Studie Johnsons Brexit-Deal kostet britische Wirtschaft 70 Milliarden Pfund

Boris Johnson will Großbritannien schnellstmöglich aus der EU führen. Sein mit Brüssel ausgehandelter Austrittsvertrag würde die britische Wirtschaft laut einer Studie aber erheblich belasten.

Skyline von London
REUTERS

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Das britische Institut für Wirtschafts- und Sozialforschung (NIESR) rechnet durch den Brexit-Deal in den kommenden Jahren mit Kosten in Höhe von rund 70 Milliarden Pfund (81 Milliarden Euro).

Das Bruttoinlandsprodukt werde in zehn Jahren rund 3,5 Prozent niedriger ausfallen als im Falle einer EU-Mitgliedschaft Großbritanniens, teilte das unabhängige Institut in London mit. Jährlich werde die Konjunktur durch den Deal von Premierminister Boris Johnson um drei Prozent nachgeben, das entspreche etwa der Wirtschaftskraft von Wales.

Die Regierung wies die Ergebnisse zurück. Sie plane ein ehrgeizigeres Freihandelsabkommen mit der EU, als es die Studie vorsehe, zitierten britische Medien einen Sprecher des Finanzministeriums.

Nachlassende Investitionen erwartet

Das Institut teilte mit, eine Einigung auf den vereinbarten Deal "würde die Risiken eines ungeordneten Austritts reduzieren, aber die Möglichkeit einer engeren Handelsbeziehung mit der EU verhindern".

Ein Grund für den Konjunkturrückgang seien nachlassende Investitionen. Ein Brexit ohne Abkommen (No-Deal-Brexit) würde die Wirtschaft sogar um 5,6 Prozent zurückwerfen, schreiben die Autoren.

Oppositionsparteien zitierten die Studie als Beweis dafür, dass Johnsons Brexit-Plan die heimische Wirtschaft stark schädige. "Wir wissen, dass kein Deal so gut ist wie der, den wir aktuell als Mitglied der EU haben", sagte der Brexit-Beauftragte der proeuropäischen Liberaldemokraten, Tom Brake.

Johnsons mit Brüssel ausgehandeltes Brexit-Abkommen wird im bevorstehenden Wahlkampf eine zentrale Rolle spielen. Das britische Parlament hatte am Dienstagabend für vorgezogene Neuwahlen am 12. Dezember gestimmt. Johnson hofft, damit das Patt im Parlament aufzubrechen und Großbritannien schnellstmöglich aus der Europäischen Union zu führen.

brt/dpa

insgesamt 35 Beiträge
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roman199 30.10.2019
1.
Ich glaube den Instituten nicht alles. Torries finden sicherlich auch ein Institut, die aus den Chancen nach Brexit das Gegenteil errechnen. Das kommt immer leider drauf an von wem das Gutachten bezahlt wird und mit welcher politischen Farbe die Institute angestrichen sind.
brunellot 30.10.2019
2. So, BS-Boris, what do you say now?
Das National Institute of Economic and Social Research als wirklich unabhängiges Institut hat hier eine eindeutige Aussage gemacht, die in krassem Widerspruch zu den großartigen Versprechungen eines BJ stehen. Nun, Brexit-Boris hat bis jetzt noch kein einziges seiner Versprechen gehalten und es ist anzunehmen dass das NIESR mit seiner Prognose nicht all zu weit daneben liegt. Nun, was sind schon 80 Milliarden Euro, wenn man dafür die grenzenlosen Freiheiten eines "truly independent Great Britain" als Gegenleistung erhält... Ich hoffe, die Mehrzahl der britischen Wähler lässt sich nicht ein zweites Mal von diesem Populisten veralbern...
goliker 30.10.2019
3. Schwierig
wird es auf jeden Fall für GB!
esboern 30.10.2019
4. Die Frage
ist nur wie groß der Anteil von den 12,5 Billionen Schulden der EU-Staaten ist, für den GB dann nicht mehr haften muß, da sind die 70 Milliarden nur Peanuts.
schwäbischalemannisch 30.10.2019
5. All nuts
Was anderes fällt mir zum Thema nicht mehr ein. Hoffentlich geht es bald vorbei.
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