Enorme Kosten Weltwährungsfonds warnt vor ungeordnetem Brexit

Die Eckpunkte eines Brexit-Abkommens stehen, doch die britische Politik streitet heftig. Der IWF warnt nun vor einem Austritt ohne Vertrag. Dieser könnte teuer werden - und nicht das einzige Risiko für das Land sein.

Passant im Londoner Bankenviertel
REUTERS

Passant im Londoner Bankenviertel


Ein ungeordneter EU-Austritt wird Großbritannien laut Internationalem Währungsfonds teuer zu stehen kommen. In einem turnusmäßigen Bericht zur Lage des Landes kommt der IWF zu dem Schluss, dass die Kosten auf insgesamt sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts hinauslaufen würden. Deshalb sei "eine rechtzeitige Übereinkunft mit der EU" wichtig.

Unterhändler aus Brüssel und London haben sich nach langem Ringen auf einen Entwurf für den Ausstiegsvertrag geeinigt. Dieser soll die Grundlagen der Scheidung des Vereinigten Königreichs von der EU im März 2019 regeln. Es steht jedoch noch die Zustimmung des Kabinetts in London aus.

Selbst wenn sich die Regierung in der Frage einigt, muss danach noch das britische Parlament zustimmen. Auch hier ist eine Zustimmung ungewiss. Am Mittwoch kam es im Unterhaus bereits zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Premierministerin Theresa May und ihren Kritikern.

Der Brexit ist dem IWF zufolge zwar das größte Risiko für die britische Wirtschaft, bei weitem aber nicht das einzige Problem. Das schwache Produktivitätswachstum, hohe Schulden der öffentlichen Hand, wachsende Staatsausgaben wegen einer alternden Bevölkerung sowie ein großes Handelsdefizit bedeuteten ökonomische Herausforderungen für das Königreich.

Die Unsicherheit bremst Investitionen

"Seit dem Referendum über die EU-Mitgliedschaft sind die Wirtschaftsinvestitionen wegen der Unsicherheit über das künftige Verhältnis zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU sowie wegen der Erwartung höherer Handelskosten schleppend", konstatierten die IWF-Experten nach ihrem Besuch in Großbritannien weiter.

Gleichzeitig sei der private Konsum wegen der schwachen Einkommenssteigerung unter Druck. Dies werde allerdings durch leicht steigende Exporte ausgeglichen, die wegen des deutlich im Wert gefallenen Pfunds verbilligt würden. Als Wachstumshindernis habe sich auch der Rückgang der Migration aus der EU nach Großbritannien erwiesen.

Großbritannien ist auf gut ausgebildete Arbeitskräfte - etwa aus Polen oder dem Baltikum - angewiesen. Dennoch hatte der damalige Premierminister David Cameron die Begrenzung der Migration zum Hauptthema in der Brexit-Debatte vor dem Referendum im Sommer 2016 erklärt.

Der IWF prognostiziert Großbritannien nur ein vergleichsweise schwaches Wirtschaftswachstum. 2018 werde die Wirtschaftsleistung des Landes um 1,4 Prozent, 2019 um 1,5 Prozent zulegen, Der Schuldenstand bleibe mit prognostizierten rund 85 Prozent des Bruttoinlandsproduktes vergleichsweise hoch, aber stabil.

Der IWF gehörte bereits vor dem Brexit-Votum der Briten vom Juni 2016 zu den kritischen Stimmen, die vor hohen Kosten eines EU-Austritts warnten.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
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tmhamacher1 14.11.2018
1. Alles Quatsch!
Die Briten werden es nicht wagen, auf der Basis der WTO mit der EU zu handeln, aber wenn sie es täten, würde dort alles zusammenbrechen. Dies würde bei weitem mehr Kosten als 6% der Wirtschaftsleistung.
Adrianstein 14.11.2018
2. Nur im Drama gibt es in London eine Lösung
Die Organisation unter französischer Leitung verrät nichts Neues, aber der Zeitpunkt wirkt fast wie abgesprochen mit Th. May.
fraenki999 14.11.2018
3. Mein Gott, ist das so schwer?
Die Briten haben den Brexit gewollt, obwohl sie von der herrschenden Klasse belogen umd betrogen wurden. Ein neues Rederendum findet keine Mehrheiten....... Ja, dann müssen die Briten eben gehen. Und Cherrypicking ist den EU-Bürgern nicht zu vermitteln. Dann verliert die EU auch ihre letzten Fans. Die Welt wird deswegen zumindest außerhalb vom UK nicht untergehen..
Klas.w 15.11.2018
4. Wie sind denn
die Briten eigentlich vor ihrem Beitritt 1973 mit der EU zurecht gekommen? Deren Wirtschaft hat da doch auch mit Zollgrenze funktioniert.
Andreas1979 15.11.2018
5. An Beitrag 4
Während auf dem Festland die Wirtschaft florierte, haben die Briten kein großes Wachstum zustande bekommen. Da dachten sich deren Politiker, da wollen wir dabei sein und sind der EU beigetreten. Das erste Mal, dass eine Politikerin dies als nicht so gut empfand war M. Thatcher und betonte das mit, "Give me back my money". Naja bald haben es die Thatchers geschafft, spätestens im März 2021, wenn es zu einer zweijährigen Übergangsfrist kommt.
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