Harter Brexit Britische Notenbank rückt von Horror-Szenario ab

Selbst ein harter Brexit dürfte nicht so schlimme Folgen für die britische Wirtschaft haben wie die Finanzkrise. Das erwartet der Chef der Bank of England. Die Notenbank revidierte damit frühere Aussagen.

Notenbankchef Mark Carney sieht die Vorbereitungen weiter vorangeschritten
WILL OLIVER/EPA-EFE/REX

Notenbankchef Mark Carney sieht die Vorbereitungen weiter vorangeschritten


Die britische Notenbank hält die Folgen eines ungeregelten Brexit für weniger drastisch als zunächst erwartet. Sie rückte von Schätzungen ab, wonach ein harter Brexit das Land stärker treffen könnte als die Finanzkrise.

Notenbankchef Mark Carney sagte, die Bank of England gehe mittlerweile davon aus, dass die Wirtschaftskraft im schlimmsten Fall binnen ungefähr eines Jahres um 5,5 Prozent schrumpfen würde. Im November war sie noch von minus 8 Prozent ausgegangen. Zum Vergleich: In der Finanzkrise waren es minus 6,25 Prozent.

Vorbereitungen weiter fortgeschritten

Die Notenbank begründete die Revision damit, dass seit dem Ende vorigen Jahres die Vorbereitungen auf den Brexit weiter fortgeschritten seien. In einem Schreiben an Abgeordnete betonte Carney allerdings, die Szenarien seien lediglich eine Beschreibung dessen, was kommen könne. Es handle sich nicht um Prognosen des wahrscheinlichsten Ausgangs.

Bisher sieht es nach einem Brexit ohne Vertrag aus, vor dessen schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft viele Verbände warnen. Premierminister Boris Johnson will das Land unbedingt Ende Oktober aus der EU führen, notfalls auch ohne Abkommen.

Das Unterhaus sollte noch am Mittwoch über einen Gesetzentwurf abstimmen, der eine dreimonatige Verschiebung des Brexit-Termins bis zum 31. Januar 2020 vorsieht. Voraussetzung wäre dafür, dass es vorher kein neues Abkommen mit der EU über den Austritt Großbritanniens gibt.

brt/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
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aurichter 04.09.2019
1. Achtung
Da hat wohl ein Herr Carney ein hervorragendes Verhältnis zum neuen Regierungschef und entsprechende Aussichten gleich Mal zum Positiven verändert. Ich glaube daran nicht, da wird jetzt Stimmung Pro Johnson verbreitet und die Verbreitung von Unwahrheiten nicht weiter seinen Lauf. Nun denn, abwarten und Tee trinken, das können die Briten ja eh ausgezeichnet. ;-)
mwroer 04.09.2019
2.
Das Unterhaus stimmt nicht über die Verlängerung des Austritts ab sondern darüber dass das UK eine solche Verlängerung beantragt. Oder weiß die Redaktion schon wieder mehr als der Leser? Was wird denn den potentiellen EU 'Nein' Sagern diesmal versprochen und gezahlt damit sie noch mal "Ja" sagen?
frenchie3 04.09.2019
3. Das mit den Prozenten mag ja stimmen
Was den direkten und sofortigen Rückgang angeht. Für mittelfristig lümmelt aber irgendwie da der Gedanke rum daß sich viele Folgen der Finanzkriese durch die Mitgliedschaft in der EU abgemildert haben. Wie beispielsweise das produzierende Gewerbe nicht mehr erreichbare Kunden / Lieferanten (weil durch Zoll nun zu teuer) ersetzen will - oder man abgewanderte Unternehmen zurückholt - wird der Chefbanker sicher wissen und den betroffenen Unternehmen erklären
kika2012 04.09.2019
4. Dann wäre es schön zu wissen,
wie ich meine UK Pension in die EU transferieren kann. Dazu kann mir bisher keiner eine Antwort geben.
Archie69 04.09.2019
5. 5.5, 6.25, 8 % Schrumpfung - fast schon
egal. Wenn man bedenkt, dass wir heute noch an der Finanzkrise knappern, deren Beginn ja schon 10 Jahre her ist. Dann könnte es schon stimmen, was Boris bei seiner Antrittsrede versprochen hat - bis 2050 ist GB ein blühendes Land.
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