Drohende Zölle Wie britische Bauern mit dem Brexit zocken müssen

Für britische Exporthändler beginnt der Brexit bereits jetzt. Sie müssen entscheiden: Laden sie noch Waren auf Schiffe nach Asien, wenn zum Zeitpunkt der Ankunft dort Zölle drohen?

Containerschiff im Hafen von Felixstowe im Süden Englands
REUTERS

Containerschiff im Hafen von Felixstowe im Süden Englands


Die Unklarheit über den Brexit belastet die britische Landwirtschaft. Wird das Land Ende März ungeregelt aus der EU austreten, oder gibt es doch noch ein Abkommen? Bauern und Lebensmittelproduzenten müssten bereits jetzt abwägen, ob sie nächste Woche mit der Verschiffung ihrer Produkte fortfahren sollen, wenn ihre Exporte bei der Ankunft im Zielland bisher nicht üblichen Zöllen unterliegen könnten, sagte eine Vertreterin der Landwirte in Großbritannien.

Die Entscheidung müsse bereits bald getroffen werden, sagte Minette Batters, Präsidentin der National Farmers Union (NFU). "Nächste Woche werden Schiffe mit Fracht an Bord Großbritannien verlassen - mit britischen Nahrungsmittelexporten an Bord -, die nach dem 29. März an ihren Bestimmungsorten ankommen werden", sagte sie auf der NFU-Jahreskonferenz. "Landwirte und Lebensmittelhersteller müssen deshalb jetzt entscheiden, ob sie britische Produkte auf Schiffe verladen möchten." Als Stichtag nannte sie den 28. Februar.

Kein Absatzmarkt für viereinhalb Millionen Lämmer?

Der Transport von beispielsweise gefrorenen Fleischwaren dauere zu Zielen in Fernost per Schiff etwa einen Monat, hieß es. Einige Bestimmungsorte in der Gegend unterhalten mit der EU Freihandelsabkommen, die aber nicht greifen würden, falls sich London und Brüssel nicht doch noch auf ein Abkommen zum EU-Austritt einigen. Die Lieferungen könnten Zöllen oder anderen Handelshemmnissen unterliegen.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten sehen sich auch US-Unternehmen im Handelsstreit mit China konfrontiert. Da am 1. März die Frist für Verhandlungen zwischen Washington und Peking endet, hat der Autobauer Tesla in letzter Minute noch mehrere Autofrachter gen China losgeschickt.

Für die britischen Landwirte wäre ein No-Deal bei den Brexit-Verhandlungen vor allem aber auch für ihren Absatz in die EU ein Problem. Sollten hohe Zölle erhoben werden, gebe es für viereinhalb Millionen Lämmer de facto keinen Markt mehr, sagte Batters. Die Viehzüchter seien von der EU als Absatzmarkt abhängig. Ein ungeordneter Brexit wäre "eine Katastrophe für die britische Landwirtschaft".

Britischer Landwirt (Symbolbild)
REUTERS

Britischer Landwirt (Symbolbild)

Es herrsche eine große Unsicherheit in der Branche, ob sie bei einem ungeregelten Brexit noch ihren Bedarf an Saisonarbeitskräften aus anderen Ländern decken kann, sagte Batters. Besonders Obst- und Gemüsebauern seien auf diese Menschen angewiesen. "Es ist schockierend, dass sich die Landwirte - und viele britische Unternehmen - sich in dieser Lage befinden." Die Zahl britischer Landwirte könnte stark zurückgehen.

apr/Reuters



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