E-Mail-Panne Bank of England enttarnt eigene Brexit-Taskforce

Die britische Zentralbank lotet die Folgen eines möglichen Brexit aus. Das ist ihr Job. Allerdings ließ sie das heimlich machen - und informierte nun offenbar versehentlich selbst die Presse.
Bank of England in London: Projekt "Bookend"

Bank of England in London: Projekt "Bookend"

Foto: Andy Rain/ picture alliance / dpa

Was passiert, wenn Großbritannien die Europäische Union verlässt? Diese Frage wird immer dringender, schließlich will Premier David Cameron die Briten möglicherweise schon im kommenden Jahr über einen solchen Brexit abstimmen lassen. Die finanziellen Folgen analysiert eine Taskforce bei der britischen Zentralbank. Von deren Existenz allerdings wusste die Öffentlichkeit bisher nichts. Erst eine versehentlich an den "Guardian" geschickte E-Mail enttarnte die Gruppe an diesem Freitag.

Laut der britischen Zeitung  schickte der Pressechef der Bank das Schreiben, das eigentlich nur an vier hohe Offizielle der Bank gerichtet war, auch an die Redaktion. Besonders brisant: Die Mail enthält auch Richtlinien, nach denen mögliche Presseanfragen zu dem Projekt zu beantworten seien. Demnach sei es ratsam, ausweichend, am besten mit dem Verweis auf die Entwicklungen in Griechenland zu antworten. Presse, Parlament, Öffentlichkeit, aber auch große Teile der Zentralbank selbst sollten vom Projekt "Bookend" möglichst nichts erfahren.

Noch ein klein wenig brisanter: Erst vor Kurzem hatte Bankchef Mark Carney angekündigt, die Arbeit seines Hauses transparenter machen zu wollen. Nun dürfte er sich einigen unangenehmen Fragen stellen müssen.

Bank-Chef Carney: Unangenehme Fragen drohen

Bank-Chef Carney: Unangenehme Fragen drohen

Foto: POOL/ REUTERS

Über die bisherigen Ergebnisse der Taskforce, also konkrete Szenarien zu einem britischen EU-Austritt, berichtet der "Guardian" nicht. In Großbritannien hat sich die Debatte seit der Parlamentswahl Anfang Mai noch verschärft. Führende Wirtschaftsvertreter befürchten erhebliche Auswirkungen vor allem auf die Exporte des Landes.

Eigentlich wollte Premierminister Cameron das Volk erst Ende 2017 darüber abstimmen lassen, ob das Land in der EU bleiben oder austreten soll. Zuletzt gab es jedoch Berichte, das Referendum solle auf 2016 vorgezogen werden. Auch Camerons Sprecher hatte bestätigt, dass der Zeitplan gestrafft werden könne.

Bank sieht sich im Recht

Die Zentralbank hat sich kurz nach der Veröffentlichung des "Guardian"-Berichts geäußert - und ihren Kurs verteidigt. "Es wäre nicht klug, ein solches Projekt öffentlich zu machen, schon gar nicht im Voraus. Aber (…) wir werden zum geeigneten Zeitpunkt Details über die Vorgänge veröffentlichen." Man werde allerdings die internen Abläufe, die zu dem Versand der E-Mail geführt haben, untersuchen.

Bereits Mitte Mai hatte die Bank of England die Regierung aufgefordert, rasch für Klarheit über das angekündigte EU-Referendum zu sorgen. Die Abstimmung solle "so schnell wie nötig" kommen, sagte Bank-Chef Carney im Hörfunk der BBC. Es sei im Interesse aller, Klarheit über den Zeitpunkt, die genaue Frage und den Ausgang der Volksabstimmung zu bekommen.

jok
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