Angst vor Brexit-Chaos Britische Wirtschaft schrumpft - erstmals seit 2012

Kurz vor dem möglichen No-Deal-Brexit rutscht die britische Wirtschaft in die Krise. Das Bruttoinlandsprodukt ist von April bis Juni gesunken - zur Überraschung der Experten.

Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf (im Juli 2016): Die britische Wirtschaft überrascht - sie ist im zweiten Quartal nicht stagniert, sondern geschrumpft
Reinhard Krause / REUTERS

Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf (im Juli 2016): Die britische Wirtschaft überrascht - sie ist im zweiten Quartal nicht stagniert, sondern geschrumpft


Noch zu Beginn des Jahres schien die britische Wirtschaft robust und legte deutlich zu - doch inzwischen lähmt die Angst vor einem chaotischen Brexit. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von April bis Juni im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent und sank damit erstmals seit Ende 2012, teilte die Statistikbehörde ONS mit.

Das ist eine negative Überraschung. Ökonomen hatten keinen Rückgang, sondern eine Stagnation erwartet. Das Pfund verlor infolge der Veröffentlichung zeitweise 0,4 Prozent und notierte bei 1,079 Euro.

"Es gibt kaum Zweifel, dass die Wirtschaft auf der Stelle tritt", sagte PwC-Analyst Mike Jakeman. Wegen des Hickhacks um den EU-Austritt und die globale Konjunkturabkühlung stehe die britische Wirtschaft auch im laufenden dritten Quartal "auf des Messers Schneide".

Der neue britische Premierminister Boris Johnson ist angetreten, die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union bis zum 31. Oktober notfalls auch ohne Scheidungsabkommen zu beenden. Eine Mehrheit für einen No-Deal-Brexit ist im Parlament aber fraglich. Johnson will den mit Brüssel ausgehandelten Vertrag noch einmal aufschnüren, was die Europäische Union aber ablehnt.

Die politischen Unsicherheiten hätten zuletzt zugenommen, weil Johnson die "Hard-Brexit"-Rhetorik verstärkt habe, sagte Kallum Pickering von der Berenberg Bank. Er sieht nur eine 30-prozentige Wahrscheinlichkeit eines geordneten EU-Austritts Ende Oktober. Damit dürften die Unsicherheiten bis ins vierte Quartal weitergehen - in Form eines harten Brexits und sogar von Neuwahlen, sagte der Experte.

Während der private Konsum im zweiten Quartal um 0,5 Prozent stieg, gingen die Investitionen der britischen Firmen im gleichen Umfang zurück. Im Vergleich zum Vorjahresquartal wuchs die gesamte Wirtschaft um 1,2 Prozent und damit so langsam wie seit Anfang 2018 nicht mehr. Die britische Notenbank hatte jüngst mitgeteilt, die Wirtschaft dürfte im laufenden Sommerquartal wohl um 0,3 Prozent zulegen und 2019 insgesamt um 1,3 Prozent wachsen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war der Pfund-Kurs zum Euro falsch angegeben worden. Wir haben den Fehler korrigiert.

fdi/Reuters



insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stimgeb 09.08.2019
1. Pfund bei 1,2085€??
Wo kommt diese Zahl her? Wohl eher 1,07€ https://www.ariva.de/gbp-eur-britische_pfund-euro-kurs
devb 09.08.2019
2. Fehler
"Das Pfund verlor infolge der Veröffentlichung zeitweise 0,4 Prozent und notierte bei 1,2085 Euro." Über den Umrechnungskurs würden die Briten sich bestimmt freuen. Hier wurde aber Euro und Dollar verwechselt.
DavidP 09.08.2019
3. Fehler
2. Absatz: Es sind ~1.20USD, nicht ~1.20EUR
theuwe 09.08.2019
4. Das ist erst der Anfang
Jetzt Schrumpfung, dann ab Oktober die Talfahrt...doch Boris wird mit seinem Kumpel Donald ein Riesen-Deal machen. omg
oliverfue 09.08.2019
5. Wechselkurs
Der Wechselkurs von 1,20 bezieht sich auf den Dollar und nicht auf den Euro wie im Artikel fälschlicherweise dargestellt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.