Bestechung und Co. Unternehmen lassen kriminelle Manager gewähren

Märkte brechen zusammen, Planzahlen werden nicht erreicht: Die Krise hat viele Firmen in einen Ausnahmezustand versetzt. Manche Manager greifen zu illegalen Mitteln, um Profitvorgaben doch noch zu erfüllen - und kommen oft davon. Einer neuen Studie zufolge ist die Gefahr gering, erwischt zu werden.
Vernichtung von gefälschten Markenturnschuhen: Geringe Gefahr, erwischt zu werden

Vernichtung von gefälschten Markenturnschuhen: Geringe Gefahr, erwischt zu werden

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Frankfurt am Main - Wenn die dunklen Geschäfte erst mal ans Licht kommen, ist der Schaden immens. Unternehmen, deren Mitarbeiter Recht und Gesetz verletzt haben, leiden schwer unter den Folgen: "Praktisch wieder von vorn anfangen" müssen habe man in manchen Geschäftsbereichen, erzählt der Manager einer Leiharbeitsfirma. Einige seiner Mitarbeiter hatten sich kriminell verhalten, daraufhin ging es mit der ganzen Firma abwärts - und zwar spürbar. "Wir hatten an der Stelle praktisch kein Personal mehr, das wir gebraucht hätten, um unser Geschäft zu machen", sagt der Manager in einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC).

Die Unternehmensberatung hat für eine Studie zur Wirtschaftskriminalität 500 deutsche Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt, und die Schilderungen der Gesprächspartner sind teilweise alarmierend. Eine Führungskraft berichtet aus der Autoindustrie: "Es ging um einen Fall von Bestechung, um Geschäfte zu erhalten. Das hat negativen Einfluss auf die gesamte Mitarbeiterschaft gehabt, die gesehen hat, dass eine Führungskraft sich Fehlverhalten erlaubt hat."

Und trotzdem - Großunternehmen lernen zu selten aus solchen Fällen.

Die PwC-Studie macht klar, dass sie bei der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität nicht vorankommen. Im Gegenteil: Die Bereitschaft, eigene kriminelle Mitarbeiter nach der Aufdeckung schwerwiegender Delikte bei den Behörden anzuzeigen, sei deutlich zurückgegangen, berichtet der frühere Staatsanwalt und PwC-Partner Stefan Salvenmoser.

"Die Hälfte der Täter geht straffrei aus", sagt Salvenmoser mit Verweis auf insgesamt 210 Fälle von Wirtschaftskriminalität, die die befragten Firmen als schwerwiegend geschildert hatten. Noch vor zwei Jahren seien immerhin 61 Prozent der Täter angezeigt worden.

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Wirtschaftskriminalität: Unternehmen lassen Manager gewähren

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Nach Einschätzung des Studienautors Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg können vor allem Top-Manager damit rechnen, zwar entlassen, nicht aber vor Gericht gestellt zu werden. Der Grund: Die Unternehmen fürchteten das öffentliche Aufsehen und den damit verbundenen Ansehensverlust.

Ein weiteres Problem stellt das geringe Sicherheitsbewusstsein in den Unternehmen dar. Die Verbrechen würden immer noch in rund 70 Prozent der Fälle zufällig entdeckt, sagt Salvenmoser. Außerdem seien die Unternehmen nach der Novelle des Datenschutzgesetzes verunsichert und unterließen eigentlich zulässige Abwehrmaßnahmen, zum Beispiel beim Screening der Mitarbeiterdaten.

Sicherheitsvorkehrungen fehlen

Jedes aufgedeckte Delikt verursachte 2008 laut PwC einen Schaden von 4,3 Millionen Euro und damit fast das Dreifache des Wertes aus dem Jahr 2007. Fast jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) sei nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminellen geworden. Zusätzliche Kosten für das Schadensmanagement beziffert die Studie auf 830.000 Euro pro Fall.

Besonders gravierend sind Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht. Hinter diesem sperrigen Begriff verbergen sich Fälle von Produktpiraterie oder Industriespionage. Der angerichtete Schaden beträgt hier pro Fall im Durchschnitt knapp sechs Millionen Euro.

Die Motive für die Gesetzesverstöße sind vielfältig. Übertriebener Ehrgeiz kann im Einzelfall ebenso im Spiel sein wie Gier oder die überhebliche Sicherheit, nicht erwischt zu werden. Zunehmend ist aber auch der steigende Druck in Zeiten der Wirtschaftskrise der Auslöser, fürchten die Experten. Aus Angst, die Vorgaben nicht erfüllen zu können, greifen Manager, aber auch rangniedrigere Mitarbeiter, immer häufiger zu verbotenen Mitteln.

Auch die Verantwortlichen in den Unternehmen machen sich diesbezüglich wenig Illusionen. Fast jedes dritte Unternehmen rechnet der PwC-Umfrage zufolge mit Straftaten ihrer Mitarbeiter, die sich Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz machen. Rund 40 Prozent der Befragten rechnen mit einem weiteren Anstieg der Kriminalitätsrate.

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