Internationales Abkommen Deutschland beteiligt sich an geordneter Schiffsverschrottung

Die Schiffsfriedhöfe in Südostasien bereiten Umweltschützern seit Langem Kopfzerbrechen. Ein internationales Abkommen soll das Abwrackgeschäft regeln. Die Bundesrepublik ist ihm jetzt beigetreten.

Havarierte "Modern Express" (Archiv): Staatengemeinschaft will Wracks künftig umweltgerecht entsorgen
Loic Bemardin/AFP

Havarierte "Modern Express" (Archiv): Staatengemeinschaft will Wracks künftig umweltgerecht entsorgen


Deutschland ist einem internationalen Abkommen über eine umweltgerechtere und sicherere Abwrackung von alten Schiffen offiziell beigetreten. Wie das Verkehrsministerium am Dienstag mitteilte, übergab die Bundesrepublik eine Beitrittsurkunde zum Internationalen Übereinkommen von Hongkong an den Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation.

"Jedes Jahr werden mehr als tausend Seeschiffe abgewrackt", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann. "Damit sind zum Teil erhebliche Beeinträchtigungen für die Gesundheit der in den Abwrackeinrichtungen tätigen Arbeiter und der Umwelt verbunden." Er hoffe, dass Deutschland mit dem Beitritt weitere Staaten motiviere, das Übereinkommen von Hongkong zu ratifizieren, damit es baldmöglichst in Kraft treten könne.

Der Bundestag hatte das Abkommen im vergangenen Herbst ratifiziert. Es soll die bisherige Praxis eindämmen, dass viele Schiffe ohne Umweltauflagen in Südostasien verschrottet werden.

Mit dem Beitritt Deutschlands zum Übereinkommen von Hongkong haben nach Darstellung des Verkehrsministeriums insgesamt 13 Staaten mit 29,42 Prozent der Welthandelstonnage das Übereinkommen ratifiziert. Zum Inkrafttreten fehlten noch mindestens 2 Staaten mit 10,58 Prozent Welthandelstonnage.

mik/dpa-AFX



insgesamt 5 Beiträge
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helmut_tholen 16.07.2019
1. Verbesserung?
Wenn ich mir da so einige Abläufe ansehe , dann frage ich mich allerdings, ob der Dreck jetzt nicht einfach nur wohlzertifiziert am selben Ort landet. Auch eine Steigerung von Schiffsuntergängen sollte mich nicht so sehr wundern.
j.w.pepper 16.07.2019
2. Das Foto passt nicht.
Ein in Seenot befindliches Schiff (das obendrein letztlich noch gerettet wurde, googeln Sie mal nach "Modern Express") hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Abwracken obsoleter Schiffe zu tun, um das es bei dem erwähnten Abkommen geht. Es sollte jede Menge Fotos von Abwrack-"Werften" etwa in Pakistan geben, die das Problem weit besser illustrieren würden.
Grünspahn 16.07.2019
3.
Und was juckt es die Schffseigner, deren Schiffe unter allen möglichen Flaggen fahren, nur nicht unter deutscher Flagge? - Dann wird das Schiff verkauft und der neue Eigner lässt es dann nach einer mehr oder wenger kurzen Frist an einem der Strände abwracken. Wenn selbst Greenpeace nicht sicher stellen kann, dass deren Ex-Schiff nicht an einem der berüchtigten Strände abgewrackt wird, wie sollen es dann Regierungen schaffen, die sich erst durch den Dschungel der Schiffseigner und Flaggenländer fräsen müssen? (https://www.spiegel.de/wirtschaft/greenpeace-rainbow-warrior-ii-in-bangladesch-abgewrackt-a-1245722.html)
Gluehweintrinker 16.07.2019
4. Und wie läufts mit den Billigflaggen?
Wird sich da in großem Maßstab etwas bessern? wer einmal eine Dokumentation sah, wie Tanker- und Frachtkolosse mit Schmackes an den Strand gefahren werden, wie barfüßige Arbeiter auf scharfkantigen Stahlfetzen mit Schweißgeräten und Trennschneidern herumbalancieren, wie giftige Chemikalien austreten und die Arbeiter darin quasi baden, der ekelt sich schon vor diesen Bedingungen und davor, dass reiche Reeder diesen Menschen so etwas zumuten. Ich nehme an, dass Schiffe unter Billigflaggen wie Bermudas, Bahamas, Panama etc. auch weiterhin auf diese Weise "recycelt" werden. Wenn das so ist, dann ist quasi nichts erreicht.
dirkcoe 16.07.2019
5. Ganz toll
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Deutschland einem Abkommen beigetreten - das vielleicht nie in Kraft tritt? Und bis dahin geht alles weiter wie bisher? Na wenn das kein Grund zum Jubeln ist.
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