Industrie Brexit gefährdet Lieferketten deutscher Unternehmen

Die britische Wirtschaft ist eng in den internationalen Produktionsprozess eingebunden. Der Brexit könnte deshalb auch für deutsche Unternehmen teurer werden, wenn die Einigung auf ein Freihandelsabkommen scheitert.

Autoproduktion bei Audi in Ingolstadt (Archivbild)
DPA

Autoproduktion bei Audi in Ingolstadt (Archivbild)


Der britische EU-Austritt gefährdet die weit verzweigten Lieferketten der deutschen Schlüsselindustrien. "Die komplexen Lieferketten könnten durch den Brexit schlimmstenfalls gesprengt werden", warnte der Wissenschaftler Berthold Busch in einem am Dienstag veröffentlichten Gutachten für das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Einzelteile für Flugzeuge oder Autos überschritten häufig zahlreiche Landesgrenzen, bis sie zu einem fertigen Produkt zusammengesetzt werden könnten. Im Jahr 2014 lieferten die Briten demnach Vorleistungen im Wert von rund 200 Milliarden Dollar in die EU-Staaten - allein für 36 Milliarden nach Deutschland.

Der Brexit bringt laut der Untersuchung diese enge Zusammenarbeit in Gefahr oder mache sie durch Zölle und andere Kosten zumindest teurer, sollten sich die Partner nicht auf ein Freihandelsabkommen einigen. Allein Chemie- und Automobilindustrie erhalten demnach jährlich Vorleistungen in Milliardenhöhe aus Großbritannien. "Die deutsche Industrie würde ohne ein Freihandelsabkommen empfindlich getroffen werden", sagte Busch. In Großbritannien sehe es nicht besser aus. Dort müssten vor allem die Dienstleister zittern, die viele Geschäfte mit Deutschland und der EU machten.

Einigten sich die Partner nicht auf einen zollfreien Handel und hielten sie andere Handelshürden nicht niedrig, könnten die Kosten für die Industrie nachhaltig steigen und die Preise nach oben treiben. "Am Ende würden dann auch die deutschen Verbraucher die Zeche zahlen", sagt Busch.

mik/Reuters



insgesamt 76 Beiträge
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willibaldus 25.07.2017
1.
Das war von vorneherein klar. Auch den Autokonzernen, die Berlin und Brüssel zu einer klaren Linie geraten haben.
dreamrohr2 25.07.2017
2.
die deutsche Wirtschaft ist eh gefährdet, bedenkt man welche Anstrengungen das Kartell und die lasche, blinde und mitwissende Politik, anstellen. Einerseits ist die deutsche Wirtschaft schön in ein Steuersystem von Selbstversorgung gebettet, brüstet sich dann auf eigenes Können, welches, weltweit betrachtet, eigentlich lächerlich ist. Dann sägen eigene Politiker durch weggucken und nicht Einschreiten weiter an der eh schon dünnen Pflanze. Anderseits verknüpfen sie unlösbare Verträge, wohlwissend, dass wenn diese gelöst werden müssen, eh der Steuerzahler dafür haften wird. Also, was hat letztendlich der Verbraucher/Bürger, wenn er sowieso für alles einstehen muss? Nur KONSUM! also geht deren Plan auf.
cybermano 25.07.2017
3. Wow eine ganz neue Erkenntniss!
Ich bin erstaunt! Das hatte doch so gar niemand erwartet dass auch die deutsche Wirtschaft beim Austritt schaden erleiden könnte! Also wirklich?..... nein da hat Spon bestimmt falsch recherchiert, und das ganze belastet nur die Insel :-)
peter-k 25.07.2017
4.
Jetzt sollen wir also darauf vorbereitet werden, dass Zugeständnisse auf uns zukommen werden. Das ist falsch. Die wollen EU nicht, lasst sie ziehen. Der Markt wird das schon hinbekommen. Die Hersteller werden schon andere Lieferanten finden. Einige werden die schon in der Schublade liegen haben.
socketuning 25.07.2017
5. Panikmache!
Die haben selbstverständlich mehr als einen Zulieferer (so weit es die Kartellabsprachen zulassen) und werden das schnell auszugleichen wissen. Auch was den Flugzeugbau angeht, stehen die verschiedenen Standorte sicher schon bereit.
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