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29. Januar 2019, 20:02 Uhr

Brexit-Angst der britischen Wirtschaft

"Die dümmste Idee seit hundert Jahren"

Das politische Hin und Her in Großbritannien hinterlässt Spuren in der Wirtschaft. Das Konsumklima auf der Insel fällt, auch Irland fürchtet Wachstumseinbußen. Der Ryanair-Chef attackiert die Brexiteers scharf.

Die andauernde Hängepartie über die Modalitäten des britischen Austritts aus der EU verunsichert Konsumenten und Wirtschaft in Großbritannien. In einer Erhebung des Umfrageinstituts YouGov ist das Konsumklima auf der Insel erneut gesunken. Mit einem Wert von 104,3 Punkten lag es im Januar auf dem niedrigsten Wert seit Mai 2013. Zwar bedeutet ein Wert über der Marke von 100 laut YouGov, dass die Konsumenten im Schnitt eher positiv in die Zukunft blicken. Der Abwärtstrend ist allerdings deutlich: Innerhalb von vier Monaten hat sich das Geschäftsklima um 3,8 Punkte verschlechtert.

Ebenfalls unter Druck ist ein zweiter Indikator von YouGov: Die Geschäftserwartungen für das kommende Jahr gingen um 2,7 Punkte auf nun 112,9 Punkte zurück. Das ist der niedrigste Stand, seit YouGov 2011 mit den Aufzeichnungen begonnen hat. Das Unternehmen befragt für seine Erhebung mehr als 6000 Personen pro Monat.

Ryanair-Chef greift Brexiteers an

Kurz vor der wichtigen Abstimmung im Unterhaus kamen aus der Wirtschaft teils vernichtende Bewertungen des Kurses der Regierung in London. Der Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair etwa hält den Brexit für die "dümmste Idee seit hundert Jahren". Er sei sich aber sicher, dass es "keinen harten Brexit geben wird", sagte Michael O'Leary.

Für die beste Lösung hält der Ryanair-Chef eine Übergangsphase im Verhältnis von Großbritannien und der EU, in der "es sich London noch mal anders überlegt und doch in der EU bleibt". Sollte es ein zweites Referendum geben, würde O'Leary auf ein anderes Ergebnis als noch bei der Abstimmung 2016 tippen, da aus seiner Sicht dann mehr jüngere Leute teilnehmen würden. "Aber es würde auch zu mehr politischen Problemen in Großbritannien führen."

Große Sorge in Irland

Im EU-Mitglied Irland wachsen indes Sorgen vor massiven Wachstumseinbußen. Finanzminister Paschal Donohoe warnt vor einem "erheblichen Abschwung" im Falle eines ungeordneten Brexits. Das Wirtschaftswachstum Irlands werde dann deutlich geringer ausfallen als bislang mit plus 3,6 Prozent prognostiziert. Bei einem No-Deal-Brexit werde das Wachstum eher bei unter einem Prozent liegen.

Zuvor hatten sich Spitzenvertreter britischer Handels- und Restaurantketten mit einem dramatischen Brief an alle britischen Abgeordneten gewandt - und vor Problemen mit der Lebensmittelversorgung gewarnt. Es gebe zwar Notfallpläne, dennoch rechneten die Konzerne mit "erheblichen Risiken für die Aufrechterhaltung von Wahlmöglichkeiten, Qualität und Haltbarkeit" des Lebensmittelangebots.

Die im Zuge eines harten Brexits höheren Kosten, Währungsschwankungen und Zölle hätten zur Folge, dass sich Konsumenten auf "unausweichlichen Druck auf Lebensmittelpreise" einstellen müssten.

beb/dpa

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