Sozialsystem Studie bewertet Rente mit 63 als "höchst kritisch"

Die Bertelsmann Stiftung kritisiert ein Prestigeprojekt von Schwarz-Rot: Die geplante Rente mit 63 Jahren gefährde die Generationengerechtigkeit und sende kein gutes Signal an die EU-Krisenländer.

Gütersloh - Die Pläne der Bundesregierung für eine Rente mit 63 Jahren werden in einer internationalen Vergleichsstudie der Bertelsmann Stiftung "höchst kritisch" bewertet. "Erfolgreiche Strukturreformen wie in der Rentenpolitik wieder aufzuweichen, gefährdet die Fortschritte der vergangenen Jahre etwa bei der Generationengerechtigkeit", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Aart De Geus, am Montag.

In Sachen Zukunftsfähigkeit ist Deutschland den Angaben zufolge binnen zehn Jahren "vom kranken Mann zum Musterknaben" geworden - und komme im Vergleich der 41 EU- und OECD-Industrieländer im Gesamtindex auf Rang sechs. Die Fortschritte basieren laut Studie vor allem auf grundlegenden Arbeitsmarktreformen.

Die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer sei stark auf inzwischen 61,5 Prozent gewachsen. Die Rente mit 67 Jahren habe zur Entlastung der sozialen Sicherungssysteme mit beigetragen. Statt das Rentensystem demografiefester zu machen, sollten heutige und künftige Beitragszahler aber nun zusätzlich belastet werden. "Die Rentenpläne der Bundesregierung sind kein gutes Signal an die EU-Krisenländer, die noch erhebliche Strukturreformen vor sich haben", sagte De Geus.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hält trotz des Widerstandes in der Union an der Rente mit 63 fest, will einen Missbrauch der Regelung aber verhindern. Zur Kritik von Unionsabgeordneten an der abschlagfreien Rente mit 63 wollte sich ein Sprecher von Merkel nicht äußern. In der Union gibt es heftige Kritik daran, dass auch Zeiten der Arbeitslosigkeit angerechnet werden sollen.

ssu/dpa-AFX
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