Börsenaufsicht US-Behörden wollen Turbo-Tradern Geheimnisse entlocken

Die amerikanische Börsenaufsicht geht verdächtigen Marktaktivitäten nach: Von Hochfrequenz-Händlern fordern sie die geheimen Computercodes ihrer Kauf- und Verkaufsprogrammen an. Sie sollen für nicht nachvollziehbare Kursausschläge verantwortlich sein.

New York Stock Exchange: Am 8. August sackte der Dow-Jones-Index um 635 Punkte ab
REUTERS

New York Stock Exchange: Am 8. August sackte der Dow-Jones-Index um 635 Punkte ab


Washington/New York - Die US-Börsenaufseher wollen wissen, wie ultraschnelle Computerhändler den Aktienmarkt beeinflussen: Erstmals haben sie von Handelsfirmen Details über deren Strategien bei computergesteuerten Kauf -und Verkaufsprogrammen verlangt.

So genannte Hochfrequenz-Händler nutzen kurzfristige Schwankungen, um mit Hilfe von extrem leistungsstarken Computern und komplizierter Algorithmen in Millisekunden Aktien zu kaufen und zu verkaufen.Dabei können sich selbst minimale Kursveränderungen zu erheblichen Gewinnen summieren. In mehreren Fällen seien sogar geheime Computercodes angefordert worden, sagte Tom Gira, Vize-Chef der Regulierungsbehörde Finra. Hintergrund seien verdächtige Marktaktivitäten.

Die Behörde sei angesichts der Marktlage beunruhigt, so der Aufseher. Auch die der Finra übergeordnete Börsenaufsicht SEC hat damit begonnen, von Handelsfirmen Informationen über Algorithmen anzufordern. Seit dem berüchtigten "Flash Crash" an der Wall Street, als im Mai 2010 die Kurse am Aktienmarkt innerhalb weniger Minuten abstürzten und sich kurz darauf wieder erholten, kommen nicht nachvollziehbare Kursausschläge immer häufiger vor. Kritiker machen dafür auch Hochfrequenzhändler verantwortlich, die sich plötzlich aus dem Markt zurückgezogen und so den Crash ausgelöst hätten.

Alleine am 8. August, als der amerikanische Dow-Jones-Index um 635 Punkte absackte, verdienten Hochfrequenz-Händler laut Schätzungen der Marktforschungsfirma Tabb Group auf dem US-Aktienmarkt rund 60 Millionen Dollar verdient, berichtete das "Wall Street Journal". Schätzungen zufolge geht rund die Hälfte des Umsatzes am US-Aktienmarkt auf das Konto des Hochfrequenz-Handels, in Deutschland sind es rund 40 Prozent.

Die SEC hatte schon im vergangenen Jahr Ermittlungen eingeleitet. So soll untersucht werden, ob Händler Preise manipulierten, Kursausschläge begünstigten oder Betrug begingen, in dem sie den Markt mit Aufträgen fluteten, die gleich darauf storniert wurden.

kra/Reuters

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Medienkritiker 02.09.2011
1. High-Frequency Trading
Mit genügend Kapital-Ausstattung ist es wirklich kein Geheimnis, wie man auch mit minimalen Kursschwankungen ein Vermögen generieren kann. Es reicht bereits aus, die schon beinahe rituellen und sich permanent wiederholenden Kursentwicklungen zu bestimmten Tageszeiten zu beachten...besonders schön zu beobachten am Standort Frankfurt;) ein weiterer gewichtiger Punkt sind natürlich die Futures!
dionysos74 02.09.2011
2. Warum machen Sie es dann nicht?
Zitat von MedienkritikerMit genügend Kapital-Ausstattung ist es wirklich kein Geheimnis, wie man auch mit minimalen Kursschwankungen ein Vermögen generieren kann. Es reicht bereits aus, die schon beinahe rituellen und sich permanent wiederholenden Kursentwicklungen zu bestimmten Tageszeiten zu beachten...besonders schön zu beobachten am Standort Frankfurt;) ein weiterer gewichtiger Punkt sind natürlich die Futures!
Wäre es so einfach, dann müßte irgendwer alles Geld der Welt besitzen, weil er es ja permanent dem Markt entziehen würde, falls es die behaupteten "sich permanent wiederholenden Muster" gäbe. Ich habe sie jedenfalls noch nicht entdeckt, aber vielleicht helfen Sie mir da auf die Sprünge. Ich verspreche Ihnen auch, daß wir uns den Gewinn teilen, falls Ihre "Muster" funktionieren sollten. Kursstürze hat es immer schon gegeben, schon die Rothschilds konnten im 17.(!) Jahrhundert die Londoner Börse abstürzen lassen, ganz ohne Computer!!! Da wird man wieder von den Ursachen abgelenkt - die "bösen Spekulanten" sind mal wieder schuld, daß die Staaten so viele Schulden gemacht haben, daß die Kurse sinken, oder der Ölpreis steigt oder was auch immer passiert, immer sind es die Spekulanten. Das muß ja schon eine allmächtige Sorte Mensch sein, wenn die so etwas können.
barca 02.09.2011
3. Die Finanztransaktionssteuer muss her
Durch eine Finanztransaktionssteuer würde sich der Hochfrequenzhandel nicht mehr rentieren. Damit würde diesem Treiben ein Ende gemacht.
blurps11 02.09.2011
4. Schauen Sie sich doch mal...
Zitat von dionysos74Wäre es so einfach, dann müßte irgendwer alles Geld der Welt besitzen, weil er es ja permanent dem Markt entziehen würde, falls es die behaupteten "sich permanent wiederholenden Muster" gäbe. Ich habe sie jedenfalls noch nicht entdeckt, aber vielleicht helfen Sie mir da auf die Sprünge. Ich verspreche Ihnen auch, daß wir uns den Gewinn teilen, falls Ihre "Muster" funktionieren sollten. Kursstürze hat es immer schon gegeben, schon die Rothschilds konnten im 17.(!) Jahrhundert die Londoner Börse abstürzen lassen, ganz ohne Computer!!! Da wird man wieder von den Ursachen abgelenkt - die "bösen Spekulanten" sind mal wieder schuld, daß die Staaten so viele Schulden gemacht haben, daß die Kurse sinken, oder der Ölpreis steigt oder was auch immer passiert, immer sind es die Spekulanten. Das muß ja schon eine allmächtige Sorte Mensch sein, wenn die so etwas können.
...die Vermögensverteilung in so ziemlich allen westlichen Staaten an. "Alles Geld der Welt" konzentriert sich tatsächlich zunehmend in sehr, sehr wenigen Händen.
Kurt Köster 02.09.2011
5. Hütchenspiel
In Börsenfachkreisen gilt es als eine Banalität, zwischen Insidern und Outsidern zu unterscheiden. Insider haben Informationen (über Unternehmen und die Aktionen anderer Börsenplayer), die der großen Mehrheit der Aktionäre unbekannt sind. Mit diesen Informationen werden die Outsider ständig von den Insidern über den Tisch gezogen. Ich weiss, wovon ich spreche. Ich kann nur jedem raten, die Finger von der Börse zu lassen. Die Börse ist ein Spiel, bei der normale Teilnehmer nur mit sehr viel Glück verhindern können, ihre Einsätze zu verlieren. So ähnlich wie beim Hütchenspiel.
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