Verblüffende Volte Brexit-Minister erwägt Zahlung für EU-Binnenmarktzugang

Die britische Wirtschaft leidet bereits jetzt unter dem bevorstehenden Brexit. Nun macht der zuständige Minister für Großbritanniens EU-Austritt einen überraschenden Vorschlag.

Brexit-Minister David Davis
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Brexit-Minister David Davis


Großbritannien könnte nach dem Brexit einen finanziellen Beitrag für den Verbleib im europäischen Binnenmarkt leisten. Das teilte der für die Verhandlungen zum Austritt aus der EU zuständige britische Minister David Davis am Donnerstag mit.

Bei einer Fragestunde im Londoner Unterhaus sagte Davis, die Regierung strebe für britische Güter und Dienstleistungen den "bestmöglichen Zugang" zum europäischen Markt an. Dazu erwäge man unter anderem, einen Beitrag an die EU zu zahlen.

Im September hatte Davis noch gesagt, es sei unwahrscheinlich, dass Großbritannien Mitglied des EU-Binnenmarkts bleibe. Doch mittlerweile spürt die britische Industrie zunehmend die Nachteile des Brexit-Votums. Die Betriebe haben wegen der Pfund-Schwäche verstärkt mit steigenden Kosten zu kämpfen, wie eine Umfrage des IHS-Markit-Instituts belegt. Demnach zogen die Preise für Materialien und Energie im Oktober so stark an wie seit sechs Jahren nicht und im November fast genauso kräftig. Die meisten befragten Manager erklärten dies mit dem Währungsverfall.

Pfund steigt deutlich

Das britische Pfund, das nach dem Anti-EU-Referendum Ende Juni abgestürzt ist, legte am Donnerstag nach den Davis-Äußerungen zu. Die Währung kostete so viel wie seit fast drei Monaten nicht mehr.

Die EU vertritt die Auffassung, dass Großbritannien nach dem Austritt nur weiter am Binnenmarkt teilnehmen könne, wenn es zugleich die Freizügigkeitsregeln der EU einhalte. Dazu gehöre auch die Freizügigkeit der Personen. London will die Einwanderung strikt kontrollieren.

Die eigentlichen Brexit-Verhandlungen können erst beginnen, wenn London das Ausscheiden aus der Europäischen Union nach Artikel 50 des EU-Vertrags schriftlich beantragt hat. Premierministerin Theresa May hat angekündigt, dies bis Ende März zu tun.

ssu/AFP/Reuters



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crazy_swayze 01.12.2016
1.
Die Engländer werden erst einmal noch zappeln gelassen bzw. wollen selbst nicht so recht den Startschuss für Verhandlungen geben. Der EU kann es recht sein - jeder Tag der Unsicherheit ist ein schlechter Tag für die englische Wirtschaft. Die EU braucht keine GB-Almosen, der Binnenmarkt ist so ein starkes Druckmittel, die GB steht da beim verhandeln schlicht auf verlorenem Posten.
Dumme Fragen 01.12.2016
2. Ohne Britenrabatt!
Super! Da kommt Geld in die Kasse!
schwerpunkt 01.12.2016
3.
Das wäre ganz sicher ein Ergebnis, dass diejenigen im Kopf hatten, welche damals für den Brexit votiert haben. War doch die einspraung eines von zwei Hauptargumenten. Auf diese Weise wird der Zugang zum Binnenmarkt noch teurer als wenn GB in der EU geblieben wäre ... Sehr sinnvolle Aktion. /sarkasmus
PaulchenGB 01.12.2016
4. GB könnte einen Beitrag leisten!!!
wenn ..................... Natürlich stellt GB dann Bedingungen und dazu gehört eine Quote für EU-Migranten. Die 27 EU-Staaten wollen alle mit GB "Handel und Wandel" treiben. Es gibt noch mehr Märkte als nur den immer vielzitierten EU-Binnenmarkt. Der EU-Auflösungsprozess ist doch voll im Gange. Schulz verlässt ja auch schon das sinkende Schiff.
wll 01.12.2016
5. Kein Titel
Ja was haben die Briten denn erwartet? Alle Nichtmitglieder der EU, die am Gemeinsamen Markt teilnehmen (u. a. Schweiz, Norwegen, Island) müssen in den EU-Kohäsionsfonds einzahlen. Hat man in London ernsthaft gedacht, das Vereinigte Königreich müsse dann als Einziger nicht bezahlen? Tja, Pech gehabt. Das war dann wohl die nächste in einer langen Reihe von Fehleinschätzungen der Brexiteers. Auf die versprochenen 350 Mio. Pfund pro Woche wird der NHS wohl auch noch etwas länger warten müssen... ;-)
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