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01. Dezember 2016, 18:41 Uhr

Verblüffende Volte

Brexit-Minister erwägt Zahlung für EU-Binnenmarktzugang

Die britische Wirtschaft leidet bereits jetzt unter dem bevorstehenden Brexit. Nun macht der zuständige Minister für Großbritanniens EU-Austritt einen überraschenden Vorschlag.

Großbritannien könnte nach dem Brexit einen finanziellen Beitrag für den Verbleib im europäischen Binnenmarkt leisten. Das teilte der für die Verhandlungen zum Austritt aus der EU zuständige britische Minister David Davis am Donnerstag mit.

Bei einer Fragestunde im Londoner Unterhaus sagte Davis, die Regierung strebe für britische Güter und Dienstleistungen den "bestmöglichen Zugang" zum europäischen Markt an. Dazu erwäge man unter anderem, einen Beitrag an die EU zu zahlen.

Im September hatte Davis noch gesagt, es sei unwahrscheinlich, dass Großbritannien Mitglied des EU-Binnenmarkts bleibe. Doch mittlerweile spürt die britische Industrie zunehmend die Nachteile des Brexit-Votums. Die Betriebe haben wegen der Pfund-Schwäche verstärkt mit steigenden Kosten zu kämpfen, wie eine Umfrage des IHS-Markit-Instituts belegt. Demnach zogen die Preise für Materialien und Energie im Oktober so stark an wie seit sechs Jahren nicht und im November fast genauso kräftig. Die meisten befragten Manager erklärten dies mit dem Währungsverfall.

Pfund steigt deutlich

Das britische Pfund, das nach dem Anti-EU-Referendum Ende Juni abgestürzt ist, legte am Donnerstag nach den Davis-Äußerungen zu. Die Währung kostete so viel wie seit fast drei Monaten nicht mehr.

Die EU vertritt die Auffassung, dass Großbritannien nach dem Austritt nur weiter am Binnenmarkt teilnehmen könne, wenn es zugleich die Freizügigkeitsregeln der EU einhalte. Dazu gehöre auch die Freizügigkeit der Personen. London will die Einwanderung strikt kontrollieren.

Die eigentlichen Brexit-Verhandlungen können erst beginnen, wenn London das Ausscheiden aus der Europäischen Union nach Artikel 50 des EU-Vertrags schriftlich beantragt hat. Premierministerin Theresa May hat angekündigt, dies bis Ende März zu tun.

ssu/AFP/Reuters

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