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Bitte um niedrigere Zinsen Griechenland fordert Schulden-Schonfrist

Umschuldung - niemals! Oder doch? In einem Interview bittet Griechenlands Finanzminister EU und IWF um längere Rückzahlfristen für ihre Hilfskredite - und er fordert niedrigere Zinsen. Gläubigern würden in diesem Fall Milliarden entgehen.
Akropolis in Athen: Finanzminister fordert Umschuldung light

Akropolis in Athen: Finanzminister fordert Umschuldung light

Foto: LOUISA GOULIAMAKI/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Das böse U-Wort will Giorgos Papaconstantinou nicht in den Mund nehmen - und wenn, dann höchstens, um zu dementieren, dass Griechenlands Gläubiger möglicherweise auf einen Teil ihres Geldes verzichten müssen. Jetzt plötzlich macht der griechische Finanzminister einen Vorschlag, der dem einer Umschuldung nahekommt.

Motto: Ja, wir zahlen der EU und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) alle Hilfskredite zurück. Aber wir brauchen mehr Zeit.

"Es wäre besser, wenn wir die Rückzahlung der 110 Milliarden Euro verlängern, die wir von unseren Partnern bekommen haben", sagte Papaconstantinou in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Libération". Auch die Zinsen sollten weiter gesenkt werden. "Auf diese Weise könnten wir unsere anderen Zahlungsverpflichtungen erfüllen."

Eine Umschuldung - bei der die privaten Gläubiger auf einem Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben würden - werfe dagegen mehr Probleme auf als sie löse, beteuerte Papaconstantinou.

Fakt ist: Was der griechische Finanzminister fordert, ist zwar keine Umschuldung im engen Sinne. Mancher Experte dürfte den Lösungsansatz aber als Umschuldung light bezeichnen. Schließlich müssten Gläubiger - in diesem Fall die EU und der IWF - bei niedrigeren Zinsen durchaus auf die ein oder andere zugesagte Milliarde verzichten.

Chef von Euro-Rettungsfonds unterstellt Banken Gier

Die griechische Staatsverschuldung hat mittlerweile ein Niveau von rund 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Das ist der mit Abstand höchste Wert in der Euro-Zone. Die Renditen für Staatspapiere des Landes stiegen im Verlauf der vergangenen Wochen dramatisch an. Außerdem musste die Regierung eingestehen, dass das Haushaltsdefizit 2010 höher war als zunächst angenommen.

Die Regierung hat mehrere Sparprogramme aufgelegt, um die Neuverschuldung zu drücken. Dadurch hat sich die Rezession verschärft. Papaconstantinou rechnet aber für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr wieder mit einem Wirtschaftswachstum.

Den Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF bringt die Diskussion um eine Umschuldung Griechenlands mittlerweile in Rage. Die Geldbranche heize die Debatte gezielt an, weil sie auf hohe Gewinne spekuliere, sagte Klaus Regling dem "Handelsblatt". "In den achtziger und neunziger Jahren haben die Banken für die Restrukturierung von Staatsschulden in Lateinamerika und Asien sehr hohe Honorare kassiert. Das würden sie in Europa gerne wiederholen."

Regling warnt USA vor Schuldenkrise

Zwar würde eine Teilentschuldung des Landes einige Banken dazu zwingen, griechische Staatspapiere in ihrer Bilanz teilweise abzuschreiben, räumte Regling ein. Die dabei entstehenden Verluste würden sich aber "in Grenzen halten". Dagegen wären die mit einer Restrukturierung verbundenen Provisionen vielversprechend.

Die USA warnt Regling vor einer Schuldenkrise. "Die USA bewegen sich langsam auf gefährliches Terrain", sagte er dem "Handelsblatt". Die US-Staatsschulden würden in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen als die europäischen. "Die Amerikaner müssen wirklich aufpassen." Sie hätten im Gegensatz zu den Europäern mit der Haushaltskonsolidierung noch nicht begonnen.

Selbst wenn die USA ihre Zusage in der Gruppe der 20 wichtigsten Länder (G20) einhielten, bis 2015 ihr Etatdefizit zu halbieren, würde die Defizitquote dann immer noch über fünf Prozent liegen.

ssu/Reuters