Drohender No-Deal-Brexit Trump verspricht Briten ein "fantastisches" Handelsabkommen

Die Unruhe wegen der Handelskonflikte belastet die Wirtschaft weltweit. US-Präsident Trump beschwichtigt nun. Der Streit mit China werde schnell enden - und auch für Großbritannien gebe es Hoffnung.

Donald Trump am Donnerstag in New Hampshire: Das offizielle Motto des Bundesstaats lautet "live free or die"
AP Photo/Patrick Semansky

Donald Trump am Donnerstag in New Hampshire: Das offizielle Motto des Bundesstaats lautet "live free or die"


Mit der Konjunktur in Deutschland und vielen anderen Ländern auf der Welt geht es bergab. Als Grund gelten auch die Zölle und Belastungen durch die restriktive Handelspolitik Donald Trumps und die damit verbundene Unsicherheit in der Weltwirtschaft. Der US-Präsident selbst scheint derlei Probleme nicht sehen zu wollen.

Er geht nach eigenen Angaben weiterhin von einer baldigen Beilegung des Handelskonflikts mit China aus. "Ich denke, dass wir eine sehr gute Diskussion mit China führen. Sie wollen sehr gern einen Deal machen", sagte Trump bei einem Auftritt in Morristown im US-Bundesstaat New Jersey. "Ich denke, je länger das geht, umso stärker werden wir." Er glaube nicht, dass der Streit noch lange dauern werde.

China hatte zuvor erklärt, auf die von den USA angedrohten höheren Zölle mit Gegenmaßnahmen reagieren zu wollen. Zugleich verfolgt auch Peking aber noch eine gütliche Einigung. Man könne durch Dialog auf der Grundlage gegenseitigen Respekts eine für beide Seiten annehmbare Lösung finden, sagte eine Außenamtssprecherin. Vielleicht auch deshalb sagte Trump, er rechne nicht mit Vergeltungsmaßnahmen Chinas.

Fantastische Beziehungen zu Großbritannien?

Anfang August hatte Trump den Zollkonflikt trotz einer neuen Verhandlungsrunde verschärft und angekündigt, auf Importe aus China im Volumen von 300 Milliarden Dollar einen zehnprozentigen Sonderzoll zu erheben. Er stört sich am riesigen Defizit seines Landes im Handel mit der Volksrepublik und wirft der Regierung in Peking vor, sich nicht an Zusagen zu halten. Allerdings soll die Einführung der neuen Zölle auf chinesische Güter wie Laptops und Mobiltelefone noch einmal verschoben werden - von einer Annäherung wollte US-Handelsminister Wilbur Ross zuletzt aber noch nichts wissen.

Auch bei einem zweiten wirtschaftspolitisch heiklen Thema, dem Brexit, gab sich Trump gewohnt gelassen. Er stellte Großbritannien nach einem Austritt aus der EU ein "fantastisches" Handelsabkommen mit den USA in Aussicht. Dazu habe er diese Woche erneut mit dem britischen Premierminister Boris Johnson gesprochen. Beide lägen ganz auf einer Linie. "Ich denke, wir werden einen fantastischen und großen Handelsdeal mit Großbritannien abschließen." Die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien fantastisch, Großbritannien einer der engsten Verbündeten der USA.

Johnson will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen - "komme, was wolle". Er droht mit einem Austritt ohne Abkommen, sollte sich Brüssel nicht auf seine Forderung nach Änderungen an dem mit seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Austrittsabkommen einlassen. Änderungen lehnt die EU aber strikt ab. Damit wächst die Gefahr eines No-Deal-Brexits, der die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche schädigen würde.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 97 Beiträge
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dasfred 16.08.2019
1. Beste Aussichten für die Briten
Ein Handelsabkommen mit dem greatest Dealmaker ever. Ob die Briten schon gehört haben, das der Präsident aller Zeiten seine Meinung im Minutentakt ändert? Wie lange das Abkommen wohl hält, wenn Johnson abgewählt wird? Schöne Aussichten, aus einem Staatenverbund auszutreten, in dem man vorher Mitspracherecht hatte um sich dann in die totale Kontrolle von Trump zu begeben. Bei Donald gibt es nichts umsonst. Für billige Chlorhühnchen, Genmais und Hormonfleisch darf die britische Armee dann mit den Amis die Demokratie in der Welt verteidigen. Oder das, was Trump dafür hält. Die Amerikaner warten auch schon dringend auf englische Autos.
neckargirl1 16.08.2019
2. Puhhh
nach so einer Drohung aus den USA sollten die Briten wirklich nochmal ernsthaft über den Brexit nachdenken. Wenn der schlechteste aller amerikanischen Präsidenten solch eine massive Drohung ausspricht und sogar Worte wie "fantastisch" benutzt ist äußerste Vorsicht geboten. Es sieht hier eine "fantastische" Möglichkeit einem Land alles zu nehmen. Die Abhängigkeit wird grandios sein. Die Briten tun mir leid, aber sind nun mal selber schuld das sie nun ein richtiger Vasallenstaat werden.
claus7447 16.08.2019
3. Eigentlich keine Schlagzeile wert...
...es sind leere Versprechungen. Denn den Vertrag gibt es nicht mit harter Grenze in Irland. Aber das in seine 10 G-Zellen zu bringen ist vermutlich hoffnungslos.
rizzo_the_spacerat 16.08.2019
4. Ein fantastisches Handelsabkommen.
für die USA. Die USA werden all ihre Größe einsetzen und die mickrigen Briten werden einen Haufen Konzessionen machen müssen für dieses Abkommen. Vor allem im Gesundheitsbereich werden dann US Konzerne den Briten mal zeigen wo es lang geht in sachen Monetarisierungsmöglichkeiten der Gesundheit der Bürger.
RedOrc 16.08.2019
5. Wie will er sein Versprechen wahrmachen?
Abgesehen davon dass jeder, der diesem pathologischen Lügner und Narzissten glaubt, nicht mehr alle Tassen im Schrank hat: Wie genau will eigentlich Trump diese Ankündigung wahr machen? Der Kongress - und nicht seine Majestät Donald der Erste - hat das Sagen über potentielle Handelsabkommen. Und genau diese Kongress hat schon offen angekündigt: Kein Handelsabkommen bei einem harten Brexit und der daraus resultierenden Bruch des GFAs. Nebenbei: Hat er eigentlich gesagt für wen das Abkommen "fantastisch" sein werde?
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