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07. Januar 2013, 17:47 Uhr

Berliner Flughafen

Technikchef Amann muss das Chaos lösen

Der geplante Hauptstadtflughafen in Berlin wird immer mehr zum Debakel. Nun soll auch Flughafenchef Rainer Schwarz gehen. Damit bliebe Technikchef Horst Amann als alleiniger starker Mann zurück. Der war einst als Retter geholt worden - verschätzte sich zuletzt aber selbst.

Berlin - Es war mal wieder Horst Amann, der die schlechten Nachrichten verkünden musste. In einem "Statusbericht" an die Fluggesellschaften schrieb der Technikchef des geplanten Hauptstadtflughafens am 4. Januar: "Im weiteren Schritt ist vertiefend zu prüfen und zu entscheiden, ob (...) ein vollständiger Umbau auf den Genehmigungsstand unumgänglich ist." Daher sei die zeitnahe Benennung eines neuen Eröffnungstermins nicht möglich. So zitiert es die "Bild"-Zeitung.

Amann ist seit August 2012 Technischer Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH - und damit Chefplaner des Projekts. Er löste Manfred Körtgen ab, der wegen zahlreicher Pannen bei Bau und Planung des Airports entlassen worden war. Als erste Amtshandlung überprüfte Amann wochenlang Baupläne und die Baustelle. Dabei kam er zu dem Schluss, dass der damals anvisierte Eröffnungstermin 17. März 2013 nicht zu halten sein würde.

Der neue Technikchef schlug eine Inbetriebnahme mit Beginn des Winterflugplans Ende Oktober 2013 vor. Doch offenbar hatte er da noch nicht alle Probleme erkannt. Vor allem die komplexe und einmalige Brandschutzanlage ist noch nicht funktionstüchtig und nicht genehmigungsfähig. Der Aufsichtsrat wird daher bei seiner Sitzung am 16. Januar erneut über den Eröffnungstermin beraten.

Bei dieser Sitzung soll laut Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit auch der bisherige Flughafenchef Rainer Schwarz abgelöst werden. Zumindest bis ein Nachfolger gefunden ist, wäre Amann damit der wichtigste Mann des Projekts. Vielleicht wird er ja sogar selbst zum neuen Chef.

Brennendes Auto selbst gelöscht

Ob er das Chaos am Hauptstadtflughafen bewältigen kann, muss sich allerdings noch zeigen. Er kam jedenfalls mit den besten Empfehlungen nach Schönefeld und gilt deutschlandweit als Mann für Großprojekte. Bei seinen vorherigen Arbeitgebern war er durchaus erfolgreich. Vor seinem Engagement in der Hauptstadtregion war er Leiter der Abteilung Realisierungsmanagement der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport. Dort war er unter anderem für den Bau der neuen Landebahn sowie die Planung eines weiteren Terminals verantwortlich.

Zuvor hatte Amann bei der Deutschen Bahn den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt am Main und Köln sowie den Bau des Fernbahnhofs am Frankfurter Flughafen geleitet.

Wegbegleiter beschreiben Amann schon mal als "kompromisslosen, harten Knochen". Deshalb heißt es nun auch, wenn einer das Chaos am Hauptstadtflughafen bewältigen kann, dann er. Amann wird von vielen gerade wegen seiner manchmal ruppigen Art geschätzt.

Dass Amann mit Kritik und Hektik umgehen kann, hat er schon bewiesen. Schließlich war die vierte Landebahn in Frankfurt am Main heftig umstritten. Der Protest ging so weit, dass im März 2009 sein Dienstwagen angezündet wurde. Amann löschte den Brandsatz selbst.

stk/dapd

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