Steuerliche Benachteiligung Bierbrauer warnen vor Gefahr für Pfandsystem

Immer mehr Bierhersteller nutzen individualisierte Flaschen. Das kann die Transportwege verlängern. Eine Änderung in der Besteuerung von Pfandflaschen könnte den Trend noch verstärken - und das Pfandsystem torpedieren.

Bierflaschen mit Relief sollen von der steuerlichen Benachteiligung ausgenommen sein
Marius Schwarz/ imago images

Bierflaschen mit Relief sollen von der steuerlichen Benachteiligung ausgenommen sein


Deutsche Brauereien, die ihr Bier in gewöhnliche Norm-Pfandflaschen abfüllen, warnen vor einer Gefahr für das Pfandsystem. Eine geplante steuerliche Neubewertung von Leergut könnte laut Brauerbund dazu führen, dass künftig mehr Brauereien auf individualisierte Pfandflaschen umsteigen. Dann müssten leere Pfandflaschen noch genauer sortiert und immer zur Herstellungsbrauerei zurückgebracht werden.

Mit der steuerlichen Neubewertung will das Bundesfinanzministerium ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2013 umsetzen. Darin ging es zwar um Pfandflaschen mit Mineralwasser, das Urteil soll laut einem Schreiben des Ministeriums an die Finanzämter, das dem SPIEGEL vorliegt, aber auch auf Bier-Pfandflaschen angewendet werden. Zuerst hatten die "FAZ" und die "Lebensmittelzeitung" berichtet.

Brauereien sind verpflichtet, ihre Kästen mit Pfandflaschen von den Händlern zurückzunehmen. Für die Auszahlung des Pfands bilden sie Rückstellungen in ihren Bilanzen. Doch die Übertragung des Mineralwasser-Urteils von 2013 auf die Bierbranche könnte bewirken, dass viele Brauereien keine Rückstellungen mehr bilden dürfen. "Das wäre eine fatale Lenkungswirkung. Die Individualisierung und Komplexität im Mehrwertsystem würde dadurch weiter zunehmen", sagte Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbunds.

Rückstellungen nur noch für individualisierte Flaschen?

Künftig könnte die Bildung von Rückstellungen nur noch für Pfandflaschen möglich sein, die eindeutig einer Brauerei zugeordnet werden können, fürchten die Brauereien - also solche Flaschen, auf denen der Name der Brauerei als Relief prangt. Bislang setzen die meisten deutschen Brauereien auf gewöhnliche Norm-Pfandflaschen, die von jeder Brauerei verwendet werden können. Leere Flaschen mit Relief hingegen müssen an den Hersteller zurücktransportiert werden. Das kann zu längeren Transportwegen führen.

Die Übertragung des Urteils auf Bier-Pfandflaschen könnte dazu führen, dass Brauereien ihre Rückstellungen für gewöhnliche Norm-Pfandflaschen auflösen müssen. Der Brauerbund fürchtet, dass mehr Brauereien deshalb langfristig individualisierte Flaschen einführen, für deren Pfand Rückstellungen weiter erlaubt sein sollen. Dann müsste jeder zurückgegebene Kasten wohl noch genauer auf Flaschen mit oder ohne Relief geprüft werden.

Verband warnt vor Kosten in zweistelliger Millionenhöhe

Außerdem würde durch die Auflösung der Rückstellungen der buchhalterische Gewinn der Unternehmen einmalig steigen, dementsprechend auch die Steuerlast für die Unternehmen. Der Brauerbund rechnet damit, dass den deutschen Brauereien Kosten in zweistelliger Millionenhöhe entstehen. Das hätte gravierende Folgen für einige Unternehmen: "Wir kennen Brauereien, die würden das nicht überleben", sagte Eichele.

Das Bundesfinanzministerium teilt auf Anfrage mit, es befinde sich "über die Auswirkungen des Urteils mit den Ländern und den Betroffenen im Gespräch". Neuregelungen zum Flaschen-Pfandsystem seien nicht geplant.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes war von Pfandflaschen mit Gravur die Rede. Tatsächlich sind die Flaschen mit Reliefs individualisiert. Wir haben die Stellen geändert.

kko

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insgesamt 32 Beiträge
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Stäffelesrutscher 04.12.2019
1.
Frage eins: Was soll der Quatsch mit diesen abzuschaffenden Rückstellungen? Welchen Zweck haben die Spezis im Ministerium da im Auge gehabt? Frage zwei: Was nützt die schönste Normflasche, wenn der Kasten ein individueller ist? Da müssen dann wohl oder übel auch die Flaschen wieder zurück nach München, Berlin oder Öttingen ...
marthaimschnee 04.12.2019
2. ist es nicht niedlich
hier wieder ein tolles Beispiel, warum dieses geniale System den Planeten vor die Hunde gehen lassen wird. Priorität 1: Gewinn! Priorität 2: möglichst geringe Kosten! Priorität ganz weit hinten: alles andere! Dazu ein politisches System, das zielsicher dort bagatellisiert, wo es am nötigsten regulieren müßte und umgekehrt dort eingreift wo es gar nicht nötig wäre. Heraus kommt zuverlässig niemals die beste Lösung, sondern immer eine Krücke, die ökonomische Belange stets alles andere unterordnet. Stirb Planet, stirb! Es ist nicht wirtschaftlich, dich zu retten!
trademaster 04.12.2019
3. so ein Schmarrn
als ich in England gewohnt habe wurden Flaschen jede 2te Woche mit der Müllabfuhr zuhause abgeholt. die Laster waren geteilt, 2/3 Hausmüll, 1/3 Glas. Da bräuchte man kein Pfand, denn jeder hat seine Flasche entsorgt. egal welche Gravur. egal welche Größe und Form. Ob das Pfandsystem klimaneutraler ist als das Einschmelzen und neu Herstellen?
dgs 04.12.2019
4. Individualflaschen verbieten
Hier sieht man wieder mal, dass der Mensch unvernünftig ist. Weil jeder Bierbrauer den anderen mit ach so tollen Flaschen überbieten will, werden diese immer audwändiger. Ergo mein Vorschlag (um nicht verbieten zu müssen) 2€ Pfand auf Individualflaschen , weiterhin 0,08€ auf Standardflaschen. Differenz von ausgegeben Flaschen zu zurückgegebenen Flaschen als Direktzahlung in die Staatskasse. Dann hätte sich diese Thema erledigt.
joergaausb 04.12.2019
5.
Wie wäre es mit Standardpflaschen und jede abweichende Pflasche kostet den Verbraucher x Cent extra? Jeder abweichende Kasten kostet die Brauerei y Euro extra. Dann braucht/muss nur noch jeder Lieferant so viele Flaschen/Kästen mitnehmen, wie er bringt Regional ist erste Wahl mindert ebenfalls unnötige Transportkosten. Viele Ketten werben ja mit diesem Slogan.
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