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Frankfurt am Main Krawalle bei Blockupy-Protesten rund um die EZB

In Frankfurt am Main kommt es zu den befürchteten Ausschreitungen bei den Blockupy-Protesten: In der Innenstadt brennen Streifenwagen, Demonstranten werfen mit Steinen. Die Polizei setzt auch Wasserwerfer ein.

Frankfurt/Main - Die kapitalismuskritische Blockupy-Bewegung hat zu einem Protesttag gegen die europäische Krisenpolitik aufgerufen. Anlass ist der Festakt zur Eröffnung der neuen Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). Gleich zu Beginn des Protesttages ist es zu Ausschreitungen gekommen. In der Nähe der Alten Oper in der Innenstadt bewarfen Demonstranten Polizisten mit Steinen, mindestens ein Beamter wurde verletzt, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Auch eine Demonstrantin wurde verletzt.

Die Polizei setzte auch Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. "Ausschreitungen machten den Wasserwerfereinsatz erforderlich", twitterte die Frankfurter Polizei. Es seien mehrere Brände gelegt und insgesamt sieben Polizeiwagen angezündet worden, sagte eine Sprecherin.

Die Polizei wirkte nach Augenzeugenberichten von der Heftigkeit der Gewalt überrascht. Es habe an mehreren Stellen Angriffe auf Polizisten gegeben, teilte die Polizei mit. Im Frankfurter Ostend, wo die EZB ihren Sitz hat, gab es kaum eine Straßenkreuzung, an der nicht Mülltonnen, Autoreifen oder Fahrzeuge brannten. Demonstranten versuchten, das weiträumig abgesperrte Gelände der EZB zu stürmen, wurden aber von der Polizei gestoppt.

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Anti-EZB-Protest: Mit Steinen gegen die Zentralbank

Foto: Michael Probst/ AP/dpa

Die Demonstranten attackierten auch Feuerwehr und Straßenbahnen mit Steinen. Die Feuerwehr sei dadurch am Löschen gehindert worden. Ein Polizeiauto soll in der Nähe der EZB angezündet worden sein. Vermummte Demonstranten wurden beim Weglaufen gesehen. Die Polizei hielt sich an den Rändern der Sperrzone zunächst zurück und konzentrierte sich auf den Schutz der EZB.

Die Demonstranten blockierten laut Polizei die zentrale Flößerbrücke über den Main und den Ratswegskreisel, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Osten der Stadt.

Die Feuerwehr rief die Demonstranten via Twitter auf, die Löscharbeiten nicht zu behindern. "Bitte lasst unsere Einsatzkräfte in Ruhe und ihre Arbeit machen!", appellierte sie über den Kurznachrichtendienst.

Auf Twitter sind mehrere brennende Streifenwagen zu sehen, Reifenstapel und andere Barrikaden wurden auch in Brand gesetzt. Nach Polizeiangaben haben Autonome versucht, das erste Polizeirevier auf der Zeil zu stürmen. "Die Atmosphäre ist aggressiv", sagte Polizeisprecherin Claudia Rogalski. "Wir haben mit Gewalt gerechnet, wir haben ausreichend Kräfte im Einsatz", sagte sie. "Dass es so schnell kommt - ich hätte auch gewünscht, dass es anders gekommen wäre."

Vor dem weiträumig abgesperrten Gelände der EZB hatte eine Mahnwache von Kapitalismusgegnern zunächst ruhig begonnen. Demonstranten berichteten von einem Tränengaseinsatz der Polizei. Von Angriffen auf Beamte wisse man nichts, sagte eine Blockupy-Sprecherin. Auch Autonome aus Italien und Frankreich sind angereist.

Am Vormittag will die EZB ihre neue Zentrale mit einem kleinen Festakt offiziell eröffnen. Sie nutzt die beiden Glastürme bereits seit mehreren Monaten. Die Blockupy-Bewegung hatte schon seit längerem angekündigt, die heutige Feier mit Blockaden und Aktionen des zivilen Ungehorsams verhindern zu wollen. Die Polizei rechnet im Tagesverlauf mit mindestens zehntausend Demonstranten. Am Nachmittag sind mehrere Demonstrationszüge geplant.

Blockupy-Aktivist: "Polizei wollte Bürgerkriegs-Szenario"

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fab/mmq/dpa
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