Post-Brexit-Wirtschaft Großbritannien und Japan unterzeichnen Freihandelsabkommen

Mit Brüssel streitet London noch, mit Japan hat sich Großbritannien bereits geeinigt - und das erste größere Abkommen ohne die EU geschlossen.
Großbritanniens Ministerin für internationalen Handel Truss mit Japans Außenminister Motegi

Großbritanniens Ministerin für internationalen Handel Truss mit Japans Außenminister Motegi

Foto:

Kimimasa Mayama / AP

Während die Verhandlungen zur vollständigen Trennung von der Europäischen Union stocken, hat sich die britische Regierung mit dem Handelspartner Japan bereits geeinigt. Beide Länder haben ein bilaterales Freihandelsabkommen geschlossen, das nach Ablauf der Übergangsphase gelten soll. Japans Außenminister Toshimitsu Motegi und die britische Ministerin für internationalen Handel, Liz Truss, unterzeichneten in Tokio einen entsprechenden Vertrag. Damit ebneten sie den Weg, damit das Abkommen am 1. Januar in Kraft treten kann.

Mit dem Abkommen wollen beide Staaten Kontinuität bei Handel und Investitionen sicherstellen. Zuvor muss das Abkommen, das weitgehend dem bestehenden Freihandelsabkommen Japans mit der EU entspricht, allerdings noch von den Parlamenten beider Länder ratifiziert werden.

Zölle auf japanische Autos sollen bis 2026 wegfallen

Japan, die vor Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, hatte mit Großbritannien über ein solches Abkommen verhandelt, da das Freihandelsabkommen Japans mit der EU das Vereinigte Königreich nach Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember nicht mit abdeckt.

Das bilaterale Abkommen sieht vor, dass Zölle auf japanische Autos stufenweise bis 2026 auf null gesenkt werden - genauso sieht es auch das bestehende Handelsabkommen zwischen Japan mit der EU vor. Auch bleiben japanische Zölle auf britische Agrarprodukte auf demselben Niveau, wie es das Handelsabkommen Japans mit der EU festlegt.

Japans Außenminister appelliert: Lieferketten in Europa erhalten

Japanische Firmen begrüßen das Abkommen, sie sorgen sich jedoch, ob London wirklich ein Abkommen mit der EU für die Zeit nach Ablauf der Übergangsphase zustande bringen wird. London hatte sich erst diese Woche zur Fortsetzung der Brexit-Gespräche durchgerungen. Aus EU-Sicht bleiben nur noch gut zwei Wochen, weil ein Vertrag danach noch ratifiziert werden müsste.

Auch der japanische Außenminister Motegi sagte, Japan habe große Hoffnungen, dass noch eine Einigung bei den Verhandlungen zwischen London und Brüssel über einen Brexit-Handelsvertrag erfolgt. "Es ist von größter Bedeutung, dass die Lieferketten zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union auch nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union erhalten bleiben."

Das Abkommen mit Japan ist der erste Deal, den London mit einer großen Volkswirtschaft für die Zeit nach Ablauf der Brexit-Übergangsphase abgeschlossen hat. London führt weitere Handelsgespräche mit den USA, Australien und Neuseeland. Das Handelsabkommen zwischen Japan und der EU war 2019 in Kraft getreten.

Die britischen Wähler hatten 2016 mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt gestimmt. Großbritannien hatte die EU dann Ende Januar 2020 verlassen, ist aber während einer Übergangszeit bis zum Jahresende noch Mitglied im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Mit einem Brexit-Handelsvertrag soll ein harter Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen vermieden werden.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.