einer Sitzung des Projektausschusses im Aufsichtsrat mit.

Imtech Deutschland hatte am 6. August Insolvenzantrag gestellt. Der niederländische Mutterkonzern Royal Imtech wurde eine Woche später für insolvent erklärt.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld sagte laut der Mitteilung, die Vereinbarung mit Imtech sei "eine erste wichtige Entscheidung, um die Folgen der Insolvenzankündigung von Imtech für den BER so gering wie möglich zu halten. Die Kontinuität der Bauarbeiten ist damit gewährleistet."

In der Vereinbarung vom Montag sagte Imtech zu, seine zugesagten Leistungen für die Elektrotechnik zu erbringen. Zahlungen für erbrachte und geprüfte Leistungen würden auf ein Sonderkonto eingezahlt, das der Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt einrichte.

Imtech gehört zu den wichtigen Baufirmen auf dem künftigen Hauptstadtflughafen, dessen Eröffnungstermin mehrmals verschoben wurde. Die Firma ist unter anderem für Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten zuständig und arbeitet auch an der komplexen Brandschutzanlage mit.

Offen ist jedoch nach wie vor, ob der zuletzt geplante Eröffnungstermin Ende 2017 noch gehalten werden kann. Nach der Imtech-Pleite hatte Mühlenfeld eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die dies prüfen soll.

Finanzierungsprobleme bei Imtech waren schon im vergangenen Jahr allgemein bekannt. Kurz nach dem Insolvenzantrag von Imtech Deutschland informierte Mühlenfeld den Aufsichtsrat in einer E-Mail darüber, dass bereits vor sieben Monaten Vorkehrungen für den Fall eines Ausfalls von Imtech getroffen worden seien. Vor der Sitzung des Projektausschusses bestritt Mühlenfeld jedoch, dass der Aufsichtsrat über die Lage von Imtech frühzeitig informiert worden sei.

Das Krisenprojekt Hauptstadtflughafen leidet seit Jahren unter Verzögerungen und Korruptionsvorwürfen. So kündigte die Flughafengesellschaft erst am Wochenende an, sie werde Zahlungen an mehrere Unternehmen noch einmal prüfen. Ziel sei es auszuschließen, dass die Firmen, darunter Siemens Chart zeigen, Bosch und die Telekom-Tochter T-Systems, zu viel Geld für ihre Leistungen erhalten hätten.

Sowohl die die Berliner Flughafengesellschaft als auch Siemens schalteten die Staatsanwaltschaft ein. Es liege eine Anzeige wegen möglichen Abrechnungsbetrugs vor, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus am Montag. Die Flughafengesellschaft bestätigte Informationen des "Tagesspiegel", laut denen es um einen Betrag von 1,9 Millionen Euro geht.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
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colinchapman 17.08.2015
1. warum hat man den Flughafen gebaut?
Die Frage müßte ja zumindest im Nachhinein erlaubt sein. Wenn (zugegebenermaßen mit Nachinvestitionen) die dezentrale Lösung mit Tegel und Schönefeld bis heute funktioniert (bis 2008 auch noch mit Tempelhof), dann muss man sich ja fragen, ob man den Klotz wirklich braucht bzw. gebraucht hat.
jan.huebner 17.08.2015
2. Gewährleistung ade
Genial gelöst von Imtech. Jeder der schon mal ein Haus gebaut hat weiß wie es ist, wenn die Baufirma direkt nach Fertigstellung nicht mehr existiert.
patrick6 17.08.2015
3. Sowas kenne ich vom Haus meiner Eltern
Da ging die ausführende Firma (offenbar geplant) direkt nach Fertigstellung pleite. Und so saß man in den folgenden Jahren mit all den Mängeln alleine da...
wolfi55 17.08.2015
4. die anderen Firmen glaube ich nicht
Also zumindest bei T-Systems fliegt der Mitarbeiter, der da Rechnungen fingieren lies, raus und zwar hochkantig. Das ist ein klarer Verstoß gegen interne Regelungen, die nach früheren ähnlichen Vorkommnissen erlassen wurden. Allerdings in so einen Projekt weiß echt keiner mehr, was genau Sachstand ist. Und vor allem kommt es darauf an, ob im vereinbarten Ereignis- und Zahlungsplan die entsprechenden Ereignisse erreicht wurden.
Rido 17.08.2015
5.
Ich finde, die Planer sollten direkt die große Lösung machen und den Flughafen in einen Raumhafen umbauen. Wenn irgendwann in der Zukunft Flüge ins All so selbstverständlich sind wie heute Flüge mit dem Flugzeug, dann sind die auch damit fertig. (vielleicht)
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