Regierungsbericht "Harter Brexit" würde britische Wirtschaft stark bremsen

Der Brexit könnte Großbritannien bis zu 9,5 Prozent an Wirtschaftsleistung kosten - das hat das Finanzministerium in London errechnet. Es hängt davon ab, wie stark das Land die Bande zur EU kappt.

Westminster-Palast in London
DPA

Westminster-Palast in London


Als der damalige Finanzminister George Osborne im April vor den hohen Kosten eines Brexits für die Wirtschaft und den Staat warnte, war die Kritik groß. Die Befürworter eines Ausstiegs aus der EU warfen Osborne vor, mit unrealistisch düsteren Aussichten Angst zu schüren. Damals war der Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum in vollem Gange, und Osborne warb für den EU-Verbleib, wie auch sein Regierungschef David Cameron.

Ein halbes Jahr später ist der Brexit beschlossene Sache. Der Finanzminister heißt nun Philip Hammond, die Regierungschefin Theresa May - doch die Regierung hält an den dramatischen Schätzungen fest. Sollte das Land nach dem EU-Austritt keinen Zugang zum Binnenmarkt mehr haben - der sogenannte harte Brexit - würde die Wirtschaftsleistung nach 15 Jahren um 5,4 bis 9,5 Prozent niedriger liegen als bei einem Verbleib in der EU. Das geht aus einem Bericht des Kabinettausschusses hervor, aus dem die Tageszeitung "The Times" zitiert.

Die Folgen allein für den Staat wären dramatisch, berichtet der "Guardian". Demnach würde der öffentliche Sektor dann pro Jahr 38 bis 66 Milliarden Pfund (42 bis 73 Milliarden Euro) weniger Einnahmen verzeichnen als ohne Brexit.

Derzeit herrscht in der britischen Politik Streit über die Frage, ob nach einem Austritt die Freizügigkeit für EU-Bürger auch dann abgeschafft werden soll, wenn das Land im Gegenzug den Zugang zum Binnenmarkt verlöre. Premierministerin May hatte sich jüngst in diese Richtung geäußert, daraufhin forderte eine parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten eine Parlamentsabstimmung über die Frage.

fdi



insgesamt 143 Beiträge
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Red_Indian 11.10.2016
1. Ich wünsche
GB nur das Beste.
alsterherr 11.10.2016
2.
Das sind alles Details, die das britische Wahlvolk vorher kannte und für die es sich demokratisch und wissentlich entschieden hat. Entweder es akzeptiert den Wahlausgang oder Demokratie ist für solche Dinge doch das falsche Mittel ...
Augustusrex 11.10.2016
3. Ich liebe Großbritannien
man muss sich jedoch im klaren darüber sein, dass es keinen Zugang zum EU-Binnenmarkt ohne Freizügigkeit für Arbeitnehmer, selbstverständlich in beide Richtungen, geben kann und darf. Es ist die freie Entscheidung der Briten, ob sie den harten oder den weichen Brexit wollen. Ich hoffe, sie wählen den weichen Austritt.
mauser 11.10.2016
4. Na,
da denke ich, ist die EU dran, zu sagen, wie weit England rausgeht - halb aus der EU geht bestimmt nicht, das wäre sowas wie halb schwanger. Man kann sich doch nicht die Rosinen rauspicken, sprich von den Dingen, die einem passen, profitieren und ansonsten adieu! Aber das war ja schon immer so, diese ganzen Sonderrechte waren doch einfach ungerecht.
austerlig 11.10.2016
5. Wer nicht mehr der Gemeinschaft angehören will,
sollte auch nicht mehr von ihr profitieren und sich mit der entsprechenden Rolle und den Gegebenheiten abfinden. Und das so schnell wie möglich. Ein Sonderstatus und eine Sonderbehandlung Englands wären für den Erhalt der Gemeinschaft wesentlich gefährlicher als ein rascher und finaler Raußschmiss des Abtrünnigen.
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