Bevölkerung Jugend-Exodus sorgt für Schrumpf-Norden

Bayern boomt, der Norden schrumpft. Seit der Wiedervereinigung sind netto fast 700.000 Bürger aus anderen Bundesländern in den Süden gezogen - zumeist aus den nördlichen Regionen der Republik. Besonders dramatisch: Vor allem junge Menschen verlassen ihre Heimat.
München: Die bayerische Landeshauptstadt wächst und wächst

München: Die bayerische Landeshauptstadt wächst und wächst

Foto: A3919 Lukas Barth/ dpa

Berlin - Wie viele Menschen leben in Deutschland? Diese Frage soll im Rahmen des Zensus geklärt werden. Offenbar wohnen aber über eine Million Menschen weniger in der Bundesrepublik als bislang angenommen. So sehr Unklarheit über die Bevölkerungszahl insgesamt herrscht - offensichtlich ist, dass es innerhalb Deutschlands eine starke Wanderungsbewegung gibt. Und diese folgt fast immer dem Prinzip "Vom Norden in den Süden".

Viele Bundesländer haben einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge in den vergangenen Jahren erhebliche Abwanderungen zu beklagen. Von diesen innerdeutschen Verschiebungen profitiere vor allem Süddeutschland, schreibt die Zeitung unter Berufung auf aktuelle Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsentwicklung (BIB).

Demnach zog allein Bayern seit der Wiedervereinigung im Saldo 670.000 Bewohner aus anderen Teilen Deutschlands an. Niedersachsen verlor hingegen im gleichen Zeitraum fast eine halbe Million Menschen. Berlin registrierte einen Wanderungsverlust von fast 100.000 Personen. Auch Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Bremen verloren Teile ihrer Bevölkerung.

Bayern-Boom geht weiter

Es seien vor allem junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die der Heimat den Rücken kehrten, um in einem anderen Bundesland einen Arbeitsplatz anzunehmen oder eine Ausbildung anzufangen, sagte BIB-Forscher Stephan Kühntopf.

Der Chef des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, spricht von einem "demografischen Klau", der für die Zu- und Abwanderungsregionen gravierende Folgen habe. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels und der schrumpfenden Bevölkerung sei Zuwanderung die einzige Möglichkeit, den künftigen Wohlstand zu halten.

Für Bayern prognostizieren die Experten bis 2030 eine anhaltend starke Zuwanderung. Profitieren würden aber auch andere Bundesländer im Süden, die so ihre Bevölkerung im Gegensatz zum Rest der Republik weitgehend stabil halten könnten.

böl/dpa
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