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19. April 2018, 13:59 Uhr

Gegen Etikettenschwindel

EU verabschiedet strengere Regeln für Biolebensmittel

Käufer von Bioprodukten geben den Herstellern einen großen Vertrauensvorschuss. Damit der auch in Zukunft gerechtfertigt bleibt, will die EU nun strenger prüfen.

Die EU will künftig Etikettenschwindel bei Biolebensmitteln stärker eindämmen. Das EU-Parlament billigte mit großer Mehrheit eine entsprechende neue Verordnung für den Ökolandbau.

Sie sieht strengere Kontrollen vor, die neben der Produktion auch die Lieferkette abdecken sollen. Bei importierten Biolebensmitteln aus Drittländern sollen die EU-Regeln strikter eingehalten werden. Auch müssen Biolandwirte darauf achten, dass ihre Produkte nicht mit Pestiziden oder anderen Chemikalien verunreinigt werden.

Vertreter des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten hatten sich bereits im Juni 2017 nach jahrelangem Streit auf die Neuordnung geeinigt. Formal muss nun noch der Rat der Mitgliedsländer zustimmen, bevor die Regeln 2021 in Kraft treten sollen.

Stetiges Wachstum

"Wo Bio draufsteht, muss Bio drin sein", teilte der Grünen-Abgeordnete Martin Häusling mit, der an den Verhandlungen über die neue Verordnung beteiligt war. Das neue Gesetz mache Biosiegel zu einer echten Marke für Qualität und schaffe Vertrauen bei Kunden, Biolandwirten und den Biolebensmittelherstellern.

Die Produktion von Ökolebensmitteln ist in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch. Im Jahr 2013 gab jeder Deutsche durchschnittlich 93 Euro für Bionahrung aus. Ökologische Landwirtschaft findet sich bislang jedoch nur auf etwa sieben Prozent der Weiden und Felder der EU. Der steigende Hunger auf Ökoprodukte wird durch mehr Importe gestillt.

Für diese Einfuhren sollen mit dem neuen Gesetz künftig strengere Regeln gelten. Auch Bioprodukte aus dem außereuropäischen Ausland sollen eins zu eins den EU-Standards entsprechen. Lebensmittel, die davon abweichen, sollen nach Inkrafttreten der Verordnung nur noch fünf Jahre lang importiert werden dürfen. Ausnahmen kann es geben, falls Versorgungsengpässe drohen.

Umstrittene Kontaminationsregel

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft lobt die neue Verordnung als ein "Fundament, aus dem ein gutes Bio-Recht werden kann". Zentrale Regeln müssten allerdings noch ausgearbeitet werden, sagte Geschäftsführer Peter Röhrig. Kritisch sieht er die Tatsache, dass Landwirte künftig ihr Biolabel verlieren können, wenn ihre Produkte mit Chemikalien verunreinigt sind. Ökobauern dürften nicht für die Pestizidanwendungen ihrer Nachbarn haften, sagte Röhrig.

Die sozialdemokratische Europaabgeordnete Maria Noichl sieht durch diese Kontaminationsregel die Gefahr, dass der Biosektor in die "Nische zurückgedrängt" werden könnte. Die Herstellung ökologischer Lebensmittel sei "unter einer Käseglocke nicht möglich", sagte Noichl. Mit den neuen Regeln müssten Bauern für die Pestizide geradestehen, die auf dem konventionellen Nachbarhof eingesetzt würden.

brt/dpa

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