Bei ungeordnetem Brexit Bank of England warnt vor Mega-Rezession

Die britische Wirtschaft könnte um acht Prozent einbrechen - mehr als in der Finanzkrise: Für den Fall eines No-Deal-Brexits sieht die Bank of England schwarz.
London (Archivbild)

London (Archivbild)

Foto: BEN STANSALL/ AFP

Nach Ansicht der britischen Notenbank würde ein ungeordneter Brexit die britische Wirtschaft härter treffen als die zurückliegende Finanzkrise. Die Bank of England (BoE) geht in einem Szenario zum EU-Austritt davon aus, dass die Wirtschaftsleistung binnen eines Jahres um acht Prozent schrumpfen würde. Zum Vergleich: In der Finanzkrise waren es 6,25 Prozent.

Der Konjunktureinbruch wäre unter anderem auf zwei Dinge zurückzuführen:

  • die befürchtenden Auswirkungen der Staus an den Zollstellen
  • und ein Vertrauensverlust an den Märkten.

Die Arbeitslosigkeit würde angesichts der Wachstumseinbußen nach Einschätzung der BoE merklich zunehmen. Auch an den Finanzmärkten erwartet die Notenbank heftige Reaktionen. So dürfte das britische Pfund um 25 Prozent zum US-Dollar nachgeben. Der deutliche Rückgang des Pfundes dürfte die Inflationsrate auf 6,5 Prozent steigen lassen. Die Notenbank wäre dann zu deutlichen Leitzinsanhebungen gezwungen. In der Spitze könnte der Leitzins bis auf 5,5 Prozent steigen.

Die Notenbank sieht dieses Chaos-Szenario jedoch nicht als wahrscheinlichste Variante an. Dennoch hält sie es für "plausibel" und hat die Banken des Landes aufgefordert, auch entsprechende Vorkehrungen dafür zu treffen. "Das britische Bankensystem ist stark genug, um Haushalten und der Wirtschaft weiter dienen zu können - selbst wenn es zu einem ungeordneten Brexit kommen sollte", schreibt die BoE.

Die Zentralbank hatte die Kapitalstärke folgender sieben Banken untersucht:

Keine der Banken bräuchte frisches Kapital, auch wenn es zu einem ungeordneten Austritt kommen sollte.

Warnung auch von der Regierung

Die britische Regierung hat mit der EU ein Scheidungsabkommen ausgehandelt. Sollte der auch im Regierungslager umstrittene Plan im Parlament durchgehen, wäre er die Grundlage für einen geordneten Brexit Ende März 2019. Dann würde sich eine Übergangsphase anschließen, in der Großbritannien vorerst in der Zollunion bleiben soll, bis die endgültigen Beziehungen zwischen beiden Seiten geklärt sind.

Notenbankchef Mark Carney und Finanzminister Philip Hammond haben stets die Bedeutung einer solchen Übergangsphase betont. Sie würde dem Vereinigten Königreich einen chaotischen Brexit ersparen, der die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals vor große Schwierigkeiten stellen dürfte. Bereits zuvor hatte die Regierung von Premierministerin Theresa May vor den Folgen eines ungeordneten Brexits gewarnt.

brt/Reuters/dpa