Brexit Londoner Geldhäuser verschieben Kapital in den Euroraum

Wenn Ende Oktober die Briten aus der EU ausscheiden, werden nach Ansicht des obersten EZB-Bankenaufsehers 24 Banken Geschäftsteile in die Eurozone verlagern. Dabei würde mehr als eine Billion Euro umgeschichtet.

Über Londons Bankenviertel geht die Sonne auf - auch wenn mehrere Institute Geschäfte verlagern
REUTERS

Über Londons Bankenviertel geht die Sonne auf - auch wenn mehrere Institute Geschäfte verlagern


Der oberste EZB-Bankenaufseher Andrea Enria erwartet, dass Geldhäuser im Zuge des Brexit erhebliche Geschäftsteile von London in die Eurozone verlagern.

Voraussichtlich würden am Ende des Prozesses Vermögenswerte von 1,3 Billionen Euro von der britischen Hauptstadt in den Euroraum bewegt, sagte Andrea Enria in einem Interview mit dem finnischen Fernsehsender Yle.

Demnach würden 24 Banken in Teilen umziehen. Sieben davon würden direkt unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank stehen. Weitere 17 würden dort unter nationaler Aufsicht stehen, wohin sie umziehen.

"Alle Anforderungen erfüllt"

Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Kontrolle der großen Geldhäuser im Euroraum zuständig. Aktuell gilt das für 114 Banken, darunter auch die Deutsche Bank und die Commerzbank. Die Überwachung der kleineren Institute obliegt weiterhin den nationalen Aufsichtsbehörden.

Im Zuge der Vorbereitungen auf den Brexit hätten die Banken alle von der Aufsicht verlangten Anforderungen erfüllt, sagte Enria. Ein Notfallplan sei zudem in Kraft. Ein solches Ereignis könne aber Schocks und Turbulenzen an den Finanzmärkten zur Folge haben, warnte Enria. Die Aufsicht müsse darauf vorbereitet sein.

Der britische Premierminister Boris Johnson hatte angekündigt, den Brexit mit oder ohne Abkommen am 31. Oktober zu vollziehen. Kritiker befürchten bei einem Ausscheiden des Landes aus der EU ohne Austrittsabkommen starke wirtschaftliche Verwerfungen.

brt/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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Leistungs-Träger 28.08.2019
1. Steuern?
Bei Auslandssachverhalten muss ich immer automatisch an Steuern denken. Speziell wenn Geld bisher außerhalb der Länder gebunkert wurde, in die es zum Brexit umgeschichtet werden soll. Ich hoffe, bei den Aufsichtsbehörden guckt man sich das auch mal an, ob das alles versteuertes Geld ist.
uezegei 28.08.2019
2.
Zitat von Leistungs-TrägerBei Auslandssachverhalten muss ich immer automatisch an Steuern denken. Speziell wenn Geld bisher außerhalb der Länder gebunkert wurde, in die es zum Brexit umgeschichtet werden soll. Ich hoffe, bei den Aufsichtsbehörden guckt man sich das auch mal an, ob das alles versteuertes Geld ist.
Sie sind wohl der irrigen Ansicht, dass es sich da um das Geld von ein paar Zahnärzten oder Gynäkologen handelt, so wie weiland das Geld, das sich auf den Schweizer Steuer-CDs wiederfand... Mitnichten, das sind Anlagewerte aus Aktienfonds, Hedgefonds, etc. pp... zuallerst also erst mal "institutionelles Geld". Das ist mit einem Tastendruck auf dem PC umgebucht und hat mit dem deutschen Fiskus erst mal so lange wenig zu tun, bis es durch Aktienverkauf von institutionellem Vermögen wieder re-privatisiert wird.
willibaldus 28.08.2019
3.
Mein Stand der Information war, dass zwischen einer und zwei Billionen bereits aus dem UK in die EU gewandert sind. ZB der Fond von Jakob Rees Mogg, der damit nach Dublin umgezogen ist und einige andere mehr.
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