Streit über Beihilfen für Boeing und Airbus EU erstellt Warenliste mit Vergeltungszöllen

Die USA und die EU streiten über Subventionen für ihre Flugzeughersteller Airbus und Boeing. Nun will die EU-Kommission offenbar US-Importe in Höhe von 20 Milliarden Dollar mit Zöllen belegen.

Boeing-Maschine von American Airlines
REUTERS

Boeing-Maschine von American Airlines


Im Streit über Beihilfen für die beiden rivalisierenden Flugzeugbauer Boeing und Airbus konkretisiert die EU ihre Drohungen an die USA. Diplomaten zufolge hat die Europäische Kommission eine Warenliste von US-Importen in Höhe von rund 20 Milliarden Dollar erstellt, die mit Zöllen belegt werden könnten.

Hintergrund ist die Beschwerde der EU bei der Welthandelsorganisation (WTO) über US-Subventionen für Boeing. Und auch die USA werfen Europa illegale Beihilfen für den Boeing-Rivalen Airbusvor.

Den Diplomaten zufolge wird erwartet, dass die EU-Kommission ihre Liste am kommenden Mittwoch veröffentlicht. Im Anschluss seien öffentliche Stellungnahmen möglich, in deren Folge die Liste noch angepasst werden könnte.

Am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump mit Zöllen auf EU-Produkte im Volumen von elf Milliarden Dollar gedroht. Darunter sind neben Produkten und Komponenten für die Luftfahrtindustrie auch zahlreiche andere Waren wie etwa etliche Käsesorten, Olivenöl, Orangen oder Meeresfrüchte.

Die EU-Kommission kündigte umgehend Gegenmaßnahmen an. Die aktuellen Angaben bestätigte die Behörde jedoch nicht offiziell und nannte keine Beispiele für Produkte. Sie verwies darauf, dass noch ein Konsultationsverfahren mit möglicherweise betroffenen EU-Unternehmen geplant sei.

Handelsstreit droht weiter zu eskalieren

Die US-Regierung hatte schon 2018 Zölle für europäische Stahl- und Aluminiumimporte erhoben, woraufhin die EU mit höheren Abgaben auf US-Produkte wie Whiskey und Jeans reagierte. Trump droht zudem mit Sonderzöllen auf Autos aus der EU, die vor allem BMW Chart zeigen, Daimler Chart zeigen und VW treffen würden.

Dieser Handelsstreit zwischen Brüssel und Washington könnte nun weiter eskalieren. Trump sieht sein Land als Opfer unfairer Handelsabkommen und hat seinen Anhängern eine strikte "America First"-Politik versprochen. Er droht auch seit Monaten damit, die Einfuhrschranken für Autos aus Europa zu erhöhen - das würde vor allem die deutsche Industrie hart treffen. Die EU will Autozölle verhindern und stattdessen ein Handelsabkommen mit den USA abschließen.

Der Handelsstreit zwischen dem US-Flugzeughersteller Boeing und seinem europäischen Rivalen Airbus tobt bereits seit mehr als 15 Jahren. Sie werfen sich gegenseitig vor, unangemessene Staatsbeihilfen in Anspruch genommen zu haben. Streitparteien bei der WTO sind jedoch nicht die Unternehmen, sondern die USA und die Europäische Union.

apr/kry/mel/Reuters/dpa



insgesamt 21 Beiträge
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gossenphilosoph 12.04.2019
1. Die EU wird immer wichtiger.
Jedem EU-Skeptiker muß inzwischen klar geworden sein das die EU zwar Reformbedürtig ist, aber für die Sicherung des Wohlstands und der Sicherheit der Mitgliedstaaten in dieser Welt-Dynamik immer mehr an Bedeutung gewinnt. Als einzelne BRD könnten wir uns genau so wenig gegen die aggressive Handelspolitik wehren, wie ein einzelnes Frankreich oder Spanien etc. Wir erleben gerade wie wir als "Freunde" der USA fortwährend angegriffen werden. Dazu kommt noch die fatale Nahost Politik des Präsidenten Trump - alles das gefährdet uns. Eine starke soziale und liberale EU sind unser einziger Schutz - also bitte zur Europawahl gehen und wählen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
nurEinGast 12.04.2019
2.
Zitat von gossenphilosophJedem EU-Skeptiker muß inzwischen klar geworden sein das die EU zwar Reformbedürtig ist, aber für die Sicherung des Wohlstands und der Sicherheit der Mitgliedstaaten in dieser Welt-Dynamik immer mehr an Bedeutung gewinnt. Als einzelne BRD könnten wir uns genau so wenig gegen die aggressive Handelspolitik wehren, wie ein einzelnes Frankreich oder Spanien etc. Wir erleben gerade wie wir als "Freunde" der USA fortwährend angegriffen werden. Dazu kommt noch die fatale Nahost Politik des Präsidenten Trump - alles das gefährdet uns. Eine starke soziale und liberale EU sind unser einziger Schutz - also bitte zur Europawahl gehen und wählen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
/sign
m.klagge 12.04.2019
3. Boeing geht der Arsch auf Grundeis.
Als es noch keine Konkurrenz gab, war es egal wenn die Maschinen reihenweise vom Himmel gefallen sind. Es gab keine Alternativen. Jetzt könnten die Kunden glatt ihre 737 MAX Bestellungen stornieren und bei Airbus einkaufen. Das gaht ja mal gar nicht, denn dann müsste das US Militär Boeing ganz allein finanzieren. Was selbst für diesen potenten Einkäufer nicht leicht zu stemmen wäre. Gegen die unerwünschte Konkurrenz aus Europa dürfte die Drohung helfen, aber es gibt in dieser schönen neuen Welt nicht mehr nur die Konstellation mit zwei Antagonisten, die anscheinend die Politik der USA immer noch bestimmt. Der Gewinner dürfte in jedem Fall China heißen. Die fahren bestimmt gerade ihre Produktion bei Passagierjets hoch.
volker19611 12.04.2019
4. Und jetzt Spartanburg
Zuallererst das größte BMW Werk weltweit zumachen. Als Einzelwerk grösser als München. America first.
PriseSalz 13.04.2019
5. War da nicht was?
Vor kurzem? Ja, richtig: Ein Aufschrei in der EU: Straf- oder Vergeltungszölle (die die USA erheben wollten), das ginge gar nicht. Aber 1.: Schon Herr Adenauer wusste: "Was geht mich mein Geschwätz von gestern an." 2.: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Bin auf die Antwort von Mr Trump gespannt.
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