Brexit Überschwemmen die Amerikaner Großbritannien bald mit Chlorhühnchen?

Nach dem Brexit müssen die Briten neue Handelsabkommen schließen - auch mit den USA. Die dringen bereits auf freien Marktzugang, viele Briten fürchten schlechtere Lebensmittelstandards.
Hähnchen in Plastiktüten (Symbolbild)

Hähnchen in Plastiktüten (Symbolbild)

Foto: Frank May/ picture alliance / dpa

Vier Wochen vor dem offiziellen Austrittsdatum Großbritanniens aus der EU wächst die Sorge vieler Briten vor dem viel zitierten Chlorhühnchen - denn die USA drängen auf ein Freihandelsabkommen nach ihren Vorstellungen. Dazu gehöre ein "umfassender Marktzugang für US-Agrarprodukte in Großbritannien", zitiert der "Guardian"  aus einem neuen Papier des US-Handelsvertreters Robert Lighthizer.

Eine Sprecherin der britischen Premierministerin Theresa May sagte dazu: "Wir haben klar gesagt, dass wir die Standards für Lebensmittel in künftigen Handelsabkommen nicht absenken werden." Die USA hingegen fordern dem "Guardian" zufolge die Beseitigung von "ungerechtfertigten Barrieren", die sich auf "Gesundheits- und Hygienestandards" in der Landwirtschaft beziehen.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump wünscht sich demnach für Landwirtschafts- und Industrieprodukte den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen, auch regulatorische Unterschiede sollten reduziert werden.

Brexit-Befürworter versprechen gleichbleibende oder höhere Standards

Mit dem Brexit scheidet Großbritannien auch aus den 40 Freihandelsverträgen der EU mit Drittstaaten aus. Brexit-Befürworter hatten in der Vergangenheit argumentiert, dass Großbritannien mit den Staaten dann profitablere Freihandelsabkommen schließen und so das Wirtschaftswachstum auf der Insel fördern könne.

Umweltminister Michael Gove hat wiederholt versprochen, dass die Lebensmittelstandards nach dem Brexit auf dem gleichen Niveau bleiben oder sich sogar verbessern würden. Bisher hat das Land erst vier Nachfolgeverträge für den Handel geschlossen: Mit der Schweiz, Chile, dem ost- und südafrikanischen Handelsverbund ESA und den Färöer-Inseln.

In der EU ist die Kommission für den Abschluss von Handelsverträgen verantwortlich. Die Verhandlungen mit den USA über das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP hatten europaweit massive Proteste ausgelöst und wurden mit der Wahl von Trump zum Präsidenten erst einmal ruhen gelassen.

TTIP-Gegner kritisierten damals unter anderem die amerikanischen Regelungen zum Gebrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft, Chlorbädern für frischgeschlachtete Hühner und Hormonen in der Fleischproduktion. Die US-Regierung bezeichnete die Bedenken gegen die Produktionsregeln hingegen als ungerechtfertigt.

EU-Vertreter fürchten Umgehen der EU-Standards

Auch EU-Vertreter rechnen damit, dass die Lebensmittelstandards in Großbritannien sinken könnten - und sorgen sich um die Konsequenzen für die EU. So forderte Elmar Brok (CDU), Mitglied im Brexit-Gremium des EU-Parlaments, dass im Falle eines ungeregelten Brexits die Grenze zu Nordirland wieder kontrolliert werden müsse: "Sonst haben wir bald amerikanische Chlorhühnchen in der EU."

Premierministerin May ringt derzeit mit der EU und dem britischen Parlament um ein Abkommen über die künftigen Beziehungen Großbritanniens mit der EU. Eine Verschiebung des Austritts erscheint zunehmend wahrscheinlich.

Für den Fall eines harten Brexits will Großbritannien mit dem Betreiber des Eurotunnels verhandeln, damit Lebensmittel weiter ins Land gelangen können. Mays Sprecherin sagte dazu: "Wir haben beschlossen, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, um sicherzustellen, dass die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern in einem No-Deal-Szenario nicht in Gefahr gerät."

kko/Reuters
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