Brexit-Folgen EU-Kommissar warnt Briten vor Steuerdumping

Großbritanniens Finanzminister will die Steuern für Firmen senken. EU-Wirtschaftskommissar Moscovici kritisiert das Vorhaben: Sinkende Einnahmen würden den britischen Haushalt nur noch mehr belasten.

EU-Wirtschaftskommissar Moscovici
DPA

EU-Wirtschaftskommissar Moscovici


EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici hat Pläne der britischen Regierung für eine Senkung der Unternehmensteuern nach dem Brexit-Votum kritisiert. Dies sei eine schlechte Idee, die voraussichtlich nicht umgesetzt werde, sagte er im französischen Sender Radio Classique. Denn dem britischen Finanzministerium würden Einnahmen entgehen, die es im Kampf gegen ein zu hohes Haushaltsdefizit brauche.

Die britische Währung geriet erneut unter Druck. Das Pfund Sterling verbilligte sich am Dienstag um mehr als einen Cent auf 1,3158 Dollar und näherte sich damit wieder in großen Schritten seinem 31-Jahres-Tief von 1,3122 Dollar an, auf das es nach dem Brexit-Votum gefallen war.

Die britische Notenbank sorgt sich um die Stabilität des Finanzsystems im Land. Es gebe Hinweise, dass sich einige Gefahren bereits herauskristallisierten, teilte die Bank of England (BoE) mit. Investoren rechnen damit, dass die BoE den Leitzins im Sommer senkt - möglicherweise sogar bis auf 0,0 Prozent. Aktuell liegt er mit 0,5 Prozent bereits auf einem historisch niedrigen Niveau.

Auch die Stimmung bei den Unternehmen in Großbritannien verschlechterte sich. Bei einer Umfrage der Forschungsinstitute YouGov und Centre for Economics and Business Research (CEBR) gaben 49 Prozent der Firmen an, den allgemeinen wirtschaftlichen Ausblick für die nächsten zwölf Monate pessimistisch zu betrachten. Vor dem Referendum waren nur 25 Prozent dieser Ansicht. Insgesamt wurden 1000 britische Unternehmen befragt.

"Anleger haben Sorgen vor den politischen Unsicherheiten in Großbritannien", sagte Analystin Sonja Marten von der DZ Bank. Am Montag hatte der Parteichef der Ukip, Nigel Farage, seinen Rücktritt angekündigt. Der 52-Jährige war neben dem früheren Londoner Bürgermeister Boris Johnson das prominenteste Gesicht in der Brexit-Kampagne und hatte sich für den Austritt aus der EU stark gemacht.

Die britischen Konservativen beginnen am Dienstag mit der Auslese ihrer Kandidaten für die Nachfolge des Premierministers David Cameron. Fünf Politiker stehen zur Wahl, ein Sieger soll erst im September feststehen.

Der britischen Regierung fehlen offenbar Mitarbeiter, die in der Lage sind, nach dem EU-Austritt Handelsverträge mit der EU aufzusetzen. Die Regierung könnte ausgerechnet im EU-Ausland nach Fachkräften suchen, meldet der "Daily Telegraph". Die "Financial Times" meldet, die London sei in Kontakt mit Unternehmensberatungen wie KPMG und McKinsey.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 138 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
epiktet2000 05.07.2016
1. Warum?
Warum warnt er nicht Schäuble? Deutschland hat die mit Abstand geringste Körperschaftssteuer in Europa? Warum informiert sich ein Wirtschaftskommissar nicht besser?
robert-brockmann 05.07.2016
2. Steuerhöhung für Reiche
GB sollte lieber Geld in die Hand nehmen und die morade englisch Infrastruktur zu sanieren.
dieter-klaus.delacroix 05.07.2016
3.
"Sinkende Einnahmen würden den britischen Haushalt nur noch mehr belasten." Irland hat gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist!
cum infamia 05.07.2016
4. Gerade noch verteufelt..
Gerade noch wird GB und sein Volk von der EU ob ihrer Austrittsentscheidung verteufelt, schon macht sich Herr Moscovici um das Wohlergehen des britischen Haushaltes Sorgen ? Nach meiner Ansicht ist das " Heuchelei in Reinkultur "....
mr.andersson 05.07.2016
5.
GB ist also der Meinung, dass die Unternehmen abziehen, wenn man aus der EU ist. Umkehrschluss: Nach Meinung der regierenden in GB sind die Unternehmen eben gerade wegen der EU da. Ist ja schon mal eine Erkenntnis. Dann wird der Zugang zum EU-Binnenmarkt einiges kosten. Dann will man die Firmen mit Steuergeschenken bezahlen, dass sie dableiben. Und dann werden die Leute verlacht die gesagt haben, am Ende steht GB finanziell deutlich schlechter da. Und wenn dann erst Recht Geld für sozialleistungen o.ä. fehlt, weil nun auch noch Steuereinahmen weg sind, wen macht man dann verantwortlich? Vermutlich weiter die EU dann halt wegen der Zahlungen für den Marktzugang.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.