Studie Brexit kostet Finanzbranche bis zu 38 Milliarden Pfund

Der Brexit rückt näher - und die Londoner Finanzbranche schlägt Alarm. Laut einer neuen Studie dürften die britischen Banken bis zu 38 Milliarden Euro Umsatz verlieren, wenn sie vom EU-Markt abgeschnitten würden.

Londoner Finanzviertel
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Londoner Finanzviertel


Die Angst der britischen Finanzbranche vor einem sogenannten "harten Brexit" wächst. Nachdem Premierministerin Theresa May am Wochenende angekündigt hatte, den Antrag zum Austritt aus der EU bis spätestens Ende März zu stellen, rechnet eine neue Studie nun noch einmal die möglichen Einbußen für die Finanzwirtschaft vor.

Laut der Untersuchung der Beratungsfirma Oliver Wyman könnte die Branche im schlimmsten Fall bis zu 38 Milliarden Pfund an Umsatz einbüßen. Zudem seien 75.000 Arbeitsplätze bedroht, heißt es in der Studie, die vom Branchenverband TheCityUK in Auftrag gegeben wurde.

Es sei wichtig, dass bei den Verhandlungen der britischen Regierung mit der EU ein Ergebnis erzielt werde, das die Geschäfte der Firmen möglichst wenig störe und im Interesse der Kunden sei, sagte Oliver-Wyman-Vizechef Hector Sants.

Konkret geht es den Banken, Versicherern und Hedgefonds um das sogenannte Passporting: Damit wird die Erlaubnis umschrieben, dass Firmen mit Sitz in Großbritannien ihre Dienstleistungen in der gesamten EU anbieten können, ohne vor Ort ansässig sein zu müssen. Um den Erhalt dieser Regelung dürfte in den anstehenden Brexit-Verhandlungen hart gerungen werden.

Brexit-Minister verspricht Unterstützung

Die Finanzbranche ist der wichtigste Wirtschaftszweig Großbritanniens und die wichtigste Steuerquelle des Staates. Der Studie zufolge kommt der Sektor auf einen jährlichen Umsatz von 190 bis 205 Milliarden Pfund und beschäftigt etwa 1,1 Millionen Menschen.

Zuletzt waren allerdings Sorgen aufgekommen, wie stark sich die Regierung für den Erhalt der Vorteile der Finanzbranche einsetzen wird. Der Schutz britischer Finanzunternehmen werde bei den Brexit-Verhandlungen keine Priorität haben, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag mit Bezug auf drei Personen aus dem Umfeld von Premierministerin May berichtet. Das britische Pfund war auf den tiefsten Stand seit 1985 gesunken.

Brexit-Minister David Davis erklärte am Dienstag, den Finanzsektor vor negativen Folgen eines EU-Abschieds schützen zu wollen. "Wir werden sicherstellen, dass Dinge wie das Passporting, um das sich die Leute sorgen, gelöst werden", sagte Davis. "Das ist gar keine Frage."

stk/Reuters/dpa

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gelegentlicher_spon_leser 05.10.2016
1. Überschrift
Banken wären nicht Banken, wenn sie diese Situation nicht dramatisieren würden. In der FAZ gabs gestern einen ganz anderen Artikel, in dem es um die Frage ging, wie weit denn die EU den Briten den Zugang zum Binnenmarkt überhaupt erschweren können, es gibt ja eine Reihe internationaler Handelsabkommen. Sah nicht sooo bedrohlich aus.
jujo 05.10.2016
2. ...
Ich lese immer das GB in Brüssel hart verhandeln will und Forderungen stellen will. Ich denke GB hat nichts zu fordern. Brüssel gibt den Takt vor. Liebe Briten, "take it or leave it" Ihr habt ein Problem und ihr seit das Problem. Es sieht so aus, daß Ihr in Eure selbst gestellte Falle stolpert. Die EU wird Euch die Hand reichen zu ihren (!) Bedingungen, hoffentlich.
denker111 05.10.2016
3. ???
Zum Artikel: Umsatz ist bei einer Bank keine gute Kenngröße. Wenn es also stimmt dass nur 38 Mrd ? Umsatz wegfallen muss das nicht unbedingt eine Katastrophe sein. Zum Inhalt: Es wäre wohl besser gewesen, wenn die Banken die extremen Vorteile der EI fürihre Geschäfte in Vorteile für das Land umgewandelt hätten, dann hätten vielleicht nicht so viele für den brexitgestimmt. Zu meiner persönlichen Meinung: Das heißt ja, dass Rest-Europa bald höhere Umsätze im Bankenwesen erwarten kann. ??
chinawoman 05.10.2016
4. Rosinenpickerei beginnt
Wie zu erwarten war. Kaum soll der Brexit nun doch Wirklichkeit werden fällt denen ein was alles plötzlich nicht mehr so selbstverständlich ist. Also schnell mal sagen was man alles behalten möchte von der ungeliebten EU. Natürlich die Rosinen. Ich bin für einen harten Brexit oder gar keinen. Vielleicht merken die Briten dann endlich dass ihre Zeit als globale Weltmacht vorbei ist und sie in einer starken Gemeinschaft besser aufgehoben sind. Ich persönlich würde sie gern in der EU haben, diese eigenwilligen Insulaner, aber sie müssen es auch selbst wollen und erkennen das nur ein vereintes Europa auf Dauer auf der großen Bühne mitreden kann.
querdenker13 05.10.2016
5. Was interessiert das
Die Briten wollten raus aus der EU. Also müssen sie mit allen negativen Folgen für ihre Mafia ähnlichen Bankensektor und ihrem kümmerlichen Rest von Industrie leben. Pech gehabt. Und um die Banken kommt bei keinerlei Mitleid oder Bedauern auf, Schadensfreude ja.
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