Bilanzpfusch bei Schrottbank Politiker nehmen Wirtschaftsprüfer ins Visier

Die Suche nach den Schuldigen an der 55,5-Milliarden-Buchungspanne bei der Bad-Bank der HRE kommt auf Touren: Sowohl Koalition als Opposition kritisieren die zuständigen Wirtschaftsprüfer von PwC heftig - diese weisen die Verantwortung für den Pfusch weit von sich.

Finanzminister Schäuble (Archivbild): Mittwoch erscheinen die Bankvorstände zum Rapport
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Finanzminister Schäuble (Archivbild): Mittwoch erscheinen die Bankvorstände zum Rapport


Berlin/Frankfurt am Main - Wer ist schuld an dem kapitalen Rechenfehler bei der FMS Wertmanagement? Am Mittwoch müssen Vorstandsmitglieder der verstaatlichten Hypo Real Estate und ihrer Bad Bank zum Rapport bei Wolfgang Schäuble (CDU) antreten.

Es soll aufgeklärt werden, wie es zu dem fatalen Buchungsfehler kommen konnte. Am Freitag war bekanntgeworden, dass bei der FMS Wertmanagement insgesamt 55,5 Milliarden Euro in den Bilanzen für 2010 und 2011 falsch verbucht worden waren. Das Finanzministerium wusste davon allerdings bereits seit Anfang Oktober.

Mit den Bankern sind auch Mitarbeiter von Price Waterhouse Coopers (PwC) ins Berliner Finanzministerium geladen - die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hatte die Bilanz testiert. Bereits am Montag soll es eine Telefonkonferenz geben, nach diesen Gesprächen solle entschieden werden, ob und welche Konsequenzen zu ziehen seien.

Personelle Konsequenzen sind möglich

Scharfe Kritik seitens der Politik müssen insbesondere die Wirtschaftsprüfer von PWC einstecken. "Auf diese Bilanz hat ja nicht nur einer geschaut. Auch die Rolle der Wirtschaftsprüfer muss aufgeklärt werden", sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister der "Rheinischen Post". Ein Fehler in dieser Größenordnung hätte auffallen müssen. Den Finanzminister treffe aber keine Schuld.

Auch die Opposition attackiert vor allem die PwC-Leute. Der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß kritisierte in Berlin, "dass hier hochbezahlte Banker und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft offensichtlich versagt haben". Schäuble müsse allerdings "sicherstellen, dass sein federführendes Haus voll arbeitsfähig ist". Es stelle sich die Frage, "ob der Bundesfinanzminister in seinem Haus genug personelle Ressourcen für die Analyse und Kontrolle der mit der Banken- und Finanzkrise zusammenhängenden Fragen bereit stellt".

Der CSU-Finanzexperte Hans Michelbach sprach von einem "unfassbaren Fehler" und griff auch die Bankvorstände an. Diese sollen nach seinem Willen auch dem Finanzausschuss des Bundestags Rede und Antwort stehen. Bankintern müssten Konsequenzen gezogen werden. "Das schließt personelle Konsequenzen ausdrücklich ein."

Vertrauen in Deutschland könnte leiden

Die Wirtschaftsprüfer weisen die Schuld an der Panne weit von sich. Im Jahresabschluss 2010 der FMS Wertmanagement habe es zunächst keine Anhaltspunkte für Fehler gegeben, teilte PwC mit. Erst mit dem verkürzten Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2011 seien Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Die Bad Bank hat laut PwC wesentliche Teile der Rechnungslegung an einen externen Dienstleister ausgelagert.

Die Zeit drängt bei der Aufklärung des riesigen Bilanzpfuschs - Experten warnen vor Folgen für das internationale Vertrauen in Deutschland. Die Nachricht über die plötzlich aufgetauchten 55,5 Milliarden Euro "kommt natürlich zum ungünstigsten Zeitpunkt", sagte der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Rocholl im ZDF-"Morgenmagazin". Derzeit sei das Misstrauen in Statistiken ohnehin sehr groß.

Zudem handele es sich bei der Buchungspanne laut dem Fachmann um einen elementaren Fehler der Buchhaltung. "Das ist ein sehr peinlicher Fehler, der nicht hätte passieren dürfen", sagte Rocholl. " Im Wesentlichen hat man dort Brutto mit Netto verwechselt."

Die Verantwortung für den Fehler sehe er vor allem bei denjenigen, die diese Bilanz aufgestellt haben, sagte Rocholl weiter. Der Bundesfinanzminister müsse sich auf das verlassen, was ihm von den Wirtschaftsprüfern und Bilanzierern an Zahlen vorgelegt werde.

fdi/dpa-AFX

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
acitapple 31.10.2011
1. ...
lol, daran musste ich letzte woche zuerst denken. es ist ja schon schlimm genug, wenn die bank selbst so einen mist baut. viel schlimmer finde ich es jedoch, wenn sowas den hochbezahlten wirtschaftsprüfern nicht auffällt. spätestens da hätten die alarmglocken läuten müssen. ist diese prüfung überhaupt noch etwas wert ?
weltbetrachter 31.10.2011
2. Verantwortung - gleich NULL !
Jeder Handwerker, der einen Fehler macht, muß eine Gewährleistung übernehmen und den Fehler kostenlos beseitigen. --- Diese Herrschaften suchen Fehler immer nur bei anderen und nie bei sich selbst. Das Honorar für die Prüfungstätigkeit müssen die erst einmal zurückzahlen. Denn diese Prüfung ist ja wohl nicht einmal einen Euro wert !
Foul Breitner 31.10.2011
3. Ich kenne die Hintergründe nicht
Zitat von acitapplelol, daran musste ich letzte woche zuerst denken. es ist ja schon schlimm genug, wenn die bank selbst so einen mist baut. viel schlimmer finde ich es jedoch, wenn sowas den hochbezahlten wirtschaftsprüfern nicht auffällt. spätestens da hätten die alarmglocken läuten müssen. ist diese prüfung überhaupt noch etwas wert ?
hätte aber Verständnis für einen Prüfer, wenn er davon ausgeht, daß solche Fehler nicht passieren.
systemmirror 31.10.2011
4. Bei einem Betrag
von 55 Milliarden Euro müßte schon mit dem letzten Kontoauszug festgestellt worden sein, daß etwas nicht stimmen kann. Wirtschaftsspezialisten, Bankvorstände, Aufsichtsräte. Alle müßten wegen Unfähigkeit fristlos gefeuert werden. Mit der Transaktionssteuer , und wäre sie 0 %, wäre das nicht passiert, denn dann hätte man eine normale Buchhaltung führen müssen. Der Fehler wäre sofort einem 10-jährigen aufgefallen. Da sich aber alles nur mit Papier hin-und herwälzen erledigen kann und jeder nur versucht an den Bilanzen rumzutricksen werden solche Dinge immer wieder passieren. Ganz nebenbei können dann auch mal ein paar Millionen abgezweigt werden. Das merkt niemand oder will niemand bemerken.
bmehrens 31.10.2011
5. Griechische Rechnungsprüfer?
"Die Bad Bank hat wesentliche Teile der Rechnungslegung an externe Dienstleister ausgelagert". "Externe Dienstleister" - Griechen oder?
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