Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft Bis 2030 könnten fünf Millionen Fachkräfte fehlen

Die Babyboomer gehen in Rente und zu wenige Menschen rücken nach: In Deutschland schreitet der demografische Wandel voran. Eine neue Erhebung zeigt, wie drastisch der Fachkräftemangel bald ausfallen könnte.
Gleisarbeiten in Köln (Archivbild): Eine Lücke, die sich »kaum kompensieren« lässt

Gleisarbeiten in Köln (Archivbild): Eine Lücke, die sich »kaum kompensieren« lässt

Foto: Christoph Hardt / Future Image / IMAGO

Deutschland könnten bis zum Jahr 2030 rund fünf Millionen Fachkräfte fehlen, weil Hunderttausende mehr in den Ruhestand gehen, als Arbeitskräfte nachrücken. Das zeigt eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Allein 2022 werden über 300.000 Personen mehr in den Ruhestand gehen als in den Arbeitsmarkt eintreten, so IW-Ökonom Holger Schäfer.

Der Grund für die Lücke sind die unterschiedlich großen Jahrgänge: Der Jahrgang 1964 ist mit 1,4 Millionen Menschen besonders geburtenstark. Im Jahr 2029, wenn der Großteil des Jahrgangs in Rente gehen wird, treten die um das Jahr 2009 herum geborenen Menschen neu ins Arbeitsleben ein. Im Jahr 2009 wurden jedoch lediglich rund 736.000 Menschen geboren. Das ist eine Differenz von rund 670.000 potenziell Erwerbstätigen. Zuerst hatte die »Zeit« über die Berechnungen des IW berichtet.

Hohe Belastungen für Erwerbstätige

»Ein Problem ist das in erster Linie für unsere Sozialversicherungssysteme, weil die auf Umlage basieren«, sagte Schäfer. Wer arbeitet, muss also diejenigen versorgen, die in Rente sind. »Wenn das Verhältnis von diesen beiden Gruppen sich ändert, dann wird eben die Belastung für diejenigen, die dann erwerbstätig sind, deutlich höher werden«, sagte Schäfer. »Oder diejenigen in Rente werden weniger Leistungen erhalten.«

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Um der Entwicklung entgegenzuwirken, könne entweder die gesteuerte Zuwanderung erhöht oder eine größere Zahl an Menschen in den Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Die Größenordnung der Differenz zwischen den Jahrgängen bedeute jedoch, dass sich die wachsende Lücke »wohl kaum« kompensieren lasse, sagte Schäfer weiter.

Nötig sei eine »gewaltige Nettoeinwanderung« gut ausgebildeter Arbeitnehmer. Bisher sei das in der nötigen Größenordnung jedoch noch nie erreicht worden. Auch im Bereich der Erwerbsbeteiligung seien bereits viele Potenziale ausgereizt worden. »Meine Einschätzung wäre, dass beide Instrumente, also Zuwanderung und Erhöhung der Erwerbsbeteiligung, in der Summe nicht diese demografische Lücke werden kompensieren können«, sagte Schäfer.

jlk/AFP