Steueranreize Schäuble kündigt Förderung von Betriebsrenten an

Im Streit über die Zukunft der Altersvorsorge kündigt Bundesfinanzminister Schäuble eine Förderung von Betriebsrenten an. Seine Forderung nach einem späteren Rentenbeginn nennt die IG Metall absurd.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble


Betriebsrenten sollen künftig nach Angaben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit staatlichen Anreizen gefördert werden. Entsprechende Pläne der Großen Koalition würden "auch steuerliche Maßnahmen beinhalten", sagte Schäuble auf einer Veranstaltung des Handwerkverbands ZDH.

Förderung müsse es insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sowie "unterdurchschnittlich verdienende Arbeitnehmer" geben, so Schäuble weiter. Er sei bei der Erarbeitung eines gemeinsamen Vorschlags mit Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in der "letzten Phase". Alle drei Säulen der Altersvorsorge - gesetzlich, privat und betrieblich - müssten langfristig gestärkt werden. Es gebe Handlungsbedarf und die Koalition reagiere.

Der Arbeitnehmerflügel von Schäubles Partei will sogar eine Pflicht zur betrieblichen Altersvorsorge einführen. "Ein solides Alterssicherungssystem braucht eine tragfähige kapitalgedeckte Säule", sagte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann . "Diese muss verpflichtend für alle sein." Dazu werde ein einfaches und kostengünstiges Standardprodukt benötigt, das am besten über die Betriebsrente organisiert werden könne.

Schäuble hatte vor einigen Tagen eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung gefordert und damit eine neue Debatte über die Altersversorgung losgetreten. Die SPD lehnt die Pläne ab und will die Rente im Bundestagswahlkampf 2017 zu einem wichtigen Thema machen.

IG Metall ist "entschiedener Gegner"

Auch die IG Metall erteilte einer weiteren Verlängerung der Lebensarbeitszeit eine klare Absage. "Sollte eine Partei so töricht sein, mit der Rente erst ab 70 in den Wahlkampf zu ziehen, wird sie die Gewerkschaften, allen voran die IG Metall, zum entschiedenen Gegner haben", sagte IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban der Zeitung "Die Welt".

Schäubles Forderung nach einem späteren Rentenbeginn nannte Urban absurd. Niemand, der den Leistungsdruck im heutigen "Turbo-Kapitalismus" kenne, könne davon ausgehen, dass die Menschen flächendeckend bis 67, 70 oder länger arbeiten könnten. "Am Ende läuft das doch wieder auf Rentenkürzungen hinaus", so Urban.

dab/dpa/Reuters

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