Umfrage Mehrheit der EU-Bürger rechnet nicht mit gravierenden Brexit-Folgen

Ein Großteil der Europäer sieht dem Brexit gelassen entgegen. Bei einer Umfrage unter EU-Bürgern gaben 61 Prozent an, der Austritt Großbritanniens werde keine spürbaren Auswirkungen auf die EU-Länder haben.

Brexit-Gegnerin in London
REUTERS

Brexit-Gegnerin in London


Die Mehrheit der EU-Bürger rechnet laut einer Umfrage nicht mit spürbaren oder gar negativen Folgen des Brexits für die übrigen Mitgliedstaaten. Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung wurden in den 28 Mitgliedstaaten rund 11.700 repräsentativ ausgewählte Menschen im Alter von 14 bis 65 Jahren befragt. 61 Prozent vertraten demnach die Auffassung, dass der Brexit keine spürbaren Auswirkungen auf die EU-Länder haben wird. 27 Prozent gehen von negativen Folgen aus. 12 Prozent der Befragten gaben dagegen an, dass es anderen EU-Staaten ohne die Briten besser gehen wird. Die Niederländer und die Polen sind laut der Umfrage am pessimistischsten: Je rund ein Drittel der Befragten dort rechnet mit Nachteilen.

Deutlich stärker gingen die Meinungen bei der Frage auseinander, ob die Briten selbst vom EU-Austritt profitieren werden oder nicht. Europaweit gehen 44 Prozent von Nachteilen für Großbritannien aus, 25 Prozent rechnen mit Vorteilen. Der Rest glaubt, die Lage der Briten bleibe auch nach einem EU-Austritt dieselbe. Die Befragung fand im Dezember 2018 statt - ohne dass in der Fragestellung konkretisiert wurde, wie genau der EU-Austritt vonstattengehen soll. Ob die Befragten also von einem geordneten oder einem harten Brexit ausgehen.

Entscheidend für die Haltung der Befragten ist den Daten zufolge auch die angegebene Parteipräferenz: Wer rechtsextremen oder rechtspopulistischen Parteien nahesteht, ist demnach sehr viel häufiger der Meinung, es werde den Briten nach dem Ausstieg aus der EU besser gehen. Am deutlichsten zeigt sich dies in Frankreich und Italien: Anhänger der von der Rechtspopulistin Marine Le Pen geführten Partei Rassemblement National vertraten mit 59 Prozent deutlich häufiger die Meinung, die Briten würden vom Brexit profitieren. Auch Italiener, die sich Salvinis rechter Lega nahe sehen, vertraten mit 52 Prozent mehrheitlich diese Meinung.

Während die EU-Bürger sich der Bertelsmann-Umfrage zufolge insgesamt eher gelassen geben, herrscht bei Wirtschaftsvertretern Nervosität. Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnte, die deutschen Unternehmen und auch die britischen Firmen müssten sich im Falle eines ungeordneten Brexit auf einen massiven wirtschaftlichen Schaden einstellen.

Im Ringen um den Brexit ist die britische Premierministerin Theresa May Kritikern in ihrer Fraktion und im Kabinett entgegengekommen. Sie versprach, die Abgeordneten über eine Verschiebung des Brexits abstimmen zu lassen. Sollte sie bis zum 12. März mit ihrem Austrittsabkommen wieder scheitern, will May die Abgeordneten vor die Wahl zwischen einem Ausscheiden ohne Abkommen oder einer "kurzen Verlängerung" stellen. Sie sprach sich zugleich aber erneut dafür aus, die EU wie ursprünglich festgelegt am 29. März und mit einem Austrittsabkommen zu verlassen.

mmq/dpa



insgesamt 17 Beiträge
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Korken 27.02.2019
1. Repräsentativ
Bevor wieder jemand schreit, dies sei bei nur 11.000 Leuten nicht repräsentativ, so sei daran erinnert, dass Repräsentativität erstmal nichts mit der Anzahl der Interviewten zu tun hat. Trotzdem sei darauf hingewiesen, dass 1000 Leute in Deutschland unter 82 Mio. umgangssprachlich als repräsentativ gelten, insofern sind 11.000 Leute bei 500 Mio. Einwohnern noch "repräsentativer" als es bei Umfragen nur in Deutschland der Fall ist. Im übrigen spiegelt diese Umfrage ziemlich genau meine eigene Erfahrung mit Gesprächen anderer wieder. Auch bleibt meine meinung zum Brexit, macht Ende März lieber ein Ende mit Schrecken als umgekehrt. Der britischen Anti-EU-Murdoch-Presse fällt inzwischen gar nichts mehr ein, wie sie EU Bashing weiterbetreiben soll. Anscheinend dämmert es dort langsam, was sie sich gerade absägen...
j.vantast 27.02.2019
2. Was ist Repräsentativ?
Zitat von KorkenBevor wieder jemand schreit, dies sei bei nur 11.000 Leuten nicht repräsentativ, so sei daran erinnert, dass Repräsentativität erstmal nichts mit der Anzahl der Interviewten zu tun hat. Trotzdem sei darauf hingewiesen, dass 1000 Leute in Deutschland unter 82 Mio. umgangssprachlich als repräsentativ gelten, insofern sind 11.000 Leute bei 500 Mio. Einwohnern noch "repräsentativer" als es bei Umfragen nur in Deutschland der Fall ist. Im übrigen spiegelt diese Umfrage ziemlich genau meine eigene Erfahrung mit Gesprächen anderer wieder. Auch bleibt meine meinung zum Brexit, macht Ende März lieber ein Ende mit Schrecken als umgekehrt. Der britischen Anti-EU-Murdoch-Presse fällt inzwischen gar nichts mehr ein, wie sie EU Bashing weiterbetreiben soll. Anscheinend dämmert es dort langsam, was sie sich gerade absägen...
Es mag ja sein dass nach der Lehre der Statistiker so eine Umfrage als Repräsentativ gilt. Aber dann hat Repräsentativ nichts mit Realität zu tun /Wieviel 14 jährige interessieren sich bitte für Europapolitik?). Wobei ich es mir in diesem fall noch erklären könnte da die meisten Menschen bestenfalls die Schlagzeilen über den Brexit lesen. Wie und auf welchen Gebieten ein Brexit, ob hart oder weich, Konsequenzen im täglichen Leben haben wird können sich die meisten nicht ausmalen. Ich zumindest glaube dass die Konsequenzen des Brexit deutlicher zu spüren sein werden als die meisten EU-Bürger sich das vorstellen, aber auch nicht so extrem wie es die Wirtschaftsvertreter prophezeien die gerade den Weltuntergang an die Wand malen.
oscar iii 27.02.2019
3. EU Referendum zur Trennung von GB
Warum dürfen sich eigentlich die in der EU verbleibenden Mitglieder nicht zur Trennung aüßern. Ich rege ein Referendung an, dass die Trennung der EU von GB beinhaltet. Wer die Extrawürste der Briten nicht mehr will, sollte auch ein Recht haben, dies zu artikulieren.
captain1jack 27.02.2019
4. Par excellence
Zitat von oscar iiiWarum dürfen sich eigentlich die in der EU verbleibenden Mitglieder nicht zur Trennung aüßern. Ich rege ein Referendung an, dass die Trennung der EU von GB beinhaltet. Wer die Extrawürste der Briten nicht mehr will, sollte auch ein Recht haben, dies zu artikulieren.
Dafür setzen sich ja die von uns gewählten Volksvertreter ein und das machen Sie meiner Meinung nach nicht schlecht in Sachen Brexit. Was so ein emotionsgeladener Volksentscheid ohne jegliche Objektivität der Sachlage bringt sehen wir ja par excellence...
pepe-b 27.02.2019
5. @ j.vantast
Auch Sie beschäftigen sich doch bitte nochmal eingehender mit dem Begriff Repräsentativität. Dabei spielt es nämlich keine Rolle, ob sich jemand seine Meinung auf Basis eines Würfels, nur Schlagzeilen oder echter Sachkunde bildet. Es geht schlicht um eine Meinung. Woher die kommt, ist egal. Wenn man als Killerargument anführt, dass man eine Meinung nicht werten könne, weil sie nur auf Schlagzeilen basiert, dann müsste man nämlich auch alle Anhänger der Rechtspopulisten rausrechnen.
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