Rechnungshofbericht Brexit-Vorbereitungen kosteten britische Steuerzahler mehr als vier Milliarden Pfund

Der britische Rechnungshof legt erstmals offen, wie viel Geld der Brexit schon jetzt gekostet hat - und dass Tausende Menschen an den Vorbereitungen arbeiteten. Dabei handele es sich nur um eine Mindestschätzung.
Brexit-Party in London

Brexit-Party in London

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Henry Nicholls/ REUTERS

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat die britischen Steuerzahler mindestens 4,4 Milliarden Pfund (rund 4,6 Milliarden Euro) zusätzlich gekostet. Diese Summe wurde von den Ministerien im Zeitraum zwischen dem Brexit-Referendum im Juni 2016 und dem 31. März dieses Jahres mindestens ausgegeben. Das teilte der britische Rechnungshof mit.

Dem Rechnungshof zufolge umfassen die Ausgaben:

  • 1,9 Milliarden Pfund an Personalkosten

  • 1,5 Milliarden Pfund für die Einführung neuer Systeme und Infrastruktur

  • 288 Millionen Pfund für externe Berater

"Bei ihren Vorbereitungen für den Austritt aus der EU haben die Regierungsabteilungen mehrere mögliche Szenarien geplant", sagte Gareth Davies, Leiter des Rechnungshofs. Seinen Angaben zufolge ist die Höhe der Ausgaben jedoch nur eine "Mindestschätzung", da die von den Behörden zur Verfügung gestellten Daten "begrenzt" seien.

22.000 Menschen involviert

Auf dem Höhepunkt der Verhandlungen im Oktober vergangenen Jahres hätten rund 22.000 Menschen an den Vorbereitungen für den Brexit sowie an einem möglichen No-Deal-Szenario mit der EU gearbeitet, hieß es weiter.

Alistair Carmichael von den Liberaldemokraten kritisierte, Milliarden Pfund an Steuergeldern seien wegen des "Brexit-Chaos verschwendet" worden. "Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu wissen, wohin das alles fließt", sagte Carmichael. Angesichts von Naturkatastrophen und der Bedrohung durch das Coronavirus müsse hinterfragt werden, "ob die Regierung ihre Ausgaben-Prioritäten kennt", sagte er.

Die oppositionelle Labour-Politikerin Meg Hillier warf der Regierung vor, die Öffentlichkeit über ihre Pläne "im Dunkeln" zu lassen. "Die Daten sind begrenzt, und das Finanzministerium scheint über den Mangel an Transparenz nicht besorgt zu sein."

hej/AFP

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