Bertelsmann-Studie Nur sechs Bundesländer informieren über Qualität von Pflegeheimen

Pflegebedürftige werden nach einer Studie häufig ungenügend über die Qualität der Pflege informiert. Nur in wenigen Bundesländern werden demnach wichtige Daten etwa über fehlendes Personal in Heimen veröffentlicht.
Pflegeheim in Berlin: In der Hauptstadt gibt es allgemein verfügbare Informationen zur Qualität der Einrichtungen

Pflegeheim in Berlin: In der Hauptstadt gibt es allgemein verfügbare Informationen zur Qualität der Einrichtungen

Foto: Florian Gaertner / Photothek / Getty Images

Wenn Eltern oder andere Angehörige ins Pflegeheim müssen, ist es für Angehörige wichtig, sie dort in guten Händen zu wissen. Doch an verlässlichen Informationen darüber, ob das tatsächlich so ist, fehlt es einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zufolge häufig.

Die Mehrheit der Bundesländer stellt demnach den Verbraucherinnen und Verbrauchern keine Informationen über die Qualität von Pflegeheimen bereit. Wichtige Angaben wie zum Personaleinsatz seien zwar in allen Ländern vorhanden, blieben aber in den meisten Bundesländern unter Verschluss, kritisierte die Bertelsmann Stiftung bei Vorlage der »Weissen Liste« . Menschen, die auf der Suche nach einem Heim seien, würden damit Informationen zu wesentlichen Auswahlkriterien vorenthalten.

Für die »Weisse Liste « wertete die Stiftung in der Untersuchung die Regelungen aller einschlägigen Landesgesetze aus. Eingeflossen sind zudem Antworten aus den Bundesländern – zum Beispiel, ob dort Personalangaben erhoben und veröffentlicht werden. Sie legte darüber hinaus auch Vorschläge für den »Pflege-TÜV« vor, durch den seit einigen Jahren Kernergebnisse aus Prüfungen zur Qualität auf Bundesebene einsehbar sind, und betreibt eine deutschlandweite Onlinesuche für Pflegeheime.

Vier Bundesländer informieren aktiv

In zehn Ländern werden nach der »Weissen Liste« Daten, die sich aus Prüfungen der landesrechtlich zuständigen Aufsichtsbehörden ergeben, gar nicht veröffentlicht. Verbraucher erfahren somit nichts darüber, ob in einem Heim Personal fehlt oder schwerwiegende Mängel zu beanstanden sind, wie die Stiftung rügte. Ebenso wenig lasse sich nachvollziehen, welche Einrichtungen besonders gut aufgestellt seien.

Nur Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin veröffentlichten die Ergebnisse aktiv, sodass sie allgemein verfügbar seien. In Baden-Württemberg und Hessen müssen die Prüfergebnisse nach Angaben der Stiftung zumindest durch die Pflegeheime selbst veröffentlicht werden. Allerdings seien die Daten derzeit nur in den Einrichtungen direkt einsehbar, also lediglich eingeschränkt zugänglich – denn wer fragt schon beim Anbieter danach, wenn er froh ist, bei ihm überhaupt noch einen Platz gefunden zu haben?

Gesetze nicht umgesetzt

Der Mangel an Transparenz entstehe entweder, weil es eine landesrechtliche Regelung mit Veröffentlichungspflicht nicht gebe, oder aber weil vorhandene Gesetze nicht umgesetzt würden. So sei in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen eine Publikation der Prüfergebnisse gesetzlich nicht vorgesehen. Und die Länder Bayern, Brandenburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein setzten bestehende Gesetze aus unterschiedlichen Gründen nicht um, was »besonders gravierend« sei, kritisierte die Bertelsmann Stiftung.

Positiv falle Hamburg auf, wo detaillierte Angaben auch etwa zu vorübergehenden Aufnahmestopps oder Ergebnisse aus Angehörigenbefragungen ins Netz gestellt würden. Das bevölkerungsreichste Bundesland NRW gehöre zu den vier Ländern, in denen Ergebnisse der Heimprüfungen so veröffentlicht würden, dass sie auch unabhängig vom Besuch einer Einrichtung abrufbar seien.

Die Auswahl eines Pflegeheims bedeute eine Lebensentscheidung, die Betroffenen seien auf verlässliche Angaben angewiesen, sagte Stiftungsvorstand Brigitte Mohn. Man könne damit auch die gute Arbeit vieler Pflegefachkräfte öffentlich sichtbar machen. »Umgekehrt sollte es aber auch möglich und erlaubt sein, die Pflegeheime zu erkennen, bei denen Defizite bestehen.«

Um gegen den Flickenteppich und erhebliche Info-Lücken vorzugehen, sollten alle Bundesländer die relevanten Daten, die den Aufsichtsbehörden vorliegen, auch offenlegen, sagte Stiftungsexperte Johannes Strotbek. Das könne zudem Impulse für einen Qualitätswettbewerb unter den Einrichtungen setzen. Es brauche überall konkrete gesetzliche Vorgaben, die dann aber auch umzusetzen seien. Verbraucher, Informationsportale, Beratungsstellen und Versorgungsforschung müssten frei auf Informationen zur Pflegequalität zugreifen können.

Zugleich wies die Stiftung darauf hin, dass durch die Pandemie in allen Bundesländern die Vor-Ort-Einsätze der Aufsichtsbehörden monatelang unterbrochen waren, weshalb Datenlücken entstanden seien.

apr/dpa
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