Brexit Britische Industrie warnt vor monatelanger Versorgungskrise

Großbritanniens Lebensmittellobby schlägt Alarm: Bei einem ungeordneten Brexit drohen Versorgungsengpässe. Um auch entlegene Orte beliefern zu können, wollen sich die Firmen abstimmen - doch das verbietet das Kartellrecht.

REUTERS

Großbritannien steht nach Ansicht seiner Lebensmittelproduzenten im Falle eines ungeordneten Brexit Ende Oktober eine lang anhaltende Versorgungskrise bevor. Sollte das Land ohne ein Abkommen aus der EU austreten (No-Deal-Brexit) drohten "wahllose Engpässe" bei Lebensmittellieferungen, die sich "Wochen oder Monate" hinziehen könnten, warnt die Food and Drink Federation (FDF), ein Branchenverband.

Zoll und Grenzanlagen auf beiden Seiten des Ärmelkanals gelten als ungenügend vorbereitet für den Fall, dass Ende Oktober plötzlich harte Grenzkontrollen zwischen der EU und Großbritannien eingeführt werden müssten. Experten rechnen damit, dass dann nur ein Teil der Lastwagen rechtzeitig abgefertigt werden könnte, die bislang aus der EU Lebensmittel liefern.

"Im Extremfall müssen Leute wie ich und Leute aus der Regierung entscheiden, welche Laster wo hinfahren sollen, um den Lebensmittelnachschub am Laufen zu halten", sagte FDF-Chef Tom Rycroft der BBC. Um eine Krise zu vermeiden und eine Mindestversorgung zu gewährleisten sei es notwendig, dass sich die Lebensmittelfirmen untereinander abstimmen dürften. Sein Verband habe eine entsprechende Bitte bereits Ende 2018 der Regierung übermittelt, allerdings keine Antwort bekommen.

Absprachen sind eigentlich untersagt

Absprachen zwischen Wettbewerbern sind in Großbritannien ähnlich wie in Deutschland eigentlich untersagt, um die Bildung von Kartellen zu verhindern, unter denen Kunden und andere Firmen leiden könnten.

Die FDF hält die Regelung allerdings für ein Hindernis, wenn es darum gehe, im Notfall sicherzustellen, dass entlegene Gemeinden, Ältere oder Kinder nicht unter Nahrungsengpässen leiden müssen. Großbritannien produziert etwa 53 Prozent seiner Lebensmittel selbst, 28 Prozent kommen bislang aus der EU.

Standpunkt der britischen Regierung ist hingegen, dass es kein Problem mit der Versorgung geben werde. Lieferungen aus EU-Ländern könnten leicht durch Drittländer kompensiert werden. "Es wird keine allgemeine Lebensmittelknappheit im Vereinigten Königreich geben", zitiert die BBC einen Regierungssprecher.

beb



insgesamt 62 Beiträge
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t-notifications 07.08.2019
1. Drittländer?
Gibt es denn mittlerweile mit denen irgendwelche Abkommen?
wu10034711 07.08.2019
2. brexit!
möchte man fast rufen. dann sei es so. und boris johnson wirds schon richten. no deal no problem. ich war lange der meinung, schade wenn ein land die eu verlässt, ich halte eben diese immer noch für eine gute idee und die eu als förderation, dies hatte ich auch mal als ein ziel angenommen das in endlicher zeit erreichbar schien. "isch over" um schäuble zu zitieren. die waliser bauern freuen sich schon auf die prima subventionen aus london. vielleicht wird nordirland ja wieder irisch und schottland verlässt das uk auch mit no deal. werden interessante zeiten. und boris johnson, der ja durchaus gebildet ist, wie man lesen kann, ihm sei zu sagen: die erde ist seine scheibe, sieht doch jeder. bitte an nigel farage weitersagen. und an die regierungen der drittländer die dann ja billig und gut liefern sollen, denn sie müssen der britischen regierung noch viel glauben...
anders_denker 07.08.2019
3. Müssen nicht auch waren aus drittländern durch den Zoll
Wenn dort in Zukunft mehr geliefert wird, muss man doch auch vorbereitet sein.
the lucky one 07.08.2019
4. Wie oft noch?
Das Gleiche hatten wir vor dem "letzten" Brexit auch. Es wird langweilig. Auch BoJo wird - wie seine Vorgängerin - im Parlament scheitern. Wir oft müssen wir da jetzt noch durch?
HardiJ 07.08.2019
5. Den Briten ist nicht zu helfen...
... lasst sie den Brexit einfach durchziehen ! Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das ist das Thema seit dem 23. Juni 2016 mit sage und schreibe knapp 52 % der Wähler für einen Brexit. Hoffentlich kann bald Vollzug gemeldet werden ! Dann ist Ruhe - bei den Briten
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