Brexit Hauspreise in England sinken erstmals seit 2012

Trendwende auf dem lange boomenden britischen Immobilienmarkt: Im Landesteil England sind die Preise für Häuser erstmals seit Jahren gesunken. Besonders hart betroffen ist die Hauptstadt London.

Häuser im Landesteil England (Archiv)
Sean Gladwell / Getty Images

Häuser im Landesteil England (Archiv)


Der britische Immobilienmarkt gerät durch den Brexit unter Druck. Während die Preise etwa in Nordirland und Schottland noch leicht wuchsen, sieht es im Landesteil England und insbesondere in der Hauptstadt London ganz anders aus: Dort ist der Markt gekippt. Nach einer Auswertung der Hypothekenfirma Nationwide sind die Preise etwa in England in den ersten drei Monaten des Jahres um 0,7 Prozent gesunken.

Das war das erste Minus in der Region seit dem Jahr 2012, berichtet der "Guardian" (hier geht's zum Artikel). Erheblich stärker fällt der Preisrückgang demnach in London aus: Die Preise für Einfamilienhäuser seien dort sogar um 3,8 Prozent gesunken.

Die übliche Frühjahrserholung der Preise sei "nirgendwo zu erkennen", zitiert der "Guardian" Jonathon Hopper, den Direktor der Immobilienfirma Garrington Property Finders. Die "Brexit-Bremse" sei immer stärker zu spüren, vor allem im Südosten des Landes. Die Preise in London fielen derzeit so stark wie zuletzt während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Es sei inzwischen unmöglich, "das als kurze Korrektur abzutun", so Hopper.

Unterdessen haben schwächelnde Exporte das Defizit in der britischen Leistungsbilanz nach oben getrieben. Es lag im vierten Quartal 2018 bei 23,7 Milliarden Pfund oder 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, teilte das Statistikamt ONS mit. Im Vorquartal hatte es 23 Milliarden Pfund betragen. Damit floss erneut deutlich mehr Geld aus Großbritannien ab als in das Land hereinkam.

Notenbankchef Mark Carney warnte zuletzt vor einem anhaltend großen Defizit in der Leistungsbilanz, die alle Waren- und Kapitalströme mit dem Ausland misst. Großbritannien sei dann von der "Freundlichkeit von Fremden" abhängig. Um die Lücke zu schließen, ist das Land auf ausländisches Geld angewiesen.

Die britische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gewachsen, bestätigte das Statistikamt eine frühere Schätzung. Das war das kleinste Plus seit 2012. Vor dem Brexit-Referendum Mitte 2016 gehörte Großbritannien zu den am schnellsten wachsenden Industriestaaten. Noch immer ist offen, wann und unter welchen Bedingungen Großbritannien die EU verlassen wird.

beb/Reuters



insgesamt 53 Beiträge
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mwroer 29.03.2019
1.
Inwiefern ist das eine Krise? Das Wohneigentum bezahlbar wird ist im Grunde eine gute Nachricht - das ein paar Immobilienfonds die schon zu überhöhten Preisen gekauft und auf Gewinne spekuliert haben Geld verlieren ist für mich ehrlich gesagt kein Grund um in Tränen auszubrechen.
hjcatlaw 29.03.2019
2. Dass Immobilienpreise in England
sinken, ist grundsätzlich eine gute Nachricht für Kaufinteressenten. Wenn sich allerdings die Brexit-Auswirkungen auch auf das Einkommensniveau potentieller Käufer niederschlagen, verpufft der Preisrückgang bei Immobilien und Tommy Normalverbraucher guckt in die Röhre!
dunnhaupt 29.03.2019
3. In England sieht man dies als positive Entwicklung
Es bietet jungen Ehepaaren eine erstmalige Chance, sich ein Haus zu kaufen, was bei den inflatierten Häuserpreisen lange Zeit nicht möglich war.
magic88wand 29.03.2019
4. Immobilienpreise in Großstädten am Wendepunkt?
Könnte auch für Deutschland der Fall sein. Im Zentrum Berlins sind sie 2018 nicht mehr wesentlich gestiegen, wie die kürzlich veröffentlichten Bodenrichtwerte zeigen. Nur in den Außenbezirken der Stadt konnten sie noch deutlich zulegen. Es zeichnet sich somit das gleiche Muster ab wie in London in den vergangenen zwei bis drei Jahren.
schwester arno 29.03.2019
5.
Zitat von mwroerInwiefern ist das eine Krise? Das Wohneigentum bezahlbar wird ist im Grunde eine gute Nachricht - das ein paar Immobilienfonds die schon zu überhöhten Preisen gekauft und auf Gewinne spekuliert haben Geld verlieren ist für mich ehrlich gesagt kein Grund um in Tränen auszubrechen.
Wenn jemand Geld anlegt in Form einer Immobilie kann das schon ein Problem werden für die Person, vor allem wenn Immobilienblasen platzen, schon mal daran gedacht? Viele Menschen kaufen nämlich Immobilien nicht um darin zu wohnen sondern als Anlagen. Wenn Aktienkurse oder Goldpreis fällt, ist das auch kein Grund für die Anleger sich sonderlich zu freuen.
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