Industrie Brexit gefährdet Lieferketten deutscher Unternehmen

Die britische Wirtschaft ist eng in den internationalen Produktionsprozess eingebunden. Der Brexit könnte deshalb auch für deutsche Unternehmen teurer werden, wenn die Einigung auf ein Freihandelsabkommen scheitert.
Autoproduktion bei Audi in Ingolstadt (Archivbild)

Autoproduktion bei Audi in Ingolstadt (Archivbild)

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Der britische EU-Austritt gefährdet die weit verzweigten Lieferketten der deutschen Schlüsselindustrien. "Die komplexen Lieferketten könnten durch den Brexit schlimmstenfalls gesprengt werden", warnte der Wissenschaftler Berthold Busch in einem am Dienstag veröffentlichten Gutachten für das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Einzelteile für Flugzeuge oder Autos überschritten häufig zahlreiche Landesgrenzen, bis sie zu einem fertigen Produkt zusammengesetzt werden könnten. Im Jahr 2014 lieferten die Briten demnach Vorleistungen im Wert von rund 200 Milliarden Dollar in die EU-Staaten - allein für 36 Milliarden nach Deutschland.

Der Brexit bringt laut der Untersuchung diese enge Zusammenarbeit in Gefahr oder mache sie durch Zölle und andere Kosten zumindest teurer, sollten sich die Partner nicht auf ein Freihandelsabkommen einigen. Allein Chemie- und Automobilindustrie erhalten demnach jährlich Vorleistungen in Milliardenhöhe aus Großbritannien. "Die deutsche Industrie würde ohne ein Freihandelsabkommen empfindlich getroffen werden", sagte Busch. In Großbritannien sehe es nicht besser aus. Dort müssten vor allem die Dienstleister zittern, die viele Geschäfte mit Deutschland und der EU machten.

Einigten sich die Partner nicht auf einen zollfreien Handel und hielten sie andere Handelshürden nicht niedrig, könnten die Kosten für die Industrie nachhaltig steigen und die Preise nach oben treiben. "Am Ende würden dann auch die deutschen Verbraucher die Zeche zahlen", sagt Busch.

mik/Reuters
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