Österreichische Grenze Italien fürchtet Schaden durch Kontrollen am Brenner

Österreich will am Brenner die Grenze stärker gegen Flüchtlinge sichern. Italien warnt vor diesem Schritt - die Schäden für Tourismus und Wirtschaft wären enorm.

Italienisch-österreichische Grenze am Brenner
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Italienisch-österreichische Grenze am Brenner


Eine Wiedereinführung der Grenzkontrollen am Brenner könnte nach Ansicht Italiens gravierende Folgen für die Wirtschaft und den Tourismus in Europa haben.

"Die Schließung des Brenners wäre ein schwerer Schaden für die Wirtschaft und für den Transport, aber auch für die EU, weil der Brenner ein Symbol für europäische Integration ist", warnte Italiens Verkehrsminister Graziano Delrio.

Österreich bereitet sich seit einigen Wochen auf eine umfassendere Grenzsicherung am Brenner vor, zu der die Polizei des Landes am Mittwoch Details präsentieren will.

Italien kritisiert den Schritt scharf. "Wir vertrauen darauf, dass es ein Umdenken geben wird", sagte Delrio. "Der wirtschaftliche Schaden wäre enorm, aber es gibt auch einen symbolischen Wert." Regierungschef Matteo Renzi betonte zuletzt, es gebe nichts, was die Schließung des Brenners rechtfertige. Auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher kritisierte die angekündigten Schritte kürzlich im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Doch Kritik gibt es nicht nur südlich der Grenze: Auch Österreichs Transportwirtschaft fürchtet einen Millionenschaden im Fall von Grenzkontrollen am Brenner. Die entsprechenden Wartezeiten und Staus könnten die Logistikbranche pro Tag eine Million Euro kosten, sagt der Leiter der Bundessparte Transport und Verkehr bei der Wirtschaftskammer Österreich, Alexander Klacska. Dabei berücksichtige der Schaden nur die Wartezeit der Lastwagen und nicht die indirekten Folgekosten bei den Unternehmen.

8,5 Millionen Euro Schaden pro Tag

Die Branche leide ohnehin sehr unter den seit 2015 von deutscher Seite eingeführten Grenzkontrollen, meinte Klacska. An den Grenzübergängen bei Kufstein, Salzburg und Passau staue sich der Verkehr Richtung Deutschland bis zu drei Stunden. Pro Tag entstünden so Kosten für die Branche von bis zu 2,5 Millionen Euro allein an der deutsch-österreichischen Grenze, erklärte der Experte.

Sollte die Alpenrepublik nun ihrerseits die komplette Südgrenze zu Ungarn, Slowenien und Italien dichtmachen, stiege der Schaden auf 8,5 Millionen Euro pro Tag.

Der österreichisch-italienische Grenzübergang ist einer der ganz zentralen Punkte für die Branche speziell auf dem Weg zu den Häfen am Mittelmeer. Pro Jahr fahren sechs Millionen Autos und zwei Millionen Lastwagen über den Pass zwischen Tirol und Südtirol.

Österreich befürchtet, dass nach der Schließung der Balkanroute mehr Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien kommen und ungehindert nach Norden weiterreisen könnten. Renzi betonte jedoch, bislang sei keinesfalls ein Anstieg auf dieser Route zu verzeichnen. "Die Realität ist stärker als jeder Alarmismus: Die Migrationssituation wird kontrolliert und überwacht", erklärte der Regierungschef.

ade/dpa-AFX

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