Nach Dammbruch in Brasilien Gericht verurteilt Bergbaukonzern Vale zu Wiedergutmachung

Mehr als 200 Menschen starben, massive Umweltschäden sind geblieben: Fast sechs Monate nach dem Dammbruch an einer Eisenerzmine in Brasilien hat ein Gericht den Bergbaukonzern Vale zur Begleichung der Schäden verurteilt.

Retter auf der Suche nach Opfern der Dammkatastrophe (Bild vom 29. Januar 2019)
Douglas Magno / AFP

Retter auf der Suche nach Opfern der Dammkatastrophe (Bild vom 29. Januar 2019)


Knapp ein halbes Jahr nach dem verheerenden Dammbruch im ostbrasilianischen Brumadinho hat ein Gericht ein Urteil verkündet und den Bergbaukonzern Vale zur Wiedergutmachung verpflichtet. Das Unternehmen müsse alle entstandenen Schäden beheben, ordnete ein Richter im Bundesstaat Minas Gerais an.

Er legte aber vorerst keine Schadenssumme fest. Diese könne derzeit noch nicht beziffert werden, sagte Richter Elton Pupo Nogueira.

Es gehe nicht nur um die Todesopfer der Katastrophe. Der Dammbruch habe auch die Umwelt und die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Region geschädigt. Zugleich hielt das Gericht das Einfrieren von elf Milliarden Reais (rund 2,6 Milliarden Euro) von Vale für künftige Entschädigungszahlungen aufrecht.

Der Damm eines Rückhaltebeckens für Bergbauabfälle an der Mine Córrego do Feijao war am 25. Januar geborsten. Millionen Tonnen Schlamm ergossen sich über die Umgebung des Bergwerks, sie begruben Häuser, Autos und Straßen unter sich. Mindestens 248 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, 22 weitere werden noch immer vermisst. Die mit Schwermetallen durchsetzte flüssige Masse gelangte auch in den angrenzenden Fluss Paraopeba und kontaminierte ihn.

Vale teilte mit, das Gericht habe die "Kooperation" des Unternehmens während des Verfahrens anerkannt. Der Konzern wolle "rasch und gerecht" für die Begleichung der Schäden aufkommen, die durch die Katastrophe entstanden seien.

Videoaufnahmen des Dammbruchs vom Januar 2019:

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Nach dem Dammbruch war auch der TÜV Süd in die Kritik geraten. Das deutsche Zertifizierungsunternehmen hatte den Damm im Auftrag von Vale im September 2018 geprüft und trotz mehrerer Wartungsempfehlungen für sicher erklärt.

mmq/AFP/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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nachdenk... 10.07.2019
1. Korruption
Beschäftigen wird uns noch, welche Rolle die Gutachten des TÜV Süd gespielt haben, was daran individuelle Korruption ist, was aber ggf. auch institutionell angelegt ist. Ein Musterbeispiel, welchen Schaden Korruption anrichtet.
kmb41259 10.07.2019
2. Wiedergutmachung?
Schon allein die Ūberschrift. Die können genauso wenig wiedergutmachen wie die deutsche Diesel-Pestilenzindustrie. Die Gesundheits- und Umweltschäden der Betroffenen und deren Kinder werden jahrzehntelang anhalten und werden von den Versicherten bezahlt werden mūssen.
Kritik 10.07.2019
3.
Zitat von kmb41259Schon allein die Ūberschrift. Die können genauso wenig wiedergutmachen wie die deutsche Diesel-Pestilenzindustrie. Die Gesundheits- und Umweltschäden der Betroffenen und deren Kinder werden jahrzehntelang anhalten und werden von den Versicherten bezahlt werden mūssen.
Die Toten werden nicht mehr lebendig, das ist wohl richtig. Den Schmerz der Hinterbliebenen kann man auch nicht mit Geld heilen. Aber in Ihrem letzen Satz treffen Sie doch den Punkt: Es soll eben nicht so sein, daß die Allgemeinheit für die Schäden aufkommt. Genau dafür ist der Schadenersatz gedacht. Und noch viel wichtiger: nur wenn der Verursacher aus seinem Handeln keinerlei Profit zieht (Stichwort: Gewinnabschöpfung), wird es Nachahmer abschrecken.
Stäffelesrutscher 10.07.2019
4.
1. Gesetze einhalten wäre letztendlich billiger gewesen. 2. Auf die Versicherer (auch des TÜV Süd) kommen unruhige Zeiten zu. 3. Was kann man an 200 Toten »wieder gutmachen«?
varlex 10.07.2019
5.
Zitat von Stäffelesrutscher1. Gesetze einhalten wäre letztendlich billiger gewesen. 2. Auf die Versicherer (auch des TÜV Süd) kommen unruhige Zeiten zu. 3. Was kann man an 200 Toten »wieder gutmachen«?
Auch auf die Gutachter. Wenn die Gesetze nur etwas ähnlich sind, wie in Deutschland, haftet der Gutachter bei grober Fahrlässigkeit persönlich (zivilrechtlich, wie auch strafrechtlich).
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