Steuersenkung wegen Brexit May will Konzerne radikal entlasten

Großbritannien wappnet sich für den Brexit: Premierministerin Theresa May hat eine Senkung der Körperschaftsteuer angekündigt - um europäische Firmen anzulocken.

Premierministerin Theresa May
AFP

Premierministerin Theresa May


Die britische Premierministerin Theresa May hat weitreichende Maßnahmen angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen von Großbritanniens Austritt aus der EU abzufedern. May kündigte in einer Grundsatzrede an, die für Firmen maßgebliche Körperschaftsteuer erheblich zu senken.

Sie strebe den niedrigsten Satz der 20 größten Industrienationen an, sagte May bei der Jahreskonferenz der "Confederation für British Industry" (CBI). Im Gespräch ist eine Absenkung des Steuersatzes auf unter 15 Prozent. "Wir werden in Kürze unsere Pläne veröffentlichen", sagte die Regierungschefin. Derzeit liegt der Satz in Großbritannien bei 20 Prozent, in Deutschland sind es knapp 30 Prozent.

Mit der Steuersenkung könnte Großbritannien versuchen, Unternehmen aus anderen Ländern anzulocken. In Europa hat vor allem Irland mit niedrigen Steuersätzen internationale Konzerne angezogen. Viele Unternehmen in Großbritannien befürchten durch dem geplanten Austritt aus der Europäischen Union Nachteile.

Hintergründe zu Mays Steuerstreit mit der EU: nicht die feine englische Art

Experten gehen davon aus, dass der Brexit für Großbritannien massive wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen dürfte. Nach Berechnungen der Stiftung Resolution Foundation könnte der volkswirtschaftliche Schaden für das Vereinigte Königreich in den kommenden fünf Jahren bei 84 Milliarden Pfund liegen.

May stellt außerdem eine Hightech-Offensive in Aussicht. Aus Großbritannien würden zwar viele Nobelpreisträger stammen, "zu oft werden unsere großartigen Ideen aber anderswo kommerzialisiert". May will nun "mehr Innovatoren zum Durchbruch" verhelfen. Das Steuersystem solle um Anreize für innovative Firmen ergänzt werden.

Ebenfalls geplant: Die Einrichtung eines "Industrial Strategy Challenge Fund". Der Fördertopf soll mit zwei Milliarden Pfund pro Jahr ausgestattet werden, umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro. Der Fond solle dabei helfen, "unsere weltweit führende Forschung umzuwandeln in langfristigen Erfolg", so May.

beb/Reuters

insgesamt 117 Beiträge
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Casparcash 21.11.2016
1. klingt nach panik
ein versuch, die firmen in gb zu halten. was bleibt ihr anderes übrig? langfristig werden die abwandern, wenn die eu die harte haltung beibehält. und so sieht es im augenblick aus.
der_durden 21.11.2016
2.
Wenn May sich auf diese Weise einen unfairen Wettbewerbsvorteil erschleichen will, wird man wohl über die Zölle einen Ausgleich erzielen müssen. Mal schauen, ob ihre Rechnung da aufgehen kann, Unternehmenssteuerpolitik ganz auf eigene Faust zu machen.
realplayer 21.11.2016
3.
Hmm, und woher kommen dann die Steuereinahmen?
cicero_muc 21.11.2016
4. Mit europäischen Konzernen kommen europäische Mitarbeiter
... aber gerade die will GB doch gar nicht haben? Na, schwierig das Ganze, irgendwie. -
viwaldi 21.11.2016
5. Auweia, das geht in die Hose
Glaubt Frau May wirklich, mit einer paar simplen Ideen könne man ein Land komplett umkrempeln? Wenn es sooo einfach wäre, dann wären die andern ja komplette Voll-Horste. So ist es aber nicht. Weil GB zwar kurzfristig "Cherry-picking" versuchen könnte - nur was ist wenn Deutschland dann auch die Steuer auf 15% reduziert? Upps - schon ist das ganze Geschäftsmodell futsch, man hat dann eine loose-loose Situation geschaffen. Frau May, warum soll eine Idee klappen, die von Anfang an auf Lügen aufgebaut war? Realitätsverweigerung dürfte kein Erfolgrezept sein, auch auf einer Insel nicht.
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