Beratungscheck bei Banken Hellas-Zocken für Anfänger

Athen braucht Geld, und auch Deutschland muss wohl helfen. Aber können Anleger von der Griechen-Krise sogar profitieren? Für Hellas-Anleihen gibt es Top-Zinsen. SPIEGEL ONLINE hat sich bei Banken umgehört - und getestet, was ihre Beratung für Krisenzocker taugt.

Sokrates-Statue in Athen: Wie viel Risiko ist zu viel?
REUTERS

Sokrates-Statue in Athen: Wie viel Risiko ist zu viel?

Ein Selbstversuch von


Hamburg - Es klingt zynisch, aber mit der Krise der Griechen könnte man richtig Geld machen. Acht bis neun Prozent Rendite gab es am Freitag auf Anleihen des hochverschuldeten Landes. Die Papiere haben nur zwei Nachteile: Sie haben eine Laufzeit von zehn Jahren - und die EU darf das Land auf keinen Fall pleitegehen lassen.

Aber was heißt das für mich? Wie hoch ist das Risiko wirklich? SPIEGEL ONLINE hat sich in drei Hamburger Banken beraten lassen - bei der Deutschen Bank, der Hamburger Sparkasse und der Commerzbank.

Das Szenario: Ein Kunde hat 10.000 Euro geerbt und möchte nun in griechische Staatsanleihen investieren. Er hat keine Erfahrung mit Wertpapieren und außer der Erbschaft auch kein Vermögen. Aber im ZDF-Morgenmagazin gab es einen Beitrag über die Attraktivität der Anleihen für Privatkunden - und das habe neugierig gemacht.

Haspa: "Rendite ist verlockend"

In der Hamburger Sparkasse (Haspa) bittet der Berater gleich freundlich, an seinem Schreibtisch Platz zu nehmen. Er macht keinen sonderlich überraschten Eindruck, erklärt nüchtern Vor- und Nachteile. "Die Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere und damit relativ sicher", sagt er. Das Ausfallrisiko gelte es jedoch zu beachten. Was bedeutet: Wenn Griechenland pleitegeht, bleibt von den 10.000 Euro nur wenig übrig, im schlimmsten Fall gar nichts.

Der Mann, er ist etwa Mitte dreißig, ruft ein paar aktuelle Staatsanleihen auf seinen Bildschirm. "Griechenland, Fälligkeit 19. Juni 2020, 9,1 Prozent Rendite." Natürlich sei die hohe Rendite "verlockend", sagt der Haspa-Berater. Aber ob ein Land denn nicht auch pleitegehen könne? Das wisse er jetzt nicht genau, aber es sei doch "eher unwahrscheinlich".

Auf Nachfrage gibt er allerdings zu, dass Staatsanleihen kaum von Privatkunden gekauft würden: "Das gibt es schon ab und zu mal, aber das sind dann richtige Zocker, die sich intensiv mit den Finanzmärkten beschäftigen." Er würde dazu raten, nicht alles auf eine Karte zu setzen und die 10.000 Euro in verschiedene Finanzprodukte zu investieren - sichere und spekulative. Griechenland sei "sicher spekulativ".

Deutsche Bank ist skeptisch

Bei der Deutschen Bank ist die Beraterin wesentlich skeptischer. Sie möchte "eigentlich gar nicht auf die Schnelle" über Griechenland-Anleihen sprechen. "Wir haben ja seit Januar strengere Richtlinien bei der Beratung", sagt sie. "Eigentlich müssen wir vorher über Ihre Risikobereitschaft und Ihre finanziellen Reserven sprechen." Dann lässt sie sich doch auf ein zehnminütiges Gespräch ein. Aber nur am Empfangspult des Schalterraums, eine intensivere Beratung gebe es nur mit Termin.

Überzeugt ist sie nicht von der Idee, in Südosteuropa zu investieren. "Natürlich kann Griechenland pleitegehen", warnt die Deutsche-Bank-Mitarbeiterin. "Und dann stehen Sie mit null oder vielleicht noch 800 Euro da. Wollen Sie das?" Natürlich will man das nicht. Ganz ausreden will die Beraterin einem die Anleihen aber auch nicht: "Sie können in alles investieren, Sie müssen sich nur des Risikos bewusst sein."

Praktisch ist der Kauf von Griechenland-Anleihen kein Problem. Man eröffnet ein Konto und ein Depot bei der jeweiligen Bank und ordert dann den Kauf der Papiere an der Börse. Je nachdem, wie intensiv man beraten wird, werden Gebühren fällig.

Commerzbank-Beraterin rät ab

Letzte Station: die Commerzbank, nur zwei Straßen weiter. Die Beraterin bittet in ein Großraumbüro im ersten Stock. Sie fragt als erstes nach den Erfahrungen mit Wertpapieren. Jeder Kunde müsse zudem einen "Analysebogen für Wertpapier- und Vermögensanlagen" ausfüllen, sagt die etwa 30-Jährige. "Welcher Risikotyp sind Sie, wie viel Kapital haben Sie zur Verfügung?" Erst wenn diese Fragen geklärt seien, dürfe die Bank ein Beratungsgespräch führen.

Für Griechenland-Anleihen spreche die Commerzbank momentan keine Empfehlung aus. Dennoch könne man sie natürlich erwerben, wenn der Kunde das wünsche. "Die Zinsen sind sehr attraktiv", gibt die Beraterin zu. Allerdings sei auch das Risiko entsprechend hoch. Sie würde einem unerfahrenen Anleger eher nicht raten, griechische Anleihen zu kaufen.

Das Fazit: Zwei von drei Bankberatern haben vom Kauf der Griechenland-Anleihen abgeraten - jedenfalls wenn der Kunde keine Erfahrung mit Wertpapierhandel hat. Der Haspa-Mann ist weniger skeptisch als seine Kolleginnen von Deutscher Bank und Commerzbank. Doch auch er rät dazu, die Anlage zumindest aufzusplitten.

Geld mit griechischen Anleihen zu machen, das bleibt wohl doch eher den Top-Spekulanten überlassen.

insgesamt 6 Beiträge
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Thomas Kossatz 24.04.2010
1. Nicht schlecht
Entgegen oft gehörter Kritik finde ich die Aussagen aller drei Institute sehr ordentlich. Das von SPON gewählte Scenario (10.000 Erbaschaft) lädt natürlich zu einem "Nein" auch ein. Staatsanleihen notleidender Länder zu kaufen, ist Sache von Leuten, die mit einem Totalausfall leben können. Und auch diese werden das Risiko streuen. Wer gut schlafen will, der kaufe doch besser Bundesschatzbriefe. Vom Sparstrumpf allerdings wird abgeraten.
b_russel 24.04.2010
2. Topspekulanten
---Zitat--- Geld mit griechischen Anleihen zu machen, das bleibt wohl doch eher den Topspekulanten überlassen. ---Zitatende--- Topspekulanten sind die, die im Zweifelsfall mit Steuergeldern gerettet werden müssen, oder? (SCNR)
fofinha 24.04.2010
3. ok
Die Beatung der Banken hoert sich ja ok an (kann man sich natuerlich sparen, mit etwas gesundem Menschenverstand weiss man: kein Risiko + NullZinsen+Risiko, dass das Geld eben weginflationiert wird, also auch ein Risiko. Hohe Zinsen _+ hohes Risiko. Aber man darf eben nicht vergessen, dass Festgeld fuer 1 ode weniger Prozent auch ein grosses Risiko ist, da wir ja nun kalt enteignet werden und die Sparer eben fuer die Schulden aufkommen muessen. Was tun? Uebrigens wllte ich neulich mal am Telefon nur mal so mit menem Bankberater plaudern, so Meinungsaustausch, wie in alten Zeiten. Aufgrund der neuen Regeln gar nicht mehr moeglich, da das GEsetz davon ausgeht, dass der Geldanleber grundsaetzlich doof ist und jedem auf den Leim geht oder was, schreckliche Folge der Finanzkrise, fuehle mich entmuendigt.
haltetdendieb 24.04.2010
4. 10.000 €?????
Dafüt gibt's einen C1! Aber kein Gespräch beim Bankberater. Was sie aber gesagt haben, ist total in Ordnung!!! Also, wozu dieser Bericht? Dass ich als Anleger, der ich nie war, so total entmündigt werde, ist der größte Schwachsinn. Wenn ich Geld anlege, ist es meine Sache, zu fragen und Informationen einzuholen, meinetwegen auch zu protokollieren. Aber erst ein Profil erstellen, wer ich bin, woher mein Geld kommt, der Bürkratismus hält auch endlich bei Banken mit Macht Einzug! Kopfschüttel.
SchneiderG 24.04.2010
5. Festgeld
Zitat von fofinhaDie Beatung der Banken hoert sich ja ok an (kann man sich natuerlich sparen, mit etwas gesundem Menschenverstand weiss man: kein Risiko + NullZinsen+Risiko, dass das Geld eben weginflationiert wird, also auch ein Risiko. Hohe Zinsen _+ hohes Risiko. Aber man darf eben nicht vergessen, dass Festgeld fuer 1 ode weniger Prozent auch ein grosses Risiko ist, da wir ja nun kalt enteignet werden und die Sparer eben fuer die Schulden aufkommen muessen. Was tun? Uebrigens wllte ich neulich mal am Telefon nur mal so mit menem Bankberater plaudern, so Meinungsaustausch, wie in alten Zeiten. Aufgrund der neuen Regeln gar nicht mehr moeglich, da das GEsetz davon ausgeht, dass der Geldanleber grundsaetzlich doof ist und jedem auf den Leim geht oder was, schreckliche Folge der Finanzkrise, fuehle mich entmuendigt.
Festgeld auf 2 Jahre bringt zur Zeit ca. 2,1 - 2,5%. Selbst die schwache Volksbank bietet je nach Anlagenhöhe zwischen 2,1 - 2,2 % auf 2,5 Jahre an. Die Deutsche Bank gammelt da deutlich unter 2% rum. Am besten ist die Bank of Scottland. Die von Ihnen erwähnten 1% und weniger betrifft vermutlich das Sparbuch. Aber grundsätzlich haben Sie Recht, wir Sparer finanzieren die Schulden der anderen.
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