Nach hartem Brexit Großbritannien erwägt angeblich Beitritt zur Nafta

Bye bye Europe - hello America? Laut einem Bericht des "Daily Telegraph" überlegen britische Minister, im Falle eines harten Brexits dem nordamerikanischen Handelsabkommen Nafta beizutreten.
Britische Premierministerin May, US-Präsident Donald Trump (Archiv)

Britische Premierministerin May, US-Präsident Donald Trump (Archiv)

Foto: Pablo Martinez Monsivais/ AP

Großbritannien könnte einem Zeitungsbericht zufolge dem Freihandelsabkommen der Staaten Nordamerikas (Nafta) beitreten, falls nach dem Brexit kein Handelsvertrag mit der Europäischen Union zustande kommen sollte. Minister der Regierung würden diese Möglichkeit prüfen, berichtet der "Daily Telegraph".

Die Erwägung gelte für den Fall, dass die laufenden Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit der EU scheitern sollten. Die britische Regierung peilt das Abkommen im Anschluss an den Brexit an, um die heimische Wirtschaft nach dem EU-Austritt 2019 nicht vom Rest der EU abzuschneiden.

Nafta wurde 1994 zwischen den USA, Kanada und Mexiko geschlossen. Das Freihandelsabkommen wird derzeit überarbeitet. US-Präsident Donald Trump hat mit dem Austritt aus dem Vertrag gedroht, weil er darin Nachteile für sein Land sieht.

London hat unterdessen erste Pläne für den Fall eines ungeregelten EU-Ausstiegs veröffentlicht. Sollte kein Abkommen mit der EU zustande kommen, müssten sich die Handelsbeziehungen zunächst nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) richten, heißt es in einem Positionspapier.

Um lange Staus besonders an den Fährhäfen zu verhindern, wolle London Zollkontrollen für Waren aus der EU im Hinterland abwickeln. London will sich damit für ein Scheitern der festgefahrenen Brexit-Gespräche rüsten, die derzeit in Brüssel in der fünften Runde fortgesetzt werden. Kommentatoren sehen hinter dem Schritt den Versuch, Druck auf die EU aufzubauen. Die Regierung in London betonte, ein EU-Austritt ohne Abkommen sei nicht das Ergebnis, das man sich wünsche. Brexit-Minister David Davis sollte am Dienstag nach Brüssel reisen, um an den Gesprächen teilzunehmen.

Unterdessen wollten Spekulationen über eine anstehende Kabinettsumbildung in London nicht abreißen. Britischen Medien zufolge erwägt die angeschlagene Premierministerin May ihre Position durch eine Rochade im Kabinett zu festigen. Im Zentrum der Spekulationen steht Außenminister Boris Johnson, der die Regierungschefin in den vergangenen Wochen mehrfach düpiert hatte. Er könnte auf einen anderen Posten im Kabinett versetzt werden, heißt es.

beb/Reuters
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